Befürchtung in Hammah: "Natur wird vernichtet"

Landwirt Dietrich Schlichting vor dem Mini-Waldstück. Das gemeindeeigene Areal soll mit einem Gemeinschaftszentrum inklusive Festsaal und Schießstand bebaut werden. Dafür sollen Bäume weichen    Fotos: tp
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Pläne für großes Gemeinschaftszentrum in der Ortsmitte: Landwirt will Wäldchen erhalten

tp. Hammah. "Ein schönes Stück Natur wird vernichtet", befürchtet Landwirt Dietrich Schlichting (74) aus Hammah vor dem Hintergrund eines umfangreichen Neubauprojektes der Gemeinde, im Zuge dessen möglicherweise alte Bäume in der Ortsmitte gefällt werden sollen. Naturfreund Schlichting appelliert an das ökologische Gewissen der Beteiligten aus Politik und Verwaltung und bittet, das Mini-Waldstück von einer Rodung zu verschonen.

Wie berichtet, schreiten in dem wachsenden Geest-Ort Hammah die Planungen für die Entwicklung des Ortszentrums voran. Der Rat stimmte jüngst für den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses in der Dorfmitte als Ersatz für die Gaststätte "Landhaus Hammah", die sich im Gemeindebesitz befindet und bislang die Funktion eines Gemeinschaftszentrums mit Schießsportanlage hat. Dafür hat die Gemeinde von privat das lediglich mit einem kleinen, älteren Wohnhaus bebaute, ca. 1.800 Quadratmeter große Grundstück hinter dem Rathaus gekauft. Direkter Nachbar ist Dietrich Schlichting, der über den Gartenzaun die Planungen mit Skepsis betrachtet. 

Das neue Dorfgemeinschaftszentrum für bis zu 3,5 Millionen Euro soll hinter dem jetzigen Rathaus "An der Lohe", einem kleinen Niedersachsenhaus mit Reetdach, errichtet werden. Zum Konzept des Dorfgemeinschaftszentrums, dessen Vor-Entwürfe kürzlich öffentlich präsentiert wurden, gehört ein Festsaal für 150 Gäste, eine Theaterbühne, eine Küche und eine Schießsportanlage mit unterirdischem Kleinkaliber-Schießstand und einem oberirdischen Luftgewehr-Schießstand in einem schalldichten Gebäude.  

Nach den vorläufigen Plänen soll der Festsaal im Bereich der Straße "An der Lohe" errichtet werden. Der künftige Schießstand befindet sich nach den Vor-Entwürfen in der Nähe von Schlichtings Grundstück am Pinnbarg.

Landwirt Schlichting beteuert, dass seine Bemühungen nicht von Eigeninteresse geleitet sind: Zwar befürchte er auch Lärmbelastung durch die künftige Dorfgemeinschaftsanlage, primär gehe es ihm aber um die Bäume - darunter Eschen, Eichen und Birken - und die darin lebende Tierwelt mit Vögeln, Fledermäusen, Igeln und Insekten: "Natur wird verdrängt - das ist meine Sorge", sagt Schlichting, der auf dem mit viel Grün bewachsenen Hof schon seine Kindheit verbrachte. 

Gemeindedirektor und Samtgemeinde-Bürgermeister Holger Falcke rät Schlichting, persönlich Kontakt zur Gemeinde aufzunehmen und seine Bedenken rechtzeitig vorzutragen. Im Falle einer Anpassung des Bebauungsplanes stünden ihm und anderen Bürgern rechtliche Möglichkeiten der Einwirkung offen. Im aktuellen Bebauungsplan, so Falcke, genießen zumindest ältere Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern einen besonderen Status. Bei einer Fällung müssten sie auf demselben Areal durch Neuanpflanzung von jeweils drei Bäumen mit mindestens 14 Zentimetern Umfang ersetzt werden.

Schlichting ist dieser "Ausgleich" zu wenig, er will rechtzeitig Einspruch einlegen.
Zwischenzeitlich hat auch Hammahs Bürgermeister Stefan Holst, der Schlichtings Bedenken respektiert, das Gelände genau in Augenschein genommen: Auf der gesamten Grundstücksfläche hat er je zwei bis drei schützenswerte alte Birken und Eichen ausgemacht, die möglichst erhalten bleiben sollen. Er macht aber auch klar, dass die wuchernden Büsche auf der von Schlichting gemeinten Grünfäche deutlich ausgedünnt und wohl auch diverse Bäume fallen werden.

Landwirt Dietrich Schlichting vor dem Mini-Waldstück. Das gemeindeeigene Areal soll mit einem Gemeinschaftszentrum inklusive Festsaal und Schießstand bebaut werden. Dafür sollen Bäume weichen    Fotos: tp
Das Rathaus in Hammah
Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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