Was ein Pressefoto auf den zweiten Blick verrät
Ist die Zukunft (noch) immer männlich?

Elf Männer und ein Zukunftsthema - warum ist keine Frau zu sehen?
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  • Elf Männer und ein Zukunftsthema - warum ist keine Frau zu sehen?
  • Foto: CDU
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tk. Landkreis. An diesem Foto ist eigentlich nichts besonders bemerkenswert, zumindest auf den ersten Blick. Elf Männer, geschätzt alle über 45 Jahre, gucken in die Kamera. Darunter bekannte Gesichter wie Niedersachsens Forschungsminister Björn Thümler (CDU) und der Stader CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann. Die elf Herren haben sich zum Thema Wasserstoffprojekte in der Region getroffen und Grundmanns Büro hat dazu eine Pressemitteilung geschickt. Auf den zweiten Blick ist das Foto dennoch erstaunlich: Sind die Protagonisten bei Zukunftsthemen noch immer männlich und um die 50 Jahre alt? Es geht um eine wichtige Technologie der Zukunft und keine einzige Frau ist dabei? Das WOCHENBLATT hat mit der Stader IHK-Chefin Maike Bielfeldt und der Vizepräsidentin der Hochschule 21, Prof. Dr. med. Barbara Zimmermann, gesprochen.

Die IHK-Chefin muss schmunzeln, als sie auf das Bild und seine nicht beabsichtigte Aussage angesprochen wird. "Eigentlich hätte ich mit auf dem Foto sein sollen. Aus terminlichen Gründen hat das aber nicht geklappt." Am Grundsatzproblem, daran lässt Maike Bielfeldt keinen Zweifel, ändert das nichts. "Frauen haben viel erreicht, sind aber noch nicht da, wo sie sein sollten." Die Gesellschaft werde zwar durchlässiger, es gebe auch immer mehr Frauen in Spitzenpositionen, doch gerade in eher ländlich geprägten Regionen seien Netzwerke von Männern noch immer sehr dominant. "Das müssen wir aufbrechen", sagt Bielfeldt. Daran müsse die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft ein überaus starkes Interesse haben. Denn ohne Frauen in Spitzenjobs, auch im technischen Bereich, werde der Fachkräftemangel ein unlösbares Problem werden.

Dass Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind, liegt Bielfeldts Meinung nach auch daran, dass sie weniger energisch nach vorne treten. "Frauen wollen eher gefragt werden", sagt sie. Männer sagen eher, "das traue ich mir zu" und würden sich dann voll einbringen. Was auch daran liege, so die IHK-Chefin, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch viel mehr eine Familienfrage und keine Frauenfrage werden müsse. Dass in Sachen Zukunfstechnologien und Technik noch sehr viel mehr Frauen erfolgreich sein könnten, bezweifelt Maike Bielfeldt nicht. Sie ist überzeugt, dass Frauennetzwerke erfolgreich Mädchen begeistern werden und dass die spezielle MINT-Förderung Jungen wie Mädchen erreiche. 

Prof. Dr. Barbara Zimmermann ist die Vizepräsidentin der Hochschule 21 in Buxtehude und leitet dort die Gesundheitsstudiengänge. Sie ist seit Gründung der Hochschule 1876 die erste Frau auf dieser Spitzenposition. "Ich kann jedes Wort unterstreichen", sagt sie zu den Aussagen von Maike Bielfeldt. Für die Ärztin und Wissenschaftlerin ist das oberste Ziel Gleichstellung im ursprünglichen Wortsinn: "Gleich ist gleich." Nicht das Geschlecht, sondern die Kompetenzen müssen über die Vergabe eines Jobs entscheiden. Bis es so weit sei, müsse aber noch ein längerer Weg zurückgelegt werden.

Vieles sieht Barbara Zimmermann aber im Umbruch. Von den rund 1.000 Studierenden in Buxtehude seien rund 470 Frauen. Und: Seit der Akademisierung der Physiotherapie sei dieser Job für Männer interessanter geworden. 30 bis 40 Prozent der Studierenden der Physiotherapie seien inzwischen Männer.

Dass Frauen trotz hoher Qualifikation auf der Karriereleiter zurückbleiben, habe auch mit noch immer traditionellen Rollenbildern zu tun. "Frauen mit Kindern arbeiten eher in Teilzeit", sagt Zimmermann. Teilzeit und Führung funktioniere aber nicht immer. "Eine Chefärztin in Teilzeit ist nur schwer vorstellbar." Hier sind Männer in der Familienpflicht.

Manche Veränderungen, etwa ein stärkeres Interesse von Schülerinnen an den sogenannten MINT-Fächern (Mathe, Informatik und Naturwissenschaften) würden noch etwas Zeit benötigen. Beim Thema der ungleichen Bezahlung sieht die Vizepräsidentin der Hochschule aber akuten Handlungsbedarf: In Deutschland kommen statistisch auf 77 Cent, die eine Frau verdient, Männer mit einem Verdienst von einem Euro.

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