Stader Genossen wollen zusätzliche Betreuungsplätze schaffen
SPD-Vorschlag: Eine Kita neben dem Stadeum bauen

In Stade werden zusätzliche Kitas benötigt, um den Bedarf zu decken
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jd. Stade. Das war kürzlich eine Hiobsbotschaft, die die Stader Verwaltung verkündet hat: In der Hansestadt fehlen aktuell rund 300 Kindergartenplätze. Kurzfristige Lösungen sind nicht in Sicht. Neue Kitas befinden sich zwar im Bau bzw. in Planung. Doch die nächste Neueröffnung wird es erst im Sommer 2021 geben. Dann ist der Kindergarten in Schölisch fertiggestellt. Und auch dann werden die Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichen.

In der Stader Politik beharkten sich deswegen jetzt Genossen und Christdemokraten, suchten die Fehler in der Vergangenheit und wiesen sich gegenseitig die Schuld an der Kita-Misere zu. Nun will die SPD aber den Blick nach vorne richten - mit einem bemerkenswerten Vorschlag: Nach dem Willen der Genossen soll neben dem Stadeum eine neue Kita errichtet werden, auf dem sogenannten "Hotel-Grundstück".

Dieses Grundstück hatte die Stadt vor mehr als zehn Jahren dem britischen Industriellen Victor Dahdaleh, dem Eigentümer des Aluminiumoxid-Werkes (AOS) in Bützfleth, verkauft. Dahdaleh hatte vor, dort ein Vier-Sterne-Hotel zu errichten. Mit dem Bau sollte eigentlich bereits 2012 begonnen werden. Doch der B-Plan wurde kassiert, nachdem der benachbarte Hotelier dagegen geklagt hatte. Später ergab sich eine neue Rechtslage, sodass der Hotelneubau möglich gewesen wäre. Doch das Bauprojekt wurde immer wieder geschoben. Und auch die Stadt verlängerte Jahr für Jahr ihr Rückkaufsrecht für das Grundstück.

"An eine Realisierung des Hotels glaubt in Stade wohl niemand mehr", sagt jetzt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stader Rat, Kai Holm. Statt die "unendliche Geschichte" eines Hotelneubaus fortzusetzen, sollte die Stadt das Grundstück zurückkaufen, um dort einen Kindergarten zu bauen. Die Lage sei ideal, so Holm: "Eine ÖPNV-Anbindung ist vorhanden, ebenso Parkraum, die Erreichbarkeit zu Fuß wie per Fahrrad ist gut."

Die SPD-Fraktion will nun beantragen, dass seitens der Stadt umgehend Planungen für den Kita-Neubau eingeleitet werden. Um die Größe der Kita festlegen zu können, soll der mittel- und langfristige Bedarf ermittelt werden. Eine Bedarfsplanung anhand der vorliegenden Geburtenzahlen sollte entsprechend präzise möglich sein, meinen die Genossen. Einbezogen in die Hochrechnungen müssten auch die Zuzüge, denn Stade schafft ja weitere Neubaugebiete.

Dabei ist sich die SPD im Klaren darüber, dass es nicht ausreicht, nur Räumlichkeiten bereitzustellen. Auch für Personal muss gesorgt werden. Hierzu haben die Stader Sozialdemokraten eine weitere Idee: Sie regen an, dass die Stadt selbst für die Ausbildung von Fachpersonal sorgt. Dazu soll gemeinsam mit freien Trägern und den Berufsbildenden Schulen ein Konzept entwickelt werden.

"Es genügt nicht, den Fachkräftemangel zu beklagen", sagt Holm. "Stattdessen ist Eigeninitiative gefordert, um den benötigten Personalstamm auszubilden." Ihm schwebt vor, dass eine Art Stipendien vergeben werden, die an die Bedingung geknüpft sind, später für einen festen Zeitraum in den Stader Kitas zu arbeiten.
"Wenn nicht einmal ganz neue Wege beschritten werden, wird weder der Mangel beseitigt noch das Problem gelöst", meint Holm. Ziel der SPD-Anträge sei es, eine Debatte zum Thema Kinderbetreuung anzustoßen.
Völlig falsch sei es jedenfalls, dass sich die Politik weiter gegenseitig Vorwürfe macht und die Problematik auf die lange Bank schiebt.

Mangelverwaltung sei nicht der richtige Weg, so Holm. "Nicht nur reden, sondern konkretes Handeln ist jetzt angesagt."

Wählergemeinschaft: Freier Träger soll Kita bauen

Die fehlenden Kita-Plätze in Stade treiben die Politik um. Neben der SPD  macht sich jetzt auch die Wählergemeinschaft (WG) ernsthafte Gedanken. Die WG will sich ebenfalls für den Bau einer zusätzlich Kita einsetzen. Die soll allerdings nicht von der Stadt, sondern durch einen freien Träger betrieben werden. Die Verwaltung soll den Auftrag erhalten, sich nach einem geeigneten Grundstück umzuschauen.
Den Bau einer Kita durch einen freien Träger hält der WG-Fraktionschef Carsten Brokelmann für sinnvoll. So könne sich die Stadt einen finanziellen Spielraum erhalten, um "andere dringend erforderliche Infrastrukturmaßnahmen" umzusetzen.
Brokelmann verweist darauf, dass die Stadt bisher immer gute Erfahrungen mit einem differenzierten Angebot von Kitas in freier und städtischer Trägerschaft gemacht habe. Diese "Durchmischung" habe sich bewährt. Nachdem die aktuellen Kita-Bauprojekte von der Stadt umgesetzt bzw. geplant worden seien, könne nun ein freier Träger an die Reihe kommen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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