Beton auf "Wackelpudding" beim A20-Bau

Beim Überschütt-Verfahren wird der Autobahndamm aus Sand schichtweise aufgetragen. Das Wasser aus dem weichen Torf- und Klei-Boden dringt durch senkrechte Drainagerohre in Gräben. Der Wall sinkt allmählich auf das Niveau der geplanten Fahrbahn ab
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  • Beim Überschütt-Verfahren wird der Autobahndamm aus Sand schichtweise aufgetragen. Das Wasser aus dem weichen Torf- und Klei-Boden dringt durch senkrechte Drainagerohre in Gräben. Der Wall sinkt allmählich auf das Niveau der geplanten Fahrbahn ab
  • Foto: Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
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Stabile Lösung: Überschütt-Verfahren für die Küstenautobahn im Landkreis Stade / Info-Märkte in Oldendorf und Engelschoff

tp. Drochtersen/Stade. Wenn alles glatt läuft, fließen im Jahr 2030 europäische Verkehrsströme über die neue Küstenautobahn A20 mit dem Kehdinger Kreuz bei Drochtersen mit Anschluss an die A26 nach Stade und durch den vorgesehenen Elbtunnel bei Drochtersen. Nicht nur organisatorisch ist das Mega-Infrastrukturprojekt aufgrund des aufwändigen Planfeststellungsverfahrens ein Schwergewicht - auch technisch stehen die Macher vor einer gewaltigen Herausforderung: Der Baugrund im Landkreis Stade ist in weiten Teilen weich wie Wackelpudding. Daher kommt beim Bau des bis zu 50 Meter breiten Damms für die Beton- und Asphaltpiste das besondere Überschütt-Verfahren zum Einsatz.

Bei einem Pressetermin informierten die Projektleiter der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade, Sebastian Mannl, Inken Wellach und Reinmar Wunderling sowie Jörg Ölze, Technischer Abschnittsleiter (Autobahnabschnitt 7), über die Überschütt-Methode: Im gesamten Marsch-Bereich nördlich der B73 in Burweg bei Himmelpforten, wo der Boden aus einem Gemisch aus bis zu zwölf Meter dicken Torf- und Klei-Schichten besteht, muss der Untergrund im großen Stil entwässert werden. Bildlich gesprochen wird der Boden ausgequetscht wie ein nasser Schwamm. Dazu wird mit schwerem Gerät Sand aufgetragen. Unter dessen Gewichtsdruck dringt das Wasser durch extra eingebaute senkrechte Drainagerohre. Durch die "Riesen-Strohhalme" wird die Entwässerung auf zwei bis drei statt bis zu mehreren Jahrzehnten verkürzt. Das Verfahren hat sich bereits im fertigen A26-Abschnitt bewährt.

Die Kosten betragen - je nach Aufwand - zwischen 20 und 30 Millionen Euro je Autobahn-Kilometer. Es bleiben Unwägbarkeiten: Zwar wurde der Baugrund mit Bodenproben gründlich untersucht, trotzdem können unerkannte inselartige unterirdische Einlagerungen aus Torf (Torflinsen) die Bauarbeiten verzögern.

Bei einem Erörterungstermin Anfang der Woche äußerten Bürger und Umweltverbände erneut ihre Bedenken hinsichtlich der mangelnden Bodenstabilität der nassen Kehdinger Elbmarsch und verwiesen in diesem Zusammenhang auf die Zwischenfälle in Mecklenburg-Vorpommern, wo die A20 absackte. Erst jüngst forderten die Grünen im Landtag deshalb sogar den Planungsstopp für die gesamte Küstenautobahn. Laut den Stader Planern wurde das Autobahn-Tragwerk in Mecklenburg-Vorpommern allerdings völlig anders - als Moorbrücke auf Betonpfeilern - konstruiert.

Im Jahr 2021 sollen die Baustraßen für die A20 errichtet werden. Der Baustart für den Damm wird für 2022/2023 angepeilt. Für das Kehdinger Kreuz wird Ende 2019 der Planfeststellungsbeschluss erwartet.

http://www.kuestenautobahn.niedersachsen.de

Planer laden zu zwei Info-Märkten

Die Planer laden zu zwei Info-Märkten ein: am Dienstag, 11. September, 16 bis 20 Uhr, im Landgasthof Heins in Oldendorf und am Mittwoch, 12. September, 16 bis 20 Uhr, im "Danz- und Klönhus" in Engelschoff. Themen sind Bautechnik, Immissionsschutz, Landschafts- und Umweltplanung, Grunderwerb, Landwirtschaft und Flurbereigung. Teilnehmer können sich auf Anfrage auch über Klagemöglichkeiten informieren. 

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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