Kultur-Spagat: Deutsch-Türke Nihat Sagir ist Muslim und "Ollanner Jung" zugleich

Nihat Sagir (hier mit Ehefrau Hatice und der jüngsten Tochter Liya) schafft den Kultur-Spagat zwischen der Türkei und Deutschland
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lt. Neuenkirchen. Das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Türken ist ja bekanntermaßen in diesen Tagen nicht das Beste. Da ist die Geschichte von Nihat Sagir (39) ein erfrischend positives Beispiel für ein optimales Zusammenleben und einen gelungenen Spagat zwischen zwei Religionen und Kulturen.
Sagir kam 1989 als Elfjähriger aus Trabzon am Schwarzen Meer ins Alte Land, ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Heute hat der gelernte Bankkaufmann und verheiratete Vater von drei Kindern (9, 4 und 2 Jahre) den deutschen Pass, trainiert die 1. Herren-Mannschaft der SG Lühe, sitzt für die SPD im Gemeinderat Neuenkirchen, ist designiertes Vorstandsmitglied des Kreissportbundes und Kassenwart im Herren-Stammtisch "Ollanner Jungs".
Aber der Reihe nach: Nihat Sagirs Vater arbeitete bereist einige Jahre als Erntehelfer im Alten Land als er 1989 seine Familie nachholte. Obwohl die Sagirs in Steinkirchen lebten, musste Nihat in Hamburg zur Schule gehen, weil dort das Asylverfahren lief. "Meine Kumpels ziehen mich heute noch damit auf, dass ich mein Abi in Hamburg gemacht habe, weil das ja angeblich weniger wert ist", sagt Nihat Sagir.
Viele Freunde fand Nihat auf dem Fußballplatz. Ohne ein Wort deutsch zu sprechen ging der Grundschüler schon kurz nach seiner Ankunft im Alten Land mit einem Kumpel zum damaligen Präsidenten der Spielgemeinschaft - und wurde mit offenen Armen aufgenommen.
Ende der 90er Jahre fing Nihat an, selbst Jugendmannschaften zu trainieren, stand zwischenzeitlich als Schiedsrichterassistent in der Oberliga auf dem Feld und ist seit fünf Jahren Trainer der 1. Herren-Mannschaft, die erst kürzlich aufgrund ihres Aufstiegs in die Kreisliga im Rahmen der Sportlerehrung der Sparkasse Stade-Altes Land ausgezeichnet wurde. Sagir trainiert außerdem die E-U10-Jugendmannschaft, in der auch sein Sohn Orkan kickt.
Dass der gebürtige Türke seit 2006 einen deutschen Pass hat, ist auch seiner ehemaligen Schulleiterin aus Hamburg-Altona zu verdanken, die sich 1999 dafür einsetzte, dass Nihat nicht - wie seine Eltern und seine geistig behinderte Schwester - in die Türkei abgeschoben wurde.
"Das war eine schwere Zeit für mich", erinnert sich Sagir, der das Alte Land als seine Heimat bezeichnet. Weil er keinerlei finanzielle Unterstützung bekam, hatte er während seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse teilweise bis zu fünf Nebenjobs, fuhr u.a. Pizza aus, trug Zeitungen aus und ging putzen.
Heute lebt Nihat mit seiner Familie in einer typisch deutschen Doppelhaushälfte in Neuenkirchen. Seine Frau Hatice, eine Deutsche mit türkischen Wurzeln, lernte er bereits während seiner Ausbildungszeit kennen. Die beiden sind gläubige Muslime, die aber ihre Religion nicht super streng ausleben. So trägt Hatice kein Kopftuch und geht auch mal auf dem Kiez feiern, während Nihat von Zeit zu Zeit auch mal einen "Lütten" zum Anstoßen mittrinkt. Beim monatlichen Stammtisch-Treffen oder bei der jährlichen Ausfahrt ist er aber immer als Fahrer am Start.
Selbstverständlich für die Sagirs ist, dass die Kinder auch etwas über die christliche Religion lernen. Ein Gang in die Kirche zum Einschulungsgottesdienst ist ebenso selbstverständlich wie die guten Kontakte zu deutschen Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunden. "Jeder soll leben wie er möchte", sagt Nihat, der bis zu dreimal im Jahr mit seiner Familie in die Türkei fliegt und seinem Sohn gerade die türkische Nationalhymne beibringt. "Man kann auch beide Kulturen leben".

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