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++ A K T U E L L ++

Übertragungsfehler in der Tabelle: Inzidenzwert lag bereits gestern über 200

Der gekrönte Gekreuzigte
Vergessener Kult: Wurde im Alten Land Christus als "Sankt Hulpe" verehrt?

Das St.-Hulpe-Kreuz aus Mittelnkirchen war wohl einst Mittelpunkt einer Wallfahrt
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  • Das St.-Hulpe-Kreuz aus Mittelnkirchen war wohl einst Mittelpunkt einer Wallfahrt
  • Foto: Dr. Sebastian Möllers
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jd. Altes Land/Stade. Seit Jahrhunderten hängt dieses fast 1,30 Meter große Kruzifix in der St. Bartholomäus-Kirche von Mittelnkirchen. Das Besondere dieser Jesus-Darstellung: Es ist kein leidender Christus, der da ans Kreuz genagelt wurde. Der Gekreuzigte blickt erhobenen Hauptes zum Betrachter, sein Oberkörper ist aufrecht. Jesus trägt zudem statt einer Dornenkrone eine echte Krone. Der Sohn Gottes wirkt erhaben und fast triumphierend. Im Zusammenhang mit der Pilger-Ausstellung im Stader Schwedenspeicher-Museum ("Wege in den Himmel"; pilgerspuren.de/panorama/) rückte die Mittelnkirchener Christus-Darstellung in den Fokus: Denn es handelt sich keineswegs um ein normales Kruzifix, sondern um ein sogenanntes St.-Hulpe-Kreuz (siehe Kasten). Es ist laut Stades Stadtarchäologen Dr. Andreas Schäfer durchaus denkbar, dass dieses Kreuz Mittelpunkt eines eigenen Wallfahrtskultes war.

Das Thema ist für Historiker hoch spannend: Möglicherweise gab es in Stade oder im benachbarten Steinkirchen eine bisher unbekannte Wallfahrtsstätte. Pilgerten vor mehr als 500 Jahren die Menschen in Scharen in die Hansestadt oder das Altländer Dorf, um einen wundertätigen Jesus am Kreuz um göttlichen Beistand zu bitten? Auch nach Ansicht von Dr. Sebastian Möllers, Direktor des Schwedenspeicher-Museums, spricht einiges dafür. Eine Spur bei dieser historischen Detektivarbeit, die durch die Sonderschau zum Thema Pilgern angestoßen wurde, führt dabei zum Stader Hansehafen. Unter den vielen kleinen Pilgerzeichen (vergleichbar mit den heutigen Souvenir-Pins), die 2013 im Schlick des kurzzeitig trockengelegten Hafenbeckens gefunden wurden, befanden sich auch einige St.-Hulpe-Abzeichen - in einer Gestaltungsform, für die es sonst nirgendwo Belege gibt.

Diese Pilgerzeichen könnten Indiz für einen regen Hulpe-Kult in der Region sein. Sie weisen wiederum Ähnlichkeiten mit dem St.-Hulpe-Kreuz aus Mittelnkirchen auf. Besonders auffällig sind die Enden des Kreuzes mit den drei Auswölbungen, in der Fachsprache Dreipass genannt. Zwar trägt der Christus auf den Pilgerzeichen eine Tunika, während er auf dem Kruzifix nur einen Lendenschurz anhat. Doch ist davon auszugehen, dass dieser spärlich bekleidete Jesus früher mit einem Stoffgewand versehen war.

"Nun hing das Kreuz ursprünglich wohl nicht in Mitteln-, sondern in Steinkirchen", sagt Möllers. Darauf würden ältere Beschreibungen der dortigen St. Martini-und-Nicolai-Kirche hinweisen. So berichtet die Schrift "Historische Nachricht von dem Märtirer Sankt Hulpe" aus dem Jahr 1765 über diese Kirche: "Es ist auch ein hölzern Bild daselbst, welches die Sunte Hulpe genennet wird." Der alte Abendmahlskelch der Kirche ist zudem mit der Inschrift "sanct holpe, bidde vor uns" (St. Hulpe, bitte für uns) versehen.

Dies könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass Steinkirchen ein Wallfahrtsort von zumindest regionaler Bedeutung war. Die St.-Hulpe-Abzeichen wurden womöglich im Alten Land gegossen und fielen ins Stader Hafenbecken, als Pilger an Bord eines der Schiffe gingen.

"Doch wir sind hier im Bereich der Spekulation", sagt Möllers. "Hier ist noch weitere Forschungsarbeit notwendig." (jd). Wenn jemand von St. Hulpe noch nie gehört hat, dann ist das sicher keine religiöse Bildungslücke. Tatsächlich ist dieser Kult in Deutschland nahezu unbekannt. Ganz anders im späten Mittelalter, als sich der Hulpe-Kult wohl auch in Stade auf seinem Höhepunkt befand.

Doch wenn stellen die Hulpe-Kreuze überhaupt dar? "Sunte Hulpe" (Sankt Hulpe), "Gehulfe" oder "Gotteshülfe" hießen damals Christus-Darstellungen am Kreuz. Jesus trug dabei fast immer eine Tunika mit Gürtel und sein Haupt war gekrönt. Zurückführen lässt sich dieser Kult auf ein großes Kruzifix im Dom zu Lucca (Italien), dem Wunder nachgesagt wurden.

Dieses Monumentalkreuz soll der Legende nach aus dem Heiligen Land stammen. Das Gesicht des Jesus soll von Engeln geformt worden sein. Daher heißt dieses Kruzifix auch "Volto santo" (Heiliges Antlitz).
Deutsche Rom-Pilger (Lucca lag auf dem Weg) brachten den Kult in den Norden, wo er mit der Verehrung anderer Heiliger zum St. Hulpe-Kult verschmolz. Ursprung des Kultes ist in Italien

Ursprung in Italien

Wenn jemand von St. Hulpe noch nie gehört hat, dann ist das sicher keine religiöse Bildungslücke. Tatsächlich ist dieser Kult in Deutschland heute nahezu unbekannt. Ganz anders im späten Mittelalter, als sich der Hulpe-Kult wohl auch in Stade auf seinem Höhepunkt befand.

Doch wenn stellen die Hulpe-Kreuze überhaupt dar? "Sunte Hulpe" (Sankt Hulpe), "Gehulfe" oder "Gotteshülfe" hießen damals Christus-Darstellungen am Kreuz. Jesus trug dabei fast immer eine Tunika mit Gürtel und sein Haupt war gekrönt. Zurückführen lässt sich dieser Kult auf ein großes Kruzifix im Dom zu Lucca (Italien), dem Wunder nachgesagt wurden.

Dieses Monumentalkreuz soll der Legende nach aus dem Heiligen Land stammen. Das Gesicht des Jesus soll von Engeln geformt worden sein. Daher heißt dieses Kruzifix auch "Volto Santo" (Heiliges Antlitz).
Deutsche Rom-Pilger (Lucca lag auf dem Weg) brachten den Kult in den Norden, wo er mit der Verehrung anderer Heiliger zum St.-Hulpe-Kult verschmolz.

Das St.-Hulpe-Kreuz aus Mittelnkirchen war wohl einst Mittelpunkt einer Wallfahrt
Diese Nachbildung eines Pilgerzeichens aus dem Stader Hafenbecken stellt St. Hulpe dar
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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