Große Verunsicherung wegen Corona
Sommerzeit ist Reisezeit - auch 2020?

Sommer, Sonne, Strand und Meer - darauf werden viele Deutsche in diesem Jahr freiwillig verzichten Foto: Archiv/ djd/Karibik Flughafen Hamburg Panthermedia /Thorsten Schrader
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mke. Landkreis. In knapp drei Wochen beginnen die Sommerferien und seit dem 15. Juni sind Reisen in die meisten europäischen Länder wieder erlaubt. Doch wie sieht es mit der Reiselust in unserer Region aus? Das WOCHENBLATT hat bei Reisebüros in der Region nachgefragt.

Angst und Verunsicherung bei Kunden

Die Deutschen gelten als Reiseweltmeister, doch in Corona-Zeiten spürt Bianca Krüger von TUI Travelstar Ihr Neues Reisebüro Niederelbe in Stade vor allem eins: Angst und Verunsicherung. "Die Kunden sind sehr vorsichtig." Während die Türkei darauf wartet, dass auch sie endlich wieder die deutschen Touristen begrüßen darf, dämmt Krüger die Erwartungen der Hoteliers ein. "Es wird kaum einer kommen. Die Deutschen wollen in diesem Jahr Urlaub in Deutschland machen." Die Reiseverkehrskauffrau ist in diesen Zeiten vor allem mit Stornierungen und Umbuchungen beschäftigt. "Die ganze Situation ist für uns sehr schwierig. Wir buchen zum Teil eine Reise drei bis vier Mal um - für diese Arbeit werden wir aber nicht bezahlt. Wir erhalten erst Geld, wenn der Kunde tatsächlich fliegt." Dennoch will sie für ihre Kunden da sein und leidet auch mit ihnen mit, wenn der lang-ersehnte Sommerurlaub gecancelt wird. Um ihre Kunden noch besser zu beraten und ihnen auch die Angst vorm Fliegen zu nehmen, tritt Bianca Krüger in diesen Tagen ihre eigene Mallorca-Reise an. "Dann habe ich selber vor Ort Erfahrungen gemacht, die ich an meine Kunden weitergeben kann."

Große Problem die An- und Abreise

Martina Stender vom Reiseservice Stender in Winsen spürt bei ihren Kunden wenig Motivation, in den Flieger zu steigen. "Viele hätten schon Lust, Urlaub in Spanien oder Griechenland zu machen, aber das große Problem ist die An- und Abreise", meint Stender. Denn viele ihrer Kunden würde es abschrecken, in den Flughäfen, während des Fluges und dann noch beim Bustransfer einen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. Deshalb habe sie versucht, in ihrem Schaufenster vermehrt mit Deutschlandangeboten zu werben. "Aber es ist leider so, dass die Kunden für eine Reise innerhalb Deutschlands kein Reisebüro aufsuchen, sondern diese direkt buchen." Dabei gibt sie zu bedenken, dass in diesem Sommer die Strände an Nord- und Ostsee noch voller sein werden als in den vergangenen Jahren. "Da wird es vergleichsweise an den spanischen, griechischen oder türkischen Stränden entspannt zugehen." Neben der strapaziösen Maskenpflicht bei der An- und Abreise fehlt zudem vielen Deutschen durch Kurzarbeit einfach das Geld, um in den Urlaub zu fliegen, nennt Martina Stender einen weiteren Grund, der den Deutschen die Urlaubslaune in diesem Sommer verhagelt hat.

Golfreisen werden nachgefragt

Ähnliche Erfahrungen teilt Claudia El Zorkany, Inhaberin von Reisen & Speisen in Winsen: "Ein Teil der Urlauber ist verunsichert, Neubuchungen sind eher sehr verhalten. Der andere Teil möchte gerne reisen, wird aber ausgebremst durch Einreiseverbote, fehlende Flugverbindungen oder die pauschale globale Reisewarnung bis 31. August." Ein kleiner Trost sei, dass ihre geplante Kundenreise für September nach Griechenland sehr gut gebucht sei und (Stand heute) auch stattfinden kann. Nachfragen und die ein oder andere Buchung für die Monate Oktober/November gäbe es im Segment Golfreisen, dies sei aber nicht vergleichbar mit dem Vorjahresniveau. Obwohl die Buchungsbedingungen angepasst wurden, wie kostenlose Stornierung bis zu einem bestimmten Datum vor der Reise und Anzahlung erst, wenn gesichert feststeht, dass im Zielgebiet keine Reiseeinschränkungen bestehen. "Wir würden außerdem gerne die Zeit nutzen, um das Reisejahr 2021 zu planen", erläutert Claudia El Zorkany weiter, "aber auch das ist im Moment nicht so einfach, da wir nicht wissen, welche Flugverbindungen bestehen bleiben." Und zu guter Letzt könne sie aufgrund der Corona-Beschränkungen auch keine Info-Abende über Urlaubsdestinationen anbieten.

Flusskreuzfahrten nach wie vor sehr beliebt

Ganz anders sieht es bei den Leserreisen vom WOCHENBLATT aus. Astrid Godbersen von Presse Reisen Nord GmbH & Co. KG kann nur von positiven Kundengesprächen berichten. "Unsere Kunden freuen sich auf ihre Reisen." Gerade sind die Flusskreuzfahrten wieder gestartet und das bisherige Feedback der Gäste sei sehr positiv. "Die Veranstalter bemühen sich, den Kunden ein möglichst unbeschwertes Urlaubserlebnis zu ermöglichen." Außerdem spüre man, dass die Leute endlich wieder verreisen wollen. "Viele fragen schon nach, wann die ersten Kreuzfahrten wieder starten."

Natürlich seien insbesondere Reisen innerhalb Deutschlands zurzeit sehr beliebt, aber auch Donaurundfahrten würden sich großer Beliebtheit erfreuen. "Aufgrund von Reisewarnungen und Hygienevorschriften besteht ein erhöhter Beratungsbedarf, doch die Lust der Gäste zu verreisen, ist deutlich spürbar."

Auch Busreisen starten wieder durch

Nicht nur Reisen ins europäische Ausland sind wieder erlaubt, sondern auch Busreisen. Obwohl die Bürger noch verhalten reagieren, ist Bärbel Reese-Marks, Geschäftsführerin von Reese Busreisen, froh, dass es nach monatelangem Stillstand nun wenigstens wieder losgeht. "Natürlich reagiert jeder anders. Wir haben Kunden, die sehr verhalten und vorsichtig sind, andere wiederum können es kaum erwarten, dass es endlich in den Urlaub geht." Und obwohl die ersten Buchungen eintrudeln, sei man noch lange nicht auf dem Stand vor Corona.

Zugute kommt dem Busreiseunternehmen, dass sie im Hochsommer traditionell auf Urlaube innerhalb Deutschlands gesetzt haben und Länder wie Spanien oder Portugal gar nicht anfahren.

Reese-Marks versucht in der ganzen Situation das Positive zu sehen. So seien die Reisebusse nur zur Hälfte gefüllt, dadurch sei ein angenehmes Reisen möglich und die Gruppe würde viel schneller zusammenwachsen. Zudem würden sich die familiengeführten Hotels, das Servicepersonal sowie die Busfahrer riesig freuen, dass es endlich losgeht. "So gut wie jetzt, werden die Kunden es wohl so schnell nicht wieder haben. Daher kann ich nur jedem empfehlen, jetzt zu verreisen", meint Bärbel Reese-Marks.

Autor:

Mareike Kerouche aus Stade

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