Stadt will Bewohner der Ostmarkstraße befragen
"Eine schändliche Namensgebung"

Dr. Peter Meves will den Namen
Ostmarkstraße tilgen lassen Foto: Archiv
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  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. In der Nachkriegszeit wurden viele Straßen in Deutschland nach Städten aus den "verlorenen Ostgebieten" benannt. Auch in Stade gibt es ein solches "Ostland-Viertel". Straßennamen wie die Elbinger Straße oder die Insterburger Straße in Stade-Thun wurden damals oft mit revanchistischen Hintergedanken vergeben. Heute kommt das - abgesehen von wenigen Ewiggestrigen - niemandem mehr in den Sinn. Anders verhält es sich mit der benachbarten Ostmarkstraße. Die Straße erhielt 1938 ihren Namen - von den Nazis. Der Begriff Ostmark bezieht sich gemäß der NS-Ideologie auf Österreich. 1938 wurde von Hitler der (unfreiwillige) Anschluss Österreichs an das faschistische Deutsche Reich vollzogen. Es sei ein Unding, heute noch mit dem Straßennamen daran zu erinnern, findet der Stader Hobbyhistoriker Dr. Peter Meves.

Der pensionierte Augenarzt und gebürtige Stader bemüht sich seit Jahren darum, diese nach seiner Ansicht schändliche Namensgebung für eine Straße seiner Heimatstadt zu tilgen. Trotz des nachweisbaren Bezugs zum Nationalsozialismus haben Rat und Verwaltung bisher an dem Namen festgehalten. Doch jetzt nimmt Meves einen neuen Anlauf. In einem Brief ans Rathaus bittet er nun erneut darum, eine Umbenennung vorzunehmen. Schließlich könne er sich nicht vorstellen, dass "die Stadt Stade Nazi-Ideologie verherrlichen und konservieren möchte". Laut Meves könnte mit der von ihm vorgeschlagenen Bezeichnung Österreichstraße eine "Distanzierung von den früheren politischen Verirrungen in dieser Stadt erfolgen".

Doch Bürgermeisterin Silvia Nieber will in dieser Sache nicht über die Köpfe der Anwohner hinweg entscheiden. Bevor der Rat einen Beschluss fasse, sollen die Hauseigentümer befragt werden, ob sie eine Umbenennung der Ostmarkstraße wünschen oder ob es für sie ausreicht, dass das Straßenschild mit einem zusätzlichen Hinweisschild versehen wird. Solche Ergänzungsschilder mit einem erläuternden Text sind auch in anderen Städten üblich, wenn es um problematische Straßennamen geht. Das letzte Wort haben aber nicht die Bewohner, sondern die Politiker im Rat. Sie müssen letztlich entscheiden, wie Stade mit den schwärzesten Tagen seiner Vergangenheit umgeht.

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