Ist die Kritik am Deichverband berechtigt?

Der Schutz vor Hochwasser ist seit jeher die Hauptaufgabe der Deichverbände
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lt. Altes Land. Die Bürger vor Sturmfluten und Hochwasser zu schützen, ist seit jeher die Hauptaufgabe der Deichverbände. Obwohl dies auch im Interesse jedes Einwohners in der Elbregion liegen sollte, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte zwischen beiden Seiten, z.B. als es vor fünf Jahren um Baumfällungen an Este und Lühe ging (das WOCHENBLATT berichtete). Den Verbänden wurde immer wieder vorgeworfen, sie seien nicht transparent, nicht gesprächsbereit, nur schwer erreichbar und nicht zeitgemäß aufgestellt.
Glaubt man Grünendeichs Bürgermeisterin Inge Massow-Oltermann, dann hat sich daran noch immer nicht genug geändert. Wie berichtet, hat die einzige weibliche Deichgeschworene im Verband der I. Meile kürzlich ihr Amt nach knapp zehn Jahren frustriert niedergelegt. Ihrer Meinung nach sei der Verband nicht ausreichend auf einen Ernstfall vorbereitet, informiere die Bürger nicht optimal, schule seine Mitglieder nicht gut und sei nicht offen für neue Ideen.
Klaus Jarck, Oberdeichrichter des Deichverbandes I. Meile Alten Landes, sieht das anders. Seit er das Amt vor drei Jahren übernommen habe, sei u.a. die Satzung geändert worden und die jährlichen Versammlungen fänden nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dafür, dass leider nur wenige Bürger das Angebot nutzen und Interesse an der ehrenamtlichen Arbeit des Deichverbandes zeigten, könne er auch nichts, so Jarck.
Dass der Verband nicht ausreichend auf den Katastrophenfall vorbereitet sei, stimme ebenfalls nicht. Die Abschnittsleiter seien entsprechend geschult und im Zweifel reiche es, wenn einer wisse, wie man einen Sandsack befülle. Jarck weist darauf hin, dass im Ernstfall ohnehin der Landkreis das Kommando übernehme, da die Behörde für den Katastrophenschutz zuständig sei.
Auch Jarcks Pendant im Verband der II. Meile Alten Landes, Wilhelm Ulferts, ist der Meinung, dass sich in den vergangenen drei Jahren vieles zum Positiven verändert hat und die Verbände transparenter geworden seien. Gleichwohl gebe es immer noch Verbesserungsbedarf.
Ulferts wünscht sich u.a., dass für die Mitglieder mehr Übungen zum Thema Deichverteidigung gemacht werden. Vor allem wünscht sich Ulferts aber, dass sich mehr Frauen für das Ehrenamt des Deichgeschworenen interessieren und der Verband künftig nicht ausschließlich aus Männern besteht.
Beide Oberdeichrichter betonen, dass sie stets für Gespräche mit Bürgern offen seien und sich auch immer über Teilnehmer bei den jährlichen Deichschauen freuen - wenn diese sich vorher anmelden.
• Der Deichverband I. Meile Alten Landes ist wie folgt zu erreichen: www.deichverband-erste-meile.de, info@deichverband-erste-meile.de, Sprechtage: jeden 1. Dienstag im Monat 19-20 Uhr, An der Eilwettern 2 in Hollern-Twielenfleth, Tel.: 04141 -792201.
• Der Deichverband II. Meile Alten Landes ist wie folgt zu erreichen: www.dv-zweite-meile.de, dv-zweite-meile@t-online.de, Sprechzeiten: donnerstags 9-12 und 15-17 Uhr am Altländer Markt 3 in Jork, Tel.: 04162 - 480.

Verband erlaubt Neupflanzungen
Vor fast genau fünf Jahren berichtete das WOCHENBLATT über vom Deichverband der II. Meile Alten Landes durchgeführte Baumfällungen am Lühedeich in Mittelnkirchen, die von vielen Bürgern scharf kritisiert wurden. Unter anderem auch von einigen Schülern aus dem Landkreis, die sich daraufhin zusammen taten, Plakate malten und auch eine Unterschriftenliste mit insgesamt 500 Unterzeichnern an Landrat Michael Roesberg übergaben.
Der Verband hatte daraufhin zugesagt, dass es solche Aktionen künftig nicht mehr geben werde. Grundsätzlich können auch neue Bäume am Deich gepflanzt werden, betont Oberdeichrichter Hans Jarck. Voraussetzung: Sie müssen im Schutz von Häusern stehen und von den "Pflanzern" auch "betreut" werden. Außerdem sollte eine Pflanzung mit dem Deichverband abgesprochen werden. Schließlich erschweren Bäume am Deich die Mäh- und Mulcharbeiten, die der Deichverband mehrmals im Jahr durchführe. "Trotzdem lehnen wir neue Bäume am Deich nicht grundsätzlich ab", sagt Jarck. 

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