Klassenzimmer unterm Blätterdach: Waldpädagogen vermitteln Stader Schülern besondere Naturerlebnisse

Auf Waldexkursion: die Drittklässler und ihre Gäste  Fotos: jd
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jd. Stade. Mit forschen Schritten stapft Jörn Freyenhagen durch den Wald. Ihm folgt eine Schar Schulkinder, die schon gespannt sind, welche Aufgabe sie als nächstes erwartet. Freyenhagen ist zertifizierter Waldpädagoge - und dieses Mal ist er mit Drittklässlern in einem kleinen Wäldchen mitten in Stade unterwegs. Obwohl sich das Waldstück am Stader Hohenwedel nur über ein paar Hektar erstreckt, gibt es für die Kinder allerlei zu entdecken. Die freie Natur wird zum Klassenzimmer: Die Schüler lernen auf spielerische Weise viel über Naturschutz und auch etwas über die Folgen des Klimawandels. Etwas gelernt hat auch ein besonderer Gast, der eigens für diese Exkursion nach Stade gekommen ist: Der Bundes-Waldbeauftragte Cajus Julius Caesar informierte sich über das waldpädagogische Angebot in der Region.

"Buntes Laub in den Händen, der Duft des Herbstwaldes in der Nase und ganz nebenbei etwas über die Geheimnisse des Waldes lernen - das ist Waldpädagogik", sagt Birte Schmetjen, die im Auftrag der Niedersächsischen Landesforsten zertifizierte Waldpädagogen ausbildet. Sie erläuterte den Gästen vor Ort - neben Caesar begleiteten der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann sowie einige Stader Lokalpolitiker den Klassenausflug in den Wald -, wie sie mit ihrer Arbeit Kindern das Thema Wald näherbringt.
"Wir stellen uns beispielsweise die Frage, was es für den Igel bedeutet, wenn sich das Klima verändert", erläutert Schmetjen. Der stachelige Geselle futtere sich zwar weiter Fett für den Winterschlaf an, schlafe wegen des Temperaturanstiegs aber gar nicht mehr und verbrauche daher auch nicht seine Fettreserven. Das wiederum könne die Tiere krankmachen.

Doch was können die kleinen "Igelretter" tun, damit die Temperaturen nicht weiter steigen? "Wir geben den Kindern jede Menge Tipps mit auf den Weg, wie sie zu Hause mit ihren Familien einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können", sagt Schmetjen. Dabei soll aber nicht der pädagogische Zeigefinger erhoben werden: "Dieser Tag im Wald bedeutet zunächst einmal spielen und Spaß haben." Der Lerneffekt stelle sich dann ganz von selbst ein.
Die Begeisterung, die die Kinder bei ihrem Waldausflug an den Tag legten, scheint Schmetjen Recht zu geben. Eifrig wie die Eichhörnchen versteckten sie Nüsse für den Wintervorrat, ertasteten mit verbundenen Augen Bäume und betrachteten den Wald mal aus einer ganz anderen Perspektive: Mit Hilfe eines Spiegels konnten sie das Blätterdach erblicken, ohne den Kopf zu heben.

Ohne großen Aufwand zu treiben, vermittelte Waldpädagoge Freyenhagen den Schülern auf diese Weise ganze neue Naturerfahrungen. Solche Begegnungen mit dem Erlebnisort Wald seien gerade für Stadtkinder heutzutage alles andere als selbstverständlich, so Schmetjen. Sie verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen das bewusste Erleben der Natur nachweisbare positive Auswirkungen auf die mentale und soziale Entwicklung von Kindern hat.

Diplom-Forstingenieur Caesar, der seit Juni das neu geschaffene Amt des Bundes-Waldbeauftragten bekleidet, zeigte sich von den Aktivitäten beeindruckt. Er will Grundmanns Vorschlag unterstützen, eine Initiative zur Förderung der Waldpädagogik im Elbe-Weser-Raum zu gründen. "Das Bewusstsein für die große Bedeutung des Waldes muss in den kommenden Generationen gestärkt werden." Wälder stünden für Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Rohstoffgewinnung, so Caesar: "Die waldbezogene Bildungsarbeit ist ein hervorragender Ansatz, junge Menschen für Umweltfragen zu sensibilisieren."

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