Pro und Kontra
Gleichstellungsbeauftragte: Per Gesetz ein Frauenjob

Redaktionsvolontärin Svenja Adamski (li.) argumentiert für die ausschließliche Anstellung von Frauen auf der Position der Gleichstellungsbeauftragten, Redakteurin Stephanie Bargmann argumentiert dagegen.
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(sv). "Die Hansestadt Stade sucht zum 1. März 2022 eine Gleichstellungsbeauftragte in Teilzeit". Was sich zunächst wie eine normale Stellenanzeige liest, macht auf den zweiten Blick stutzig. Üblicherweise suchen Behörden schließlich nach männlichen, weiblichen oder diversen Mitarbeitenden. Nicht so aber bei der Position der Gleichstellungsbeauftragten, die laut niedersächsischem Gesetz nur von einer Frau besetzt werden darf.
"Die Gesetzgebung schreibt hier die Einsetzung einer Frau vor", bestätigt Kerstin Wolff, Pressesprecherin des niedersächsischen Sozialministeriums. "Das ist auch im Jahr 2021 aktuell, da gerade Frauen in fast allen Lebensbereichen nach wie vor strukturell benachteiligt sind."
Es sei naheliegend, dass die weiblichen Beschäftigten sich mit ihren Problemen bei einer Person des gleichen Geschlechts besser aufgehoben und vertreten fühlen würden als bei einem Mann. Zudem sei davon auszugehen, dass das erforderliche Verständnis für die Problematik geschlechterspezifischer Benachteiligung, in der Regel von Frauen, auch von Frauen besser nachvollzogen werden könne als von einem Mann.
"Die Sichtweise auf die Rollen von Frauen und Männern und die verheerende Auswirkung auf die Lebenssituation der Frauen - aus der Position der Frauen heraus - aufzuzeigen und hier Gleichstellung und Gleichberechtigung herzustellen, dafür benötigt es nach wie vor eine Frau auf dem Platz der Gleichstellungsbeauftragten", sagt Kerstin Wolff.
Die Position der Gleichstellungsbeauftragten ist nicht die einzige Stelle, die nur von Frauen besetzt wird. Sowohl im Frauenhaus Buchholz als auch im Frauenhaus Stade sind nur Mitarbeiterinnen angestellt. Warum das so ist, liegt für den Sprecher des Landkreises Harburg, Andres Wulfes, auf der Hand: "Wenn Frauen aus einer gewaltsamen Situation oder Beziehung vor einem Mann flüchten, werden sie nicht zum nächsten Mann ins Frauenhaus flüchten wollen."
Wer sich als Mann übrigens auf einen ausschließlich für Männer ausgeschriebenen Job bewerben möchte, muss nicht lange suchen, er kann Papst werden.

Redaktionsvolontärin Svenja Adamski
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Pro: Eine niederschwellige Ansprechpartnerin

(sv). Ich finde es gut, dass die Stelle aktuell nur von einer Frau besetzt werden kann. Wer sich die Statistiken zu häuslicher Gewalt, ungleicher Bezahlung und Wiedereinstieg in den Beruf nach der Schwangerschaft ansieht, kann nicht wegargumentieren, dass bei der Gleichstellung von Frauen noch sehr viel Arbeit vor uns liegt. Warum sollten wir also nicht genau deshalb diese Position ausdrücklich in die Hände einer Frau legen und die Hemmschwelle für die Zielgruppe niedrig halten, die sie am meisten benötigt?
Es wäre natürlich großartig, wenn unsere Gesellschaft eines Tages den Punkt erreicht, an dem es irrelevant ist, ob der Posten der Gleichstellungsbeauftragten an einen Mann oder eine Frau geht. In vielen Bereichen ist es aber für Frauen eben noch nicht irrelevant, ob ihnen ein Mann oder eine Frau gegenübersitzt. Von vielen Frauen aus meinem Freundeskreis weiß ich, dass sie beim Gynäkologen trotz dessen medizinischen Fachwissens eine Frau bevorzugen. Was ich auch gut finden würde: Für ein wirklich niederschwelliges Angebot könnte es doch ein Team aus Frauen und Männern als Gleichstellungsbeauftragte geben. Svenja Adamski

Redakteurin Stephanie Bargmann
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Kontra: Gleichstellung wörtlich nehmen

(sb). Können Frauen Bankvorstand werden? Gibt es versierte Handwerkerinnen in Männerdomänen wie Fliesenleger oder Kfz-Mechatroniker? Zweimal ganz klar ja. Wir Frauen haben in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass wir den Männern beruflich in nichts nachstehen müssen - wir hatten bis vor Kurzem sogar eine Bundeskanzlerin, die weltweit hohes Ansehen genießt.
Im Gegenzug sollte man Männern die Ausübung klassischer Frauenberufe nicht verwehren. Inzwischen gibt es auch Männer, die als Erzieher oder Altenpfleger arbeiten. Die können das. Also kann ein Mann - die passende Qualifikation vorausgesetzt - auch als Gleichstellungsbeauftragter einen guten Job machen. Für Gerechtigkeit im Beruf, in der Gesellschaft und in der Familie können Männer genauso engagiert kämpfen wie Frauen. Als Anwälte stellen sie das täglich unter Beweis, wenn sie z.B. Frauen in Arbeitsrechts- oder Familienprozessen vertreten. Die Gleichstellung sollte deshalb auch in niedersächsischen Rathäusern wörtlich genommen werden. Stephanie Bargmann

Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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