Landesbischof Ralf Meister wendet sich an die Menschen im Landkreis Stade
Zeit des Verzichts und der Nächstenliebe

Der niedersächsische Landesbischof Ralf Meister
  • Der niedersächsische Landesbischof Ralf Meister
  • Foto: Heiko Preller/Landeskirche Hannover
  • hochgeladen von Susanne Böttcher

nw/bo. Freiburg. Der niedersächsische Landesbischof Ralf Meister wollte ursprünglich am Sonntag, 29. März, für eine Predigt nach Freiburg kommen. Aber dieser Festgottesdienst fiel Corona zum Opfer. Da er nun nicht persönlich zu den Gottesdienstbesuchern in der St. Wulphardi-Kirche sprechen konnte, hat Meister seine Gedanken schriftlich verfasst und richtet sich mit einem geistlichen Wort nicht nur an die Kehdinger, sondern an alle Menschen im Landkreis Stade:
"Alles war vorbereitet. Der Termin stand im Kalender. Der Gottesdienstablauf war durchgeplant. Die Chöre hatten geprobt. An diesem Sonntag hätte ich mit den Menschen in Kehdingen in der St. Wulphardi-Kirche in Freiburg Gottesdienst gefeiert. Ein Gottesdienst für die ganze Region sollte es sein. Ich habe mich darauf gefreut. Es wäre auch ein Wiedersehen geworden, nachdem ich im vergangenen Jahr auf meiner Fahrradtour in Freiburg an der Elbe Station gemacht hatte. Ich erinnere mich an einen interessanten Abend mit Kirchenvorsteherinnen, Mitgliedern aus dem Bibelkreis, der Pastorin, einer Flüchtlingshelferin und dem Patron, den wir in intensiven Gesprächen verbracht haben.
'Gott, schaffe mir Recht.' So beginnt der Psalm an diesem Sonntag. Recht und Gerechtigkeit sind die Themen, zwei Wochen vor Ostern. Darüber hätte ich gepredigt. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Und mit ihr alle Auflagen, die zu einem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens geführt haben, auch in unserer Kirche. Grundlegende Rechte wie die Versammlungsfreiheit sind für eine Zeit außer Kraft gesetzt zum Schutz der Schwächsten.
Die Kirchen sind geschlossen. Das berührt die Gemeinden tief und trifft besonders die, die für das gottesdienstliche Leben in unserer Kirche verantwortlich sind. Gerade in Krisenzeiten ist die Kirche immer an der Seite der Menschen. Nun sind die Wege, die wir sonst miteinander gehen, zum Teil versperrt. Mich schmerzen diese Maßnahmen sehr.
Passionszeit ist die Zeit der Konzentration und des Verzichts. Doch ein Verzicht wie in diesen Wochen war bislang unvorstellbar.
Inmitten dieses Verzichts ist in den vergangenen Wochen etwas Großartiges entstanden: Wir erleben eine gefährdete Gemeinschaft, in der der Geist der Nächstenliebe wächst. Menschen halten in einer Zeit des verordneten Abstands zusammen. Einkaufsservices werden für die älteren Menschen eingerichtet, Seniorinnen und Senioren, die zu Hause bleiben müssen, übernehmen Bügelarbeiten für die Jüngeren. In den Kirchengemeinden werden Briefkastenandachten verteilt, die Glocken läuten zum Gebet, Telefonketten werden gebildet, Briefe gehen auf den Weg. Digital sind viele Kirchengemeinden mit Online-Gottesdiensten, Abend- und Morgenimpulsen präsent. So gehen wir auf die Karwoche und auf Ostern zu. Fällt Ostern nun aus? So werde ich gefragt. Ostern fällt nie aus. Die Erinnerung an die Auferstehung Jesu Christi ist ein Termin für alle Ewigkeit! Wir werden Ostern feiern. Anders als sonst. Aber miteinander verbunden als Gemeinschaft, die die Auferstehung feiert. Auch wenn Angst und Sorge im Moment unser Leben bestimmen. Angst um die Kranken genauso wie die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft. Die notwendigen Erntehelfer in der Landwirtschaft fehlen, Unternehmen droht durch die Verdienstausfälle die Insolvenz.
Ist das Heil aus der Welt? In dem Psalm für den kommenden Sonntag Judika geht eine Hoffnung auf in scheinbar heillosen Zeiten. Am Ende des Psalms spricht der Beter: 'Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.' (Psalm 43, 5). Wir müssen zusammenhalten und in Zuversicht leben."
Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Autor:

Susanne Böttcher aus Buxtehude

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