Neuer Ernährungstrend: Insekten in aller Munde

Lieber eine Schüssel Larven als ein Steak? Noch gibt es wohl nicht viele Deutsche, für die Insekten eine Alternative zu Fleisch sind
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  • Foto: Insectus
  • hochgeladen von Lena Stehr

(lt). Insekten sind derzeit buchstäblich in aller Munde. Doch ging es im vergangenen Jahr insbesondere um das dramatische Insektensterben (Rückgang um 75 Prozent in Deutschland), wird die artenreichste Klasse der Tiere u.a. im kürzlich vom BUND, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Zeitung Le Monde Diplomatique veröffentlichten „Fleischatlas 2018“ als der neue Ernährungstrend propagiert. Aber wie schmecken die proteinhaltigen Insekten wirklich und essen wir tatsächlich bald alle Würmer statt Steak?
Obstbauer Cord Lefers aus dem Alten Land hat jetzt frei nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" bei einem Obstbauseminar getrocknete Würmer, Heimchen und Heuschrecken gekostet. Sein Fazit: Ohne Gewürze und Öl schmecken die Mehlwürmer sehr "mehlig", die Heuschrecken eher kratzig. Und richtig satt machen die Tierchen nur in großen Mengen, so Lefers. Er bezweifelt, dass Insekten sich in Deutschland als Alternative zu Fleisch durchsetzen können und wird Larven und Co. künftig nicht in seinen Speiseplan integrieren.
Wenn er das vor hätte, müsste er sich die Insekten wohl auch selbst einfangen. Verarbeitete Insekten sind nämlich in Deutschland noch nicht zugelassen. In Belgien, den Niederlanden und der Schweiz gibt es entsprechende Produkte dagegen seit Mitte 2017 im Supermarkt zu kaufen.
Doch während die im Fleischatlas propagierte "brillante Alternative zu Fleisch" hierzulande größtenteils noch skeptisch betrachtet wird, kann sie in anderen Teilen der Welt Leben retten. Zum Beispiel in Sambia (Afrika), wo Studenten der Leibniz Universität Hannover bereits mehrere „Insekten-Farmen“ aufgebaut haben (das WOCHENBLATT berichtete). Eine Farm kann 400 Menschen mit jeweils einem Kilo Larven pro Woche versorgen.
Ziel des Projekts „Insectus“, das von dem Jesteburger Arzt Werner Huber unterstützt wird, ist die Bekämpfung von Hunger und Nährstoffmangel im Zusammenspiel mit der Schaffung von Arbeitsplätzen.
Ob sich Insekten irgendwann auch auf dem Speiseplan der Deutschen fest etablieren können, bleibt abzuwarten.
www.boell.de/de/fleischatlas
www.unihannover.enactus.de/blog/projekte/insectus

Lieber eine Schüssel Larven als ein Steak? Noch gibt es wohl nicht viele Deutsche, für die Insekten eine Alternative zu Fleisch sind
Cord Lefers isst lieber Obst als Insekten
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