"Unwürdig und praxisfern"

"Weg mit den Lebensmittelgutscheinen!", fordern diese Asylbewerber bei ihrer Protest-Aktion im Flur der Ausländerbehörde. Ihr Sprachrohr ist Daruosh Shamse-Khamenhi (vorne re.)
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Asylbewerber protestieren gegen Lebensmittelmarken-Vergabe durch den Landkreis Stade

tp. Stade. Die Welle der Kritik an der Ausländerbehörde des Landkreises Stade hält an: Eine Gruppe von Asylbewerbern protestierte gegen die aus ihrer Sicht demütigende und praxisferne Regelung des Amtes, einen Teil der Sozialleistungen als Lebensmittel- und Bekleidungswertgutscheine auszuzahlen.
Tumult-Stimmung herrschte am Donnerstag bei der Marken-Ausgabe im Flur des Ausländeramtes. Ein Dutzend Männer aus Ländern wie Irak, Afghanistan und Liberia hatten sich versammelt, um ihrem Ärger über die Gutscheine Luft zu machen. In der Regel gibt der Kreis an einen Alleinstehenden 346 Euro Grundsicherung aus, davon 212 Euro in Gutscheinen und 134 Euro als Scheck. Zusätzlich werden die Kosten für die Unterkunft übernommen.
Der Organisator der Protest-Aktion, Daruosh Shamse-Khamenhi (60) aus dem Iran, fordert im Namen seiner Mitstreiter die Abschaffung der Wertmarken. Die Aktivisten wollen über den als Gutschein ausgehändigten Betrag frei verfügen.
Asylbewerber T. M. (28) aus dem Kongo sagt, dass es an der Supermarktkasse Ärger gebe, etwa, weil die benötigten Artikel nicht auf Gutschein zu bekommen seien. "Außerdem schäme ich mich, mit den Marken einzukaufen. Es ist menschenunwürdig."
Viele der Männer beschweren sich über die Enge in den Asylbewerberunterkünften und eine viel zu lange Bearbeitungszeit bei den Anträgen auf Aufenthalts-Verlängerung. Sayed Mohsenpoor (50) gibt an, dass er seit vier Monaten auf einen Bescheid warte. Er braucht eine neue Wohnung. Einen Mietvertrag bekommt er aber nur, wenn er mindestens eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung vorlegt.
Der Erste Kreisrat Dr. Eckart Lantz macht den Asylbewerbern keine Hoffnung auf Abschaffung der Wertgutscheine. Der Landkreis richte sich bei der Praxis nach einem landesweiten Erlass, der auf dem Asylbewerbergesetz des Bundes fuße. Dem Erlass folgend, werde ein bedeutender Teil der Zahlung in Form von Gutscheinen erbracht.
Daruosh Shamse-Khamenhi lebt seit rund 30 Jahren in Deutschland und war als Restaurantbetreiber, Dolmetscher und als juristischer Berater tätig. Wegen Erkrankungen hat er Rente beantragt. Aufgrund seines juristischen Know-Hows ist er zum Sprachrohr für Asylbewerber im Kreis Stade geworden
• Kontakt: Tel. 0176 - 34977028, E-Mail: daruosh78@googlemail.de

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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