Flüchtlinge während Corona-Pandemie allein gelassen
Landkreis Stade wehrt sich gegen Kritik der Bürgerinitiative Menschenwürde

Gemeinschaftsunterkünfte sind der BI Menschenwürde besonders in Zeiten von Corona ein Dorn im Auge
  • Gemeinschaftsunterkünfte sind der BI Menschenwürde besonders in Zeiten von Corona ein Dorn im Auge
  • Foto: tk
  • hochgeladen von Jaana Bollmann

Das könnte Sie auch interessieren:

Panorama

Corona-Zahlen im Landkreis Harburg vom 22. September
Inzidenzwert und Zahl der aktiven Fälle gehen weiter nach unten

(lm). Der Landkreis Harburg vermeldet für den heutigen Mittwoch, 22. September, 291 aktive Corona-Fälle (-6 im Vergleich zum Vortag). Die Inzidenz ist erneut gesunken - von 58,20 am Vortag auf jetzt 53,51. In den Krankenhäusern werden acht Corona-Patienten behandelt, fünf davon intensivmedizinisch. Vier Personen werden beatmet. 543 Personen befinden sich in Quarantäne. Seit Ausbruch der Pandemie verzeichnete der Landkreis insgesamt 7.785 Corona-Fälle (+23). Davon sind bislang 7.378 Personen...

Sport
Sandra Meyer-Lindloff mit der Silbermedaille

Sandra Meyer-Lindloff ist Vizemeisterin
Zweitschnellste Frau kommt aus Marxen

sv. Marxen. Mit einer Zeit von 5:24,98 Minuten holte Sandra Meyer-Lindloff aus Marxen kürzlich den zweiten Platz über 1.500 Meter in der W45 bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft der Seniorinnen in Baunatal (Hessen). "Nun ist die leider sehr kurze Saison bereits beendet", so Meyer-Lindloff. "Ich werde jetzt mit dem Aufbau für 2022 beginnen. Meine Ziele sind erneut die Landesmeisterschaften und die Deutsche Meisterschaft - natürlich weiterhin mit meiner Mannschaft der...

Wirtschaft
Stades Seehafen: der Standort des geplanten Flüssiggasterminals

Bio-LNG für geplantes Terminal
Stade soll das deutsche Drehkreuz für grüne Kraftstoffe werden

jab. Stade. Stade könnte in Zukunft zum deutschen Drehkreuz für klimaneutrale Kraftstoffe werden - jedenfalls wenn es nach Politik und Wirtschaft geht. Seit Jahren setzt sich der Bundestagsabgeordenete Oliver Grundmann (CDU) dafür ein, dass der Elbe-Weser-Raum zum Game-Changer der deutschen Energiewende wird. Nun erhält dieses Vorhaben einen großen Schub nach vorne. Denn der größte Bioenergieproduzent Europas, die Verbio AG, hat Interesse gezeigt, sein beispielsweise in den USA erzeugtes Biogas...

Panorama
In der Straße Am Brack begannen Samstagmorgen um kurz nach sieben Uhr die lautstarken Arbeiten

Anwohner sind genervt von den unangekündigten Bauarbeiten
Glasfaserkabel: Verlegung rüttelt Buxtehude wach

sla. Buxtehude. Samstagmorgen um kurz nach sieben Uhr in Buxtehude: Lautstark rütteln die Mitarbeiter einer Gütersloher Baufirma mit einem Flachrüttler auf der Straße Am Brack die Pflastersteine auf, um hinterher einen Graben für die Verlegung von Glasfaserkabeln zu buddeln. Besonders schlechte Karten hatten jene Anwohner, die pünktlich die Bahn und gar einen Flieger erreichen mussten und aufgrund des tiefen Grabens vor ihrer Einfahrt nicht mit dem Auto wegfahren konnten. Bereits vergangene...

Wirtschaft
Gastronom Frank Wiechern (re.) und Veranstaltungsmanager Matthias Graf vor dem Eingang des Restaurants "Leuchtturm"
3 Bilder

Management des Veranstaltungszentrums in der Kritik
Burg Seevetal: Top-Caterer hört auf

ts. Hittfeld. Die ursprüngliche Ambition der Gemeinde Seevetal, das für 6,9 Millionen Euro sanierte Veranstaltungszentrum Burg Seevetal zu einer kulinarischen Premium-Adresse im Landkreis Harburg zu entwickeln, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Caterer Frank Wiechern wird seinen Vertrag mit der Gemeinde Seevetal, der am 31. Oktober endet, nicht verlängern. Sein Restaurant "Leuchtturm" gilt als eine der besten Gastro-Adressen im Hamburger Süden. Davon sollte die Burg Seevetal profitieren -...

jab. Landkreis. Für eine dezentrale Unterbringung in Einzelwohnungen der Geflüchteten im Landkreis Stade setzt sich seit Jahren die Bürgerinitiative (BI) Menschenwürde ein. Nun kritisieren sie in einer Pressemitteilung gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen in diesem Zusammenhang auch die schlechte Informationspolitik des Landkreises Stade zum Thema Corona und Impfungen in den Unterkünften. "Die Geflüchteten wurden damit allein gelassen und die Aufgaben auf die Ehrenamtlichen abgewälzt", sagt Ingrid Smerdka-Arhelger, Co-Sprecherin der BI Menschenwürde.

Das sind die Vorwürfe

In der Mitteilung werfen die BI und der Flüchtlingsrat dem Landkreis u.a. Planlosigkeit und verhaltenes Engagement nach den ersten Corona-Fällen in Gemeinschaftsunterkünften vor. Der Landkreis sei nicht gut vorbereitet und hätte keine Handlungsstrategie. "Die Bewohner haben kaum Informationen erhalten. In Buxtehude wurde lediglich ein Info-Zettel vorbei gebracht", sagt Smerdka-Arhelger. Das reiche nicht aus, man müsse die Geflüchteten kontinuierlich begleiten. Bei den Ehrenamtlichen würden die Telefone heiß laufen. Dabei seien die Ehrenamtlichen es leid, für die fehlenden Strukturen des Landkreises, z.B. den Abbau der Sprachmittler, einzuspringen.

Es fehlen Ansprechpartner für Flüchtlinge

Bei positiven Tests, deren Ergebnisse mehrfach zum Wochenende kamen, sei beim Landkreis niemand erreichbar gewesen. "Die Bewohner haben sich teilweise nicht mehr in die Unterkunft getraut, weil sie niemanden anstecken wollten", so die Sprecherin. Denn eine Absonderung, wie es die Allgemeinverfügung fordert, sei in den Unterkünften nicht möglich. Küche, sanitäre Anlagen und Waschräume werden gemeinsam genutzt. "In Harsefeld wurde dann schnell mal eine FFP2-Maske besorgt, um wenigstens etwas Schutz zu liefern."

Ein weiterer großer Kritikpunkt sei die Impfung der Geflüchteten. Nach Empfehlung der STIKO wurden die Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften im Februar der ehemaligen Priorisierungsgruppe 2 zugeordnet. Erst im Mai wurde durch die AWO in den Unterkünften darüber informiert, Mitarbeiter von Behörden und Ämtern seien nicht oder nur kaum in die Unterkünfte gekommen. "Ohne die Initiative der AWO wäre bis heute wohl nichts passiert", so Smerdka-Arhelger.

Das zögerliche Verhalten der Geflüchteten gegenüber der Corona-Impfung erklärt sich die BI-Sprecherin damit, dass sie zu wenig informiert wurden. Damit seien sie empfänglich für jegliche Infos aus dem Internet und aus ihren Familien. Daher fordert sie mehr Initiative und Informationen durch den Landkreis. Gleichzeitig sollen aber auch die Gemeinschaftsunterkünfte geschlossen bzw. wohnungsähnlich umgebaut werden.

Das Trauma der Flucht verarbeiten

Widerspruch aus dem Kreishaus

Die Kreisdezernentinnen Susanne Brahmst und Nicole Streitz widersprechen diesen Vorwürfen. Einige Aussagen seien schlichtweg falsch, so Streitz. Zudem hätten sich die Vertreter der BI in den vergangenen Monaten nicht mit den beiden in Verbindung gesetzt.

"Es stimmt beispielsweise nicht, dass sich niemand kümmert", sagt Brahmst. Zwischen Landkreis und Kommunen bestünden seit Jahren Verträge zur Unterbringung von Asylbewerbern. Danach werden die Personen nicht zentral in Großeinrichtungen, sondern dezentral in kleineren Gemeinschaftseinrichtungen oder auch in Wohnungen untergebracht. In den Verträgen sind die Aufgaben und die Finanzierung geklärt sowie die "Kümmererstrukturen" vor Ort. Brahmst: "Sofern die Kommunen über genügend Wohnraum verfügen, wird bereits jetzt schon regelmäßig in kleinere Wohneinheiten umverteilt. Problematisch ist aber, dass im Kreisgebiet bezahlbarer Wohnraum fehlt."

Außerdem fördert der Landkreis Projekte und Maßnahmen, z.B. die kreisweite Migrations- und Integrationsberatung durch die AWO, die u.a. auch die Aufklärung über Corona-Impfung mit Sprachmittlern oder mehrsprachigen Flyern in den Unterkünften übernommen hat. Zudem kooperiert der Landkreis mit weiteren Beratungsstrukturen bzw. Trägern in der Integrationsarbeit. Vor allem aber kümmern sich die Kommunen sowie ehrenamtlich Tätige um die Bewohner der Unterkünfte. Aber: "Nicht jeder Bewohner ist übrigens so hilflos, dass er oder sie Unterstützung braucht oder möchte", erklärt Brahmst.

Dass die Bewohner bei einem positiven PCR-Befund allein gelassen werden, stimme ebenfalls nicht. Denn dann werde das Gesundheitsamt benachrichtigt, das mit der Ermittlung der Umstände und der engen Kontakte beginnt. "Sofern es sich um eine Person handelt, die in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt, findet auch ein Kontakt mit dem kommunalen Träger der Einrichtung statt", erklärt Brahmst. Dann werde das Risiko für weitere Bewohner abgeschätzt. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Kommunen funktioniere da sehr gut. Brahmst gibt an, dass die Isolierung einzelner Personen auch hier funktioniert. "Unsere Erfahrung ist, dass eine gute Aufklärung das A und O des Gelingens ist. Die Menschen möchten niemanden anstecken und machen daher erfahrungsgemäß bereitwillig mit, wenn die Versorgungsstrukturen geklärt sind."

Und auch zum Thema Impfen gebe es falsche Behauptungen, so Streitz. Erst am 17. Februar habe der Landkreis mit der Impfung der Priorisierungsgruppe 1 begonnen. Der Erlass, dass die zweite Gruppe geimpft werden darf, sei am 15. März gekommen. Die Öffnung sei - nicht zuletzt wegen des fehlenden Impfstoffs - sehr kleinteilig von statten gegangen. Seit der Aufhebung der Priorisierung Anfang Juni spiele nur noch die Warteliste eine Rolle, die noch immer ca. 16.000 (Stand 24. Juni) Personen aufweist. Davon seien auch noch Personen über 80 Jahre dabei, sogar ca. 400 Personen über 70 Jahre sowie etliche mit Vorerkrankungen. "Geplante Sonderimpfaktionen im Bereich der Gemeinschaftsunterkünfte scheiterten im Übrigen am Impfstoffmangel und den strengen Verwendungsvorgaben des Landes für die Impfzentren", so Streitz.

Kein Zufall: Geburtstag 1.1. - Mehr als 2.000 Flüchtlinge in den Kreisen Harburg und Stade können Neujahr "reinfeiern"
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen