Stader Neubürgerin in Sorge um die Baracken-Babys

Gitta Tiedemann hat auf dem Gelände bei den Obdachlosenunterkünften Mütter mit Kleinkindern und Babys gesehen
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Obdachlose am Fredenbecker Weg: Kommen und Gehen bei den Osteuropäern / Knappheit an günstigen Wohnungen

tp. Stade. Mit großer Sorge um die Bewohner der heruntergekommenen Obdachlosensiedlung am Fredenbecker Weg in Stade wendet sich Gitta Tiedemann (49), Anwohnerin der benachbarten Heidesiedlung Riensförde, an das WOCHENBLATT, das mehrfach über die Obdachlosenunterkünfte und die chaotisch anmutende Lage mit wechselnden Bewohnern, Müllbergen und Ruhestörungen berichtete. Langfristig sollen die altmodischen Baracken abgerissen werden. Umso mehr ist Gitta Tiedemann negativ überrascht, dass dort "wieder ganze Familien von offenbar osteuropäischer Herkunft eingezogen" seien. Sogar Mütter mit Babys und Kleinkindern will sie auf dem Gelände gesehen haben. Sie fragt: "Gibt es in Stade für bedürftige Menschen keine menschenwürdigen Wohnungen? Sie können doch unmöglich in diesen maroden Baracken leben, besonders, wenn erst der Winter kommt. Was sagt die Politik dazu?"

"Die Unterbringung osteuropäischer Obdachloser beobachten wir seit längerer Zeit mit immer größerer Sorge", so Oliver Kellmer, SPD-Ratsherr und Initiator des runden Tisches der Obdachlosenhilfe. "Wir stellen eine starke Fluktuation fest."

Die Problematik - Stichwort Kindergeldbezug - sei mittlerweile auf allen staatlichen Ebenen ein wichtiges Thema", sagt Kellmer mit Blick auf die Freizügigkeit von EU-Bürgern. Aus anderen deutschen Städten ist bekannt, dass insbesondere Osteuropäer Kindergeld und ergänzende Sozialleistungen beziehen, wenn ihr Arbeitsverdienst nicht ausreicht.

In Stade herrscht bei den am Fredenbecker Weg untergebrachten Osteuropäern offenbar ein Kommen und Gehen: Dem Vernehmen nach reisen teilweise ganze Besuchergruppen mit dem Auto zur Übernachtung an. Beim WOCHENBLATT-Ortstermin parkten vor einer kleinen Baracke gleich drei Pkw mit osteuropäischem Kennzeichen. Wegen Sprachproblemen war ein Interview mit den Rumänen vor Ort nicht möglich.

Seitens SPD-Mann Kellmer heißt es: "Selbstverständlich muss jedem Schutz- und Obdachbedürftigem die notwendige Hilfe zuteil werden. Die SPD besteht jedoch darauf, dass die Regeln hinsichtlich Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit eingehalten werden. Notfalls sind dort die Kontrollen zu verstärken. Falls sich erweisen sollte, dass wir die Vorschriften der Hausordnung enger im Hinblick auf 'Besuchergruppen' aus Rücksicht auf die Nachbarschaft fassen müssen, sind wir bereit, dort nachzujustieren."

Im Übrigen fordert die SPD seit Langem die Vermittlung der Obdachlosen in den ersten Wohnungsmarkt. Doch "von einer endgültigen Beendigung der Unterbringung am Fredenbecker Weg sind wir jedoch noch entfernt. Wir drängen nach wie vor auf einen zügigen Neubau", so Kellmer. Überdies habe die SPD-Fraktion die Stadtverwaltung auf den großen Bedarf in der Unterbringung von alleinstehenden Frauen hingewiesen und gebeten, dies zum nächsten Schwerpunkt des Runden Tisches zu machen.

Die Stadt erteilt mit Verweis auf Datenschutz zu den osteuropäischen Bewohnern konkret keine Auskunft, stellt jedoch schriftlich klar, "dass am Fredenbecker Weg keine Kinder untergebracht sind. Wenn überhaupt halten sich diese dort nur zu Besuchszwecken dort auf".

Laut Stadtverwaltung leben in Stade 123 Obdachlose (zwei Drittel männlich, ein Drittel weiblich), unter ihnen 26 Minderjährige. 36 Menschen ohne feste Bleibe leben am Fredenbecker Weg. Elf Personen sind in den seit Jahresbeginn zur Verfügung gestellten Neubauten an der Bundesstraße B73 in Wiepenkathen untergebracht.

Vorbehaltlich der politischen Zustimmung soll im Oktober die Beratung und Unterstützung von Obdachlosen im Rahmen der aufsuchende Hilfen an beiden Standorten angeboten werden. Neben den Kontrollen der Abteilung Sicherheit und Ordnung erfolgen täglich drei Streifenfahrten zu unterschiedlichen Zeiten durch den Wachdienst WAKO. Aufgrund des Umzuges an die B73 konnte im Januar 2018 ein baufällige Baracke am Fredenbecker Weg abgerissen werden. Sofern neue Unterkünfte zur Verfügung stehen, könnten weitere unbewohnte Gebäude überflüssig werden. Ob und wann der Fredenbecker Weg nicht mehr benötigt werde, könne gegenwärtig nicht beurteilt werden.

In Stade gibt es weitere fünf Obdachlosenunterkünfte an unterschiedlichen Standorten.
Im Übrigen sei der Bau preiswerter Wohnungen ein wichtiges Thema in Stade. Die Stadt hat in der Heidesiedlung bereits Wohnraum im unteren Preissegment geschaffen.
Eine, die davon profitiert, ist Hanna Witthohn (77): Nach 42 Jahren am Fredenbecker Weg hat die alte Dame eine Erstbezug-Wohnung an der Celler Straße von der Stadt vermittelt bekommen.

Andere leiden weiter unter Wohnungsknappheit - wie der Sudanese Abdulla Hassan: Trotz festen Jobs in der Gastronomie findet er in Stade keine Wohnung. Er haust schon längere Zeit am Fredenbecker Weg.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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