Der Landkreis Stade will keine Auskunft geben
War der Sozialpsychiatrische Dienst im Fall Kamal I. aktiv?

Die Polizei vor der Flüchtlings-Unterkunft in Harsefeld, wo Kamal I. wohnte
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tk/jab. Stade/Harsefeld. Hat Kamal I. (40) Hilfe bekommen, als er offensichtlich in einem psychischen Ausnahmezustand war? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Der Landkreis Stade mauert, beruft sich darauf, keine Auskunft geben zu können.

Der Sudanese ist am Sonntag vor zwei Wochen bei einem Polizeieinsatz in seiner Unterkunft in Harsefeld erschossen worden. Die juristische Aufklärung läuft. Die ebenso wichtige Vorgeschichte bleibt im Dunklen. Ein Mitbewohner des Mannes hatte die Samtgemeinde Harsefeld auf psychische Probleme Tage vor den Todesschüssen hingewiesen. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises sei eingeschaltet worden, erklärt Harsefelds Samtgemeinde-Bürgermeisterin Ute Kück dazu. Hat jemand vom Sozialpsychiatrischen Dienst (SPDie) dann auch Kontakt zu Kamal I. aufgenommen? "Keine Auskunft" ist die einzige Auskunft von Kreisdezernentin Susanne Brahmst über die Pressestelle des Landkreises.

Polizeigewerkschaft: Psychiatrische Hilfe muss gestärkt werden

"Psychosoziale Gespräche in Krisen- und Konfliktsituationen" steht auf der Homepage des Landkreises Stade als Aufgabe des Dienstes. Dort steht auch, dass bei Bedarf Hausbesuche vereinbart werden. Der Mitbewohner des getöteten Sudanesen hat dem WOCHENBLATT gegenüber erklärt, dass niemand Kamal I. in der Unterkunft aufgesucht habe.

Niemand heißt wohl auch: Niemand von der Samtgemeinde Harsefeld, die einen Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung hat, der sich um Geflüchtete kümmern soll. Seine Aufgaben reichen dabei von der Flüchtlingsbetreuung bis hin zu hausmeisterlichen Diensten. Ein Sozialpädagoge sei er nicht, so Kück. Daher hole er sich im Zweifel Rat und Unterstützung bei Experten, z.B. dem Landkreis. Kontaktiert wurde dieser bereits im Juni, als I. auffällig geworden war, und auch eine Woche vor den tödlichen Schüssen. Wie häufig ihr Mitarbeiter in der Unterkunft vorbeikam, konnte Kück nicht sagen. "Regelmäßig" war die einzige Angabe. Ob vom SPDie jemand vor Ort war, dazu konnte Kück keine Auskunft geben.

Ganz offensichtliche fehlen in der Samtgemeinde Strukturen für den Notfall, die es anderswo gibt. Zum Beispiel in Buxtehude: Dort hat jede Unterkunft einen Hausmeister, der täglich persönlich vorbeischaut. Nach Dienstschluss und am Wochenende gibt es eine Notfallnummer, die für die Bewohner rund um die Uhr zu erreichen ist. "Es kann auch vorkommen, dass einer unserer Mitarbeiter die Polizei bei einem Einsatz begleitet", sagt der für die Betreuung verantwortliche Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Kommentar: Wird verwaltet oder geholfen?

Krisenintervention ist eine der Aufgaben des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Wer in einer seelischen/psychischen Notsituation steckt, sollte sich aber sehr gut überlegen, wann. Die telefonische Erreichbarkeit ist - freundlich formuliert - nicht besonders kundenorientiert. Am besten wäre eine Krise am langen Dienstleistungs-Donnerstag terminiert. Dann ist der Dienst von 8 bis 17 Uhr telefonisch zu erreichen. "Außerhalb der Sprechzeiten bitte den Notruf 112 wählen", steht auf der Homepage des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Über den Notruf wird dann die Psychiatrie im Elbe Klinikum eingeschaltet. Als niedrigschwellig lässt sich das wohl kaum bezeichnen. Krisenintervention sieht für mich anders aus.

Weitere Infos über den Sozialpsychiatrischen Dienst sucht man auf der Homepage vergeblich, stattdessen steht dort folgender Hinweis: "Wir helfen auf der Grundlage des Niedersächsischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke." Was auch immer das konkret bedeutet. Im seelischen Krisenfall ist dieser bürokratische Hinweis nur wenig hilfreich. Mir stellt sich die Frage: Wird dort verwaltet oder wird Menschen geholfen? Für Menschen mit Migrationshintergrund gibt es dort erkennbar kein eigenes Angebot. Was aber dringend notwendig wäre: "Die Integration psychisch kranker Menschen mit Migrationshintergrund wird weiterhin ein Thema bleiben", steht im Sozialpsychiatrischen Plan, der ebenfalls auf der Seite abrufbar ist. Er wurde 2018 verfasst. Jetzt haben wir 2021. Papier ist geduldig.
Tom Kreib

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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