"Geliebt fühlte ich mich nie"
Was sich das ehemalige Pflegekind Tayana Klug in ihrer Kindheit gewünscht hätte

Heute ist Tayana Klug mit ihrem Leben rundum zufrieden

Einen festen Ansprechpartner, der einen die ganze Kindheit hindurch begleitet und auch zu einem steht, wenn man einmal "Scheiße gebaut hat", sowie bei Entscheidungen über die eigene Person mit einbezogen werden kann, das hätte sich Tayana Klug (32) aus Stade für ihre Kindheit in einer Pflegefamilie gewünscht. "Ich habe mich oft überrumpelt, überfordert und ungerecht behandelt gefühlt und hatte deswegen furchtbare Wutanfälle", erinnert sie sich. Als Jugendliche hätte sie jemanden gebraucht, der sie mal in den Arm nimmt. "Geliebt gefühlt habe ich mich nie."
Im Alter von zwei Jahren kam Tayana gemeinsam mit ihrer älteren Schwester in ein Hamburger Kinderheim, nachdem es in der elterlichen Wohnung gebrannt hatte. "Meine Mutter hatte uns gesagt, dass sie uns holen würde, sobald sie eine Wohnung gefunden hätte", erinnert sich die junge Frau. "Doch sie ist nie wieder aufgetaucht." Mit vier Jahren kamen Tayana und ihre Schwester in eine Pflegefamilie.
Anfangs fühlte sich die Kleine pudelwohl in der neuen Gemeinschaft, in der mehrere Pflegekinder bei einem Erzieher-Paar in einer familienähnlichen Struktur aufwuchsen. Dann aber, als Tayana acht Jahre alt war, zog die Pflegemutter mit einem Teil der Kinder, darunter auch Tayana, nach Buxtehude. "Ich wusste damals nicht, dass sich unsere Erzieher getrennt hatten, und verstand die Welt nicht mehr", erinnert sich das ehemalige Pflegekind. In der Estestadt fühlte sie sich als Außenseiterin. "Die Schule war schlimm. Mich mochte niemand, und ich verstand nicht, was falsch an mir war." Nur in der zwei Jahre jüngeren Nachbartochter fand sie eine tolle Freundin. "Mit Nadja habe ich sehr viel Spaß gehabt." Durch den Umzug nach Stade ein paar Jahre später verlor Tayana jedoch auch dieses vertraute Umfeld.
In Stade änderte sich ihr Leben noch einmal deutlich, weil der Lebensbereich der Pflegekinder von den "Eltern", die mittlerweile ein eigenes Kind hatten, räumlich voneinander getrennt wurde. "Das war hart, so ausgegrenzt zu werden", sagt sie. Mit 17 Jahren musste sie dann ihre "Familie" verlassen und weitgehend alleine zurechtkommen.
"Bis dahin hatte ich ein Leben unter sehr strengen Regeln geführt", erinnert sie sich. "Mit der neuen Freiheit kam ich nicht zurecht und habe erst einmal über alle Stränge geschlagen, gekauft, was ich vorher nicht haben durfte, habe 'Party gemacht' und viel zu viel Alkohol getrunken." Zudem litt die junge Frau, die mittlerweile eine Ausbildung zur Bäckerin absolvierte, auch unter starken Ängsten und konnte nachts nicht schlafen. "Das führte dazu, dass ich morgens nicht aus dem Bett kam", gibt sie zu. Sie kam zu spät zur Arbeit, war häufig krank und die Kollegen waren verärgert. "Ich habe die Ausbildung abgebrochen", so Tayana. "Ich konnte meinen Kollegen auch nicht erklären, was mit mir los war."
Heute ist die 32-Jährige selbst zweifache Mutter und hat in ihrem Lebensgefährten einen verständnisvollen Partner gefunden, der sie in jeder Beziehung unterstützt. "Ich bin wirklich glücklich", sagt sie. Ihre Kinder liebe sie über alles, doch komme es vor, dass sie vor allem bei ihrer älteren Tochter wiederhole, was sie selbst in ihrer Kindheit erlebt habe. "Glücklicherweise macht mich dann die Mutter meines Freundes darauf aufmerksam, wenn ich zum Beispiel ohne Abschiedskuss oder Umarmung aus dem Haus gehen will", ist Tayana Klug dankbar. Auch mit ihren Arbeitgebern hat die junge Staderin oft Glück gehabt. "Mir ist viel Unterstützung angeboten worden, auch wenn ich diese nicht immer angenommen habe", sagt sie. Dennoch: Gerade für Pflegekinder hält sie es für sinnvoll, wenn es einen konstanten Ansprechpartner außerhalb der Familie gäbe, dem sich Kinder bei Problemen ohne Angst anvertrauen können. "Das hätte in meinem Leben einiges leichter gemacht", so Tayana Klug.

Autor:

Nicola Dultz-Klüver aus Buxtehude

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