Dorf-Zoff in Kehdingen: "Das mit der Sau geht zu weit!"

"Die Sau muss weg!": Wegen dieses Protestschildes eskalierte jetzt der Dorf-Zoff
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Tierischer Protest gegen Feriensiedlung im Oste-Dorf Kleinwörden: Investor zeigt Landwirt an

tp. Kleinwörden. Der Konflikt zwischen einem Investor und der Landbevölkerung trübt weiter die Idylle im Oste-Dörfchen Kleinwörden in der Kehdinger Gemeinde Hechthausen. Während die Bauleitplanung gegen die bei Nachbarn in der Kritik stehenden Erweiterung des Beherbergungsbetriebes "Mühlenhof" des selbständigen Architekten Josef Borgs (68, das WOCHENBLATT berichtete) auf politischer Ebene seinen Gang geht und der von ihm nachgebesserte Entwurf des Bebauungsplanes in Kürze öffentlich zur Stellungnahme ausliegt, reagierten Kritiker jetzt mit "tierischem" Widerstand auf das Mega-Projekt. An der Alten Fährstraße an der Zufahrt zum Planungsgebiet bringen die Gegner ihren Missmut über die aus ihrer Sicht überdimensionierte und für den Ort, in dem es schon die Ferienanlage "Geesthof" gibt, deplatzierte Anlage mit lustigen Stroh-Figuren und markigen Kommentaren auf Bannern zum Ausdruck.

Der Ensembles aus Schildern und Heuballen-Puppen wurden in den vergangenen Monaten der Reihe nach am Rand der Plantage des benachbarten Obstbauern Helmut Feldmann von Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) gegen die Mühlenhof-Ferienanlage aufgestellt. Zu Ostern mahnte ein Riesen-Häschen: "Für Ferienhäuser gibt's was hinter die Löffel!", später hing das Schild "Tierisch schlechte Idee: Ferienhäuser in Kleinwörden" neben einem Pfingst-Ochsen. Josef Borgs akzeptierte die wohl humorvoll gemeinten Meinungsbekundungen bislang. Doch nach der aktuellen Visualisierung mit einem Schwein und dem zweideutigen Zusatz: "Die Sau muss weg!" setzt er sich zur Wehr.

Die BI bekennt sich zwar zu dem Stroh-Schwein am Straßenrand, nicht aber zu dem Schild. BI-Sprecher Torsten Lüllau (46): "Keine Ahnung, wer es aufgestellt hat."
"Das mit der Sau ging zu weit, sagt Josef Borgs, "erschüttert über die Rohheit". Er erstattete Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung gegen die Landwirtsfamilie Feldmann, auf deren Grundstück die Protest-Puppe steht. Die Feldmanns distanzieren sich ebenfalls von dem Schild.

Unterdessen hat Josef Borgs, der sich übrigens nicht als "böser Investor, sondern als Familienvater" sieht, der für seine Ehefrau und seine erwachsenen Kinder eine wirtschaftliche Existenzgrundlage schaffen wolle, seine Pläne für das Vier-Hektar-Grundstück nahe des Oste-Deiches massiv reduziert. Mit insgesamt 53 statt der zuvor mehr als 100 Betten und acht statt ehemals bis zu zwölf Häusern wolle er eine kleine und feine Anlage auf einem naturnahen Areal mit Biotopen schaffen. Borgs betont allerdings, dass die Verkleinerung keine Reaktion auf den Protest sei. Vielmehr verlange die Novellierung des europäischen Abwasserrechtes die kleinere Lösung. Borgs rechnet 2018/2019 mit einem Baustart der Anlage als Ergänzung zu seinem von ihm bewohnten alten Bauernhaus und in einem Neubau vorhandenen Gästehaus, einem Apartment sowie einer "Künstlerwohnung".

Die BI-Mitglieder hingegen wähnen sich ihrem Ziel näher, das Millionenprojekt ganz zu stoppen: "Schon heute koten mir die Hunde der Feriengäste in den Garten, sie schauen in meine Fenster, lärmen und wenden auf meinem Grundstück", klagt Torsten Lüllau, der direkt neben dem "Mühlenhof" eine alte Windmühle bewohnt. Er verweist auf das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Cuxhaven, das dort Landwirtschaft statt Fremdenverkehr ausweise. "Hätte ich von der Möglichkeit des Baus einer 'Touristen-Hochburg' geahnt, hätte ich mich hier niemals niedergelassen."

Bei der BI, die knapp 100 Unterschriften von Gegnern aus der Umgebung gesammelt hat, will man erneut kritisch Stellung zu den Plänen nehmen: "Sollte das Vorhaben von der Politik genehmigt werden, wird es eine Klage von den Anwohnern beim Oberverwaltungsgericht geben", kündigt Lüllau an. Doch eigentlich wünscht auch er sich nur eins: "Ruhe und Frieden im Dorf und eine gute Nachbarschaft."

Moment mal!

"Die Sau muss weg!": Die Bürgerinitiative aus Kleinwörden distanziert sich von dem Banner-Spruch mit angeblich unbekanntem Urheber, der dem offensichtlich gemeinten Ferienhaus-Investor Josef Borgs nun zu einer Strafanzeige wegen Beleidigung veranlasste. Damit reagierte er erstmals seit Monaten auf eine Serie von Provokationen mit Puppen aus Stroh, die eher harmlos begann. Borgs' Zurückhaltung war das beste Mittel, solchen Angriffen zu begegnen.

Nachdem nun die Schwelle der Eskalation überschritten ist, rückt auch das von beiden Seiten gewünschte Ziel einer friedlichen Zusammenlebens im Dorf in weite Ferne. Nun ist von beiden Parteien Diplomatie und guter Wille gefragt. Im eigenen Interesse aller Beteiligten - denn in den Augen der Dorfbewohner, die unfreiwillig Publikum des Streits sind, laufen sie Gefahr, bald selbst als Figuren eines niederen Possenspiels dazustehen.
Thorsten Penz

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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