Hingeschaut und nachgefragt: Wie halten sich die Bürger im Landkreis Stade an die Maskenpflicht?
Maskenpflicht: Gespräche statt erhobener Zeigefinger

Maria Krizanovic serviert den Gästen im "Entlein" vorschriftsmäßig mit Mundschutz die Köstlichkeiten
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(bo/sla/mke/sb). Der Griff zur Maske ist inzwischen fast schon selbstverständlich. Vom Kunden beim Einkaufen über den Passagier im Bus bis zur Servicekraft im Restaurant - überall werden die "Schnutenpullis" getragen. Überall? Das WOCHENBLATT hat nachgefragt.

Wochenmarkt
Durchweg gute Erfahrung mit den Abstands- und Hygieneregeln machen die Beschicker des Stader Wochenmarktes: "Die meisten Kunden halten sich an die Vorgaben und tragen eine Maske", berichtet Annalena Christ von "Obst- und Gemüse zum Felde" auf Anfrage des WOCHENBLATT. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien auch regelmäßig vor Ort, um die Einhaltung der Regelungen zu überprüfen. "Wenn ein Kunde mal keine Maske trägt, fordern wir ihn dazu auf", erklärt eine weitere Marktbeschickerin. "Die Kunden reagieren gelassen, meistens haben sie es einfach nur vergessen."

Die Stader Stadtverwaltung hat das Marktgeschehen während Corona etwas gestreckt. Die Stände sind nicht nur auf dem Pferdemarkt aufgebaut, sondern auch in den abzweigenden Straßen. Vor vielen Ständen sind "Smileys" als Abstandshalter auf das Pflaster gesprüht, die es den Kunden leicht machen, die notwendige Distanz zu wahren. Schilder erinnern an allen Zugängen daran, dass auf dem gesamten Marktgelände ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist. Diese Anweisung wird allerdings nicht von allen Passanten befolgt, was vielleicht aber auch eher daran liegt, dass die Schilder etwas unscheinbar sind und diese Pflicht nicht allen bekannt ist.

Gastronomie
Auch für die Cafés und Restaurants in Buxtehude waren die Corona-Bestimmungen buchstäblich eine Umstellung. Tische und Sitzplätze mussten auseinandergestellt werden, um die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten. Servicekräfte tragen jetzt Mundschutz, ebenso wie die Kunden beim Betreten, die erst am Tisch die Maske abnehmen dürfen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden häufig in Eigenregie umgesetzt, nur selten kontrollierte bislang das Ordnungsamt. Das Café Montmartre in der Ritterstraße etwa hatte bislang keine Kontrolle, hält sich aber strickt an die Bestimmungen. Ebenfalls gab es auch im Café Pompom am Westfleth bislang keine Kontrolle. Innen ist es jetzt wesentlich leerer als vor Corona, die Tische sind auf Abstand gestellt, die Stimmung bei der Inhaberfamilie Dwenger und den Kunden ist dennoch entspannt. Besonders beliebt sind jetzt einmal mehr die Außenplätze direkt am Fleth. Im Café Entlein, das sich während der Zwangschließung einen Eis-Tresen für den Außerhausverkauf angeschafft hat, tummeln sich nun wieder etliche Gäste drinnen an den Tischen und auch außen in den Strandkörben mit Blick auf den See im Stadtpark. "Wir sind bislang erst einmal vom Ordnungsamt kontrolliert worden und alles war bestens", sagt Servicekraft Maria Krizanovic.

Ordnungsamt
Die Corona-Pandemie stellte auch das Ordnungsamt des Landkreises vor neue Herausforderungen. Statt Kontrolle setzt das Amt vor allem auf Aufklärung und Beratung, erklärt Leiterin Susanne Brahmst. Gerade zu Beginn der Lockerungen reichte gefühlt jeder Gastronom ein eigenes Hygienekonzept ein, bevor der Dachverband DEHOGA ein einheitliches Konzept entwickelte. Insbesondere in der Anfangszeit gingen die Gesundheitsaufseher rum, um zum Beispiel auf fehlende Masken hinzuweisen. Auch jetzt finden noch Kontrollen statt, Bußgelder werden aber eher selten verhängt. Seit Beginn des Shutdowns im März hat die Bußgeldstelle insgesamt 300 Bußgelder verhängt - meist wegen nicht Einhaltung des Kontaktverbots und Partys. Es geht Susanne Brahmst um die Aufklärung - notfalls auch mit einem Dolmetscher. "Die Aufklärung ist der Schlüssel. Wenn man es richtig erklärt hat, stößt man in der Regel auch auf Verständnis und Einsehen."

Strenge Kontrollen hingegen fanden bei den landwirtschaftlichen Betrieben mit Erntehelfern statt. "Da wollten wir sichergehen, dass die Arbeiter gut untergebracht sind und nicht zusammengepfercht auf engstem Raum leben müssen."

Insgesamt ist Susanne Brahmst von der Disziplin der Bürger begeistert. Sie befürchtet aber: Je länger die Einschränkungen gelten werden, desto mehr werden die Einschränkungen für Unverständnis sorgen. "Gerade bei unseren niedrigen Infektionszahlen im Landkreis merkt man langsam, dass die Leute nicht mehr verstehen, warum sie sich noch so streng an die Hygiene- und Abstandsregeln halten müssen."

Busfahren
Mund-Nasen-Maske beim Busfahren - laut Oliver Blau, Pressesprecher der KVG in Stade, ist das für 99 Prozent aller Passagiere selbstverständlich. "Nur ganz wenige wollen ohne Maske einsteigen", sagt er. "Und das regeln die Fahrgäste dann eigentlich immer unter sich, so dass bisher noch kein Busfahrer eingreifen oder Personen die Mitfahrt verweigern musste." Die Fahrer selbst sind zwar von der KVG mit Masken ausgestattet, deren Nutzung wurde ihnen jedoch freigestellt.

Um die Abstandsregel einzuhalten, war zu Beginn der Corona-Pandemie das Einsteigen in den Bus nur noch hinten gestattet und die erste Sitzreihe hinter dem Fahrer war gesperrt. Inzwischen rüstet die KVG den Fahrerbereich in den Bussen mit Trennscheiben aus. "In Bussen, die bereits über eine solche Trennung verfügen, darf schon jetzt wieder vorn eingestiegen und auch ein Ticket beim Fahrer gelöst werden", erklärt Oliver Blau.

Maske tragen - aber bitte richtig

Firmenlogo, Vereinsemblem oder wilde Muster - für viele ist die Maske auch ein modisches Statement. Es macht Spaß, beim Einkaufsbummel neue Motive zu entdecken.

Kein modisches Statement ist es jedoch, das Tuch nur über den Mund oder übers Kinn zu ziehen. Um eine Ansteckung zu vermeiden - und das ist der Sinn des Masketragens - müssen Mund und Nase bedeckt sein. Das geht übrigens auch mit Brille, ohne das die Gläser beschlagen. Da spreche ich aus Erfahrung. Einfach die Maske weit genug über die Nasenwurzel ziehen und dann erst die Brille drübersetzen. Wem das Atmen unter Stoff schwerfällt, entscheidet sich für die dünneren Einwegmasken aus Papier. Eins sollten wir im Alltag nicht vergessen: Corona gibt es immer noch.
Stephanie Bargmann

Autor:

Stephanie Bargmann aus Stade

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