Kirchliche "Farbenlehre"
Liturgische Farbwechsel zu Ostern - klassisch in Bützfleth, modern in Stade
- Pastor Jonas Milde präsentiert die traditionellen Antependien der St.-Nicolai-Kirche in Bützfleth
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In vielen Familien ist es Tradition, zu Ostern Eier bunt zu färben. Auch in der kirchlichen Liturgie spielen Farben eine große Rolle. Vor allem die Tage um Ostern sind wie keine andere Zeit im Kirchenjahr von häufigen Farbwechseln geprägt: Violett, Weiß, Schwarz – und dann wieder Weiß.
Dabei geht es um die sogenannten Antependien oder Paramente. Das sind farbig gestaltete und oftmals kunstvoll bestickte oder gewebte textile Behänge, die zur Ausschmückung des Altarraumes dienen. Meist hängen sie vor dem Altar und am Lesepult. Doch was hat es mit diesen Altarbehängen auf sich? Und warum wechseln deren Farben immer wieder? Pastor Jonas Milde vom Stader Stadtpfarramt hat dem WOCHENBLATT einen Einblick in diese besondere „kirchliche Farbenlehre“ gegeben – am Beispiel der klassischen Antependien, die in der Bützflether St.-Nicolai-Kirche noch immer verwendet werden.
Farbwechsel in der Osterzeit
Diese bunten Altarbehänge sind weit mehr als bloßer Kirchenschmuck. Seit Jahrhunderten zeigen die Stoffe mit ihren Symbolen und Farben an, wo sich die Gemeinde gerade im Kirchenjahr befindet.
Gerade zu Ostern geht es dabei Schlag auf Schlag: Die Passionszeit, die jetzt endet, ist violett geprägt. Diese ruhige, gedeckte Farbe steht für Umkehr und Neuanfang – gewissermaßen als stille Einstimmung auf das Osterfest. Am Gründonnerstag folgt der Wechsel zu Weiß: die Farbe des Lichts, der Freude und der Auferstehung. Sie steht für Jesus Christus selbst. Doch die Freude währt nur kurz. An Karfreitag dominiert die Dunkelheit: Schwarz als Farbe der Trauer und des Todes. Schwarze Paramente hängen in den Kirchen tatsächlich nur an diesem einen Tag, an dem der Kreuzigung Jesu gedacht wird. Dann kommt Ostern: Das Weiß kehrt zurück. Das Licht siegt, das Leben überwindet den Tod.
- Der Altar von St. Nicolai in Bützfleth mit den fünf Antependien, die im Verlauf des Kirchenjahres aufgehängt werden
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Die Farben des Kirchenjahres
Neben diesen markanten Wechseln rund um Ostern gibt es auch im übrigen Kirchenjahr eine feste Farbordnung für die vier liturgischen Hauptfarben:
- Violett prägt die Vorbereitungszeiten auf Weihnachten (Advent) und Ostern (Passion). Auf dem Bützflether Parament ist das Kreuz als Zeichen für das Leiden Jesu abgebildet.
- Weiß ist die Farbe des Lichts und der Freude – die klassische Christusfarbe. Sie dominiert an Weihnachten und Ostern. Das weiße Parament zeigt den Menschen als Geschöpf Gottes – ergänzt durch die Hände des Schöpfers.
- Rot symbolisiert Feuer und Liebe – und damit den Heiligen Geist. Es ist daher die klassische Farbe zu Pfingsten. "Rote Paramente werden aber auch bei besonderen kirchlichen Ereignissen wie Konfirmationen oder auch am Reformationstag verwendet", erläutert Pastor Milde.
- Grün ist die vorherrschende Farbe in den übrigen Zeiten. Es steht für das Leben und die Hoffnung. Das grüne Antependium hänge am längsten, so Milde - fast ein halbes Jahr im kompletten Zeitraum zwischen Pfingsten und dem Ende des Kirchenjahres am Ewigkeitssonntag. Das grüne Parament von St. Nicolai ist besonders symbolträchtig: Es zeigt ein Dreieck und drei Kugeln – als Hinweis auf die Trinität - die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.
St. Cosmae: Minimalistische Lösung
Ganz anders präsentiert sich St. Cosmae in Stade. Dort hängen schon länger keine klassischen Paramente mehr. Der Grund: „Sie passen optisch nicht mehr zum Gesamtbild des Altarraums“, erklärt Pastor Milde. Die Anschaffung neuer Paramente sei schlicht und ergreifend eine Kostenfrage. Hochwertige Antependien werden in spezialisierten Werkstätten gefertigt – oft in aufwendiger Handarbeit und entsprechend teuer. In Zeiten knapper Kassen will solch eine Investition gut überlegt sein.
- Pastor Jonas Milde zieht einen weißen Filzstreifen in den Ambo von St. Cosmae ein. Weiß ist die Farbe für hohe kirchliche Feste wie Ostern
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Stattdessen setzt die Gemeinde auf eine besonders kreative Lösung. Im Altarraum steht ein Ambo – ein Lesepult. Dieses hölzerne Exemplar ist in modernen Formen künstlerisch gestaltet. In eine schmale Nut an der Vorderseite werden Filzstreifen in den jeweiligen liturgischen Farben eingefädelt. Das ist gewissermaßen die minimalistische Variante des Antependiums. Allerdings mit kleinen Tücken: „So einfach von oben nach unten durchziehen funktioniert nicht so gut. Nach und nach hineinfriemeln klappt besser“, sagt Milde schmunzelnd.
- Fertig: Der Ambo ist mit einem weißen Streifen versehen
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Ob klassisch in Bützfleth oder modern interpretiert in Stade: Die liturgischen Farben gehören fest zum Kirchenjahr – auch wenn sie vielen gar nicht mehr bewusst auffallen. Wer neugierig geworden ist, sollte zum Karfreitags- oder Ostergottesdienst mal einen genaueren Blick zum Altar werfen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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