Warten auf Mini-Entsorgungsfahrzeuge im Landkreis Stade
Sammelstellen für Müll bleiben vorerst erhalten

Die Lösung für Sackgassen und enge Straßen sollen die 
Mini-Müllfahrzeuge bringen
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    Mini-Müllfahrzeuge bringen
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  • hochgeladen von Jaana Bollmann

jab. Landkreis. Zu früh gefreut: Anwohner von Stichstraßen oder Sackgassen warten darauf, dass endlich die Mini-Müllfahrzeuge zum Einsatz kommen. Dadurch müssten sie ihre Tonnen nicht mehr zu den Sammelpunkten ziehen, weil die großen Müllfahrzeuge nicht in Straßen ohne Wendemöglichkeit fahren. Doch die Minis lassen auf sich warten - und das sogar noch bis zum Sommer. Aber das ist nicht der einzige Grund für Kritik.

Im Juni 2019 erhielt das Unternehmen Karl Meyer AG den Zuschlag beim EU-weiten und offenen Ausschreibungsverfahren, das beim ersten Versuch wegen zu teurer Angebote zu keinem Ergebnis geführt hatte. Im Vertrag zwischen Meyer und dem Landkreis wurde festgelegt, dass u.a. die Mini-Müllwagen - auch Bonsais genannt - im Landkreis dafür sorgen sollen, dass auch kleine Straßen sowie Sackgassen angefahren werden. Aber: Im Gegensatz zur ersten Ausschreibung, bei dem der Einsatz der Minis bereits zum 1. Januar vorgesehen war, ist nun vertraglich festgehalten, dass sie spätestens ab dem 1. Juli eingesetzt werden.

Doch warum sind die Fahrzeuge nicht schon auf den Straßen? Die Antwort ist einfach: Sie sind noch gar nicht vorhanden. Denn die Lieferzeit für Entsorgungsfahrzeuge betrage zehn bis zwölf Monate, so Lars Koch, Sprecher der Karl Meyer AG.

Grund der Anschaffung der drei Mini-Fahrzeuge (Kosten pro Fahrzeug 120.000 Euro) sind die Vorschriften der Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr. Da es bundesweit immer wieder zu tödlichen Unfällen durch Müllwagen gekommen war, wurde verboten, mit den Fahrzeugen rückwärts zu fahren. Dadurch konnten viele Straßen, wie z.B. Sackgassen ohne Wendemöglichkeiten, nicht mehr bedient werden. Denn das Wenden muss auf öffentlichen Straßen erfolgen. An den betroffenen Straßen wurden Sammelstellen für die Mülltonnen festgelegt.

Um Abhilfe zu schaffen, sollen die wendigeren Mini-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Koch betont, dass ein flächendeckender Einsatz aber weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sei, da diese nur etwa zwei Tonnen Müll laden können. Ein großer Wagen hingegen schaffe 10,5 Tonnen. "Die Wagen sind lediglich eine Ergänzung", meint der Sprecher.

Derzeit werden 420 Straßen bzw. -abschnitte im Landkreis geprüft, ob sie sich für den Bonsai-Einsatz eignen, erklärt Koch. Was im ersten Moment vielleicht gut klingt, ist auf den zweiten Blick nicht mehr so positiv. Da die Vorschriften der BG auch für die Minis gelten, werden auch in Zukunft einige Straßen nicht angefahren werden können.

"In unseren Augen erfüllt Meyer den Vertrag so nicht", meint der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Björn Protze. Denn trotz der neuen Fahrzeuge würde der Müll einiger Bürger nicht direkt am eigenen Grundstück abgeholt. "Das ist ein No-Go." Was die SPD stört: Egal, ob der Müll direkt vor dem Grundstück oder am Ende der Straße abgeholt wird, beide Anwohner bezahlen die vollen Müllgebühren. Und diese wurden auch noch angehoben. Begründung sei die Anschaffung und der Einsatz der zusätzlichen Bonsais gewesen. Diese werden aber noch nicht verwendet. Daher hat die SPD-Fraktion einen Antrag an den Landrat gestellt, die Gebührenerhöhung zu erstatten und auszusetzen, bis Meyer dem Vertrag vollständig gerecht werde.

"Die durch den Landkreis erhobene Gebührenerhöhung setzt sich aus mehr als nur den Kosten für die Fahrzeuganschaffung zusammen", sagt Koch. Durch den neuen Vertrag müssten mehr Aufgaben übernommen werden, wie z.B. das Beschwerdemanagement, das vorher Aufgabe des Landkreises war. "Zusätzlicher Service kostet." Diesen Punkt also auf die neuen Fahrzeuge zu schieben, sei nicht richtig, so Koch. Dass weiterhin einzelne Straßen nicht angefahren werden können, sei von vornherein gemeinsam mit dem Landkreis kommuniziert worden.

Eine Verbesserung für einige Anwohner von Problem-Straßen ist somit zwar in Sicht. Allerdings werden auch weiterhin Müllsammelstellen ein Ärgernis einiger Straßen bleiben. Aber: "Wir bleiben an dem Thema dran, bis für alle eine Lösung gefunden wurde", so Protze.

Für die Zukunft aufrüsten

(jab). Damit Karl Meyer in den kommenden Jahren gut ausgerüstet ist und den Vertrag erfüllen kann, werden neben den drei Mini-Fahrzeugen vier Kofferfahrzeuge, sieben Hecklader sowie zehn große Fahrzeuge angeschafft. Bis Ende des Jahres sollen die 30 Fahrzeuge für die Kommunalentsorgung mit elektronischen Abbiegeassistenten ausgestattet sein.

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