Runder Tisch zu Sturmschäden: DB Netz hat Teilnahme noch nicht zugesagt

Bäume auf den Bahnschienen sind derzeit ein Dauerproblem   Foto: bim/Archiv
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(jd). Jetzt erst recht: Das private Bahnunternehmen Metronom sieht sich nach dem Sturm "Herwart" in seiner Einschätzung bestätigt, dass dringend gehandelt werden muss, um künftige Unwetterschäden entlang der Schienentrassen zu vermeiden. Wieder wurde auch in der Region der Zugbetrieb eingestellt und wieder war auch der Metronom betroffen. Bereits nach dem Orkantief "Xavier" forderte Metronom-Sprecher Björn Pamperin einen Runden Tisch "Grünschnitt", an dem alle Akteure über konkrete Maßnahmen sprechen. "Die meisten Beteiligten haben bereits zugesagt. Jetzt sind wir dabei, einen ersten Termin zu finden", sagt Pamperin. Eine unrühmliche Ausnahme bilde der Hauptakteur: Von der DB Netz AG, der Eigentümerin des Schienennetzes, sei keine eindeutige Reaktion gekommen.

"Seitens der DB Netz AG gibt es weder ein klares Ja noch ein klares Nein", erklärt der Metronom-Sprecher. Die Gründe für diese Zurückhaltung behält die DB Netz für sich: Das WOCHENBLATT hat bei der regionalen Bahn-Pressestelle nachgefragt, warum die DB Netz bisher keine Bereitschaft für eine Teilnahme am Runden Tisch signalisiert habe. Als Antwort gab es lediglich ein allgemeines Statement. Auf weitere Nachfrage erklärte einen Bahn-Sprecherin, mit dem Statement sei alles beantwortet.

Das Statement selbst beinhaltet bereits bekannte Aussagen: Die Bahn betreibe ein Vegetationsmanagement auf Basis des Natur- und Umweltschutzes. Damit verbunden sei ein Rückschnitt von Bäumen auf mindestens sechs Meter Abstand zu den Schienen. Bei Neupflanzungen verwende man nur tiefwurzelnde und damit standsichere Bäume wie Eiche oder Blutahorn. Außerdem sei als Reaktion auf "unwetterbedingt umgestürzte Bäume" ein "erweitertes Vegetationsprogramm" aufgelegt worden, so die Bahn-Sprecherin: Im Rahmen dieses Programms werde die DB Netz AG an bestimmten Hotspots mit dichtem Baumbewuchs auch Bäume beseitigen, die weiter als sechs Meter entfernt von den Gleisen stünden. Ansonsten heißt es lapidar: "Wir sind mit allen Beteiligten im Austausch."

Doch diese Aussage ist zumindest in Bezug auf die Metronom-Bahngesellschaft unzutreffend: In der vergangen Woche gab es einen Ortstermin an der Strecke Hamburg-Hannover, an dem laut Pressemitteilung des niedersächsischen Umweltministeriums auch Metronom-Vertreter teilnehmen sollten. "Wir waren nicht dabei, weil wir gar keine Einladung erhalten haben", sagt hingegen Metronom-Sprecher Pamperin. Es sieht fast danach aus, als ob sich die Bahn einen Kritiker vom Hals halten will: Die Bahn leitet einen schon vor längerer Zeit eingerichteten Arbeitskreis Vegetationsmanagement, der offenkundig noch nicht viel bewegt hat.

Dass jetzt der Metronom in der Öffentlichkeit mit seinem eigenen Runden Tisch vorgeprescht ist, der in den Medien bereits als "Orkan-Gipfel" bezeichnet wird, stößt den eher behäbig und lieber im Verborgenen agierenden Bahn-Verantwortlichen offenbar sauer auf. Sie sollten langsam erkennen, dass der alte Bahn-Slogan "Alle reden vom Wetter - wir nicht" längst nicht mehr gilt.

Schneise von 15 Metern

"Es passiert seitens der Bahn einfach nichts", sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Die Bahn habe sich immer hinter den Umweltauflagen versteckt. Diese Ausrede wolle man nicht mehr akzeptieren: "Daher sollen die Naturschutzbehörden und Umweltverbände mit an den Runden Tisch", so Pamperin. Sein Unternehmen verlange von der DB Netz AG als Vermieter der Gleisanlagen, die "Mietsache" in einem einwandfreiem Zustand zu halten.

Der Runde Tisch müsse jetzt zügig agieren, so Pamperin: "Unser Ziel ist es, dass bis zum Herbst 2018 die wichtigsten Maßnahmen umgesetzt sind." Laut Pamperin ist eine baumfreie Schneise von 15 Metern beiderseits der Schienenstrangs erforderlich, um einen gefahrlosen Bahnbetrieb zu gewährleisten. "Das bedeutet aber nicht, jetzt alles einzubetonieren", meint Pamperin: Ein Bewuchs mit niedrigen Sträuchern ist auch ökologisch wertvoll."

Bäume auf den Bahnschienen sind derzeit ein Dauerproblem   Foto: bim/Archiv
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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