Befragung von Unternehmen zeigt negativen Trend
Die Konjunktur schwächt sich jetzt spürbar ab

Die Kurve in Sachen Konjunktur zeigt nach unten
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tk. Stade. Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich: Eine spürbare Abschwächung der Konjunktur ist kein Gespenst, das noch vertrieben werden kann, sondern eine mit Fakten belegbare Tatsache. Bei der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Stade unter Betrieben im Elbe-Weser-Raum geht jedes dritte Unternehmen von einem eher ungünstigen Geschäftsverlauf für das kommende Jahr aus. "Die Situation wird jetzt schon von vielen Firmen schlechter bewertet als vor einem Jahr", erklärt Henrik Gerken, Referent für Volkswirtschaft der IHK Stade. "Wir haben zehn Jahre Aufschwung hinter uns", so der Experte. Das sei erwartungsgemäß kein Dauerzustand. So eingetrübt sei die Erwartungshaltung zuletzt vor zehn Jahren gewesen, so Gerken.

Das Klima hat sich binnen eines Jahres messbar negativ verändert: Im Herbst 2018 sind 36 Prozent der befragten Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf für die kommenden zwölf Monate ausgegangen, jetzt sind es nur noch 27 Prozent. "Diese Entwicklung lässt sich auch in den Büchern ablesen", sagt Gerken. Investitionen werden beispielsweise zurückgestellt. "Die Unternehmen agieren vorsichtiger." Was zur Folge habe, dass aufgeschobene Investitionen auch diejenigen treffen, die die Investitionsgüter produzieren. 
Hauptgründe für die sich abschwächende  Konjunktur liegen nach Ansicht der Akteure in der Wirtschaft in der Unsicherheit, die international herrsche. Allem voran die Probleme rund um den ungelösten Brexit und die Folgen des Handelsstreits um Zölle und Einfuhren.

Wobei Henrik Gerken vor zu viel Schwarzmalerei warnt. "Noch haben wir ein Wirtschaftswachstum." In der aktuellen Konjunkturprognose für 2020 geht die Bundesregierung von einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von einem Prozent aus. Im Vergleich zu 2,5 bis 3 Prozent aus den Vorjahren sei das natürlich sehr niedrig, so der Volkswirt der IHK. So wie das Bundeswirtschaftsministerium sieht auch die IHK  die nach wie vor starke Inlandsnachfrage als "Stütze der Konjunktur", so Gerken.

Worauf Verbraucher nicht setzen sollten: Dass ein Rückgang des Wirtschaftswachstums jetzt dazu führt, dass Handwerksbetriebe in der Baubranche wieder freie Kapazitäten für neue Aufträge haben. "Dort brummt es nach wie vor", erklärt der IHK-Experte. Viele Unternehmen seien noch dabei, ihren Auftragsstau abzuarbeiten. 

"Zwar bewertet die regionale Wirtschaft trotz internationaler Handelskonflikte ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin positiv, doch der Abschwung der Industrie greift allmählich auf andere Branchen über", analysiert IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Vor allem die Treiber der Konjunktur, Konsum und Dienstleistungen, begännen zu schwächeln. Im dritten Quartal gab der Konjunkturklimaindikator z. B. bei der Industrie um neun Punkte auf 87 Zähler nach. Beim Einzelhandel fiel der Index um 13 auf 95 Punkte, bei Dienstleistungen um 17 auf 115 Zähler.

Hauptgründe für die sich abschwächende Konjunktur liegen nach Ansicht der Akteure in der Wirtschaft in der Unsicherheit, die international herrsche. Allem voran die Probleme rund um den ungelösten Brexit und die Folgen des Handelsstreits um Zölle und Einfuhren.

Klassische Konjunkturprogramme könnten laut Michael Zeinert, Hauptgeschäfsfürher der IHK Lünebnurg-Wolfsburg, angesichts eines hohen Beschäftigungsstands und niedriger Zinsen nur einen geringen Beitrag zur Belebung der Konjunktur leisten: "Jetzt gilt es, dass die Politik strukturelle Hemmnisse zügig aus dem Weg räumt." Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte müssten z. B. schlanker und schneller werden. Das Beispiel Dänemark habe gezeigt, wie es auch in Deutschland funktionieren könne. (tk). Neben internationalen Problemen wie Brexit und Zollstreit nennen viele Unternehmen den Fachkräftemangel als Grund für schlechte Konjunkturprognosen. Vier von zehn Betrieben haben Probleme bei der Fachkräftesuche. Den Brexit kann ein Mittelständler im Elbe-Weser-Raum nicht entschärfen, die Suche nach Personal aber intensivieren. Dennoch wird der Fachkräftemangel seit mehreren Jahren als zentrales Problem genannt. Tun die Firmen zu wenig?

IHK-Volkswirt Henrik Gerken räumt ein, dass es noch deutlich Luft nach oben gebe. An der Tatsache, dass die Babyboomer allmählich in Rente gehen und von unten weniger Menschen nachkommen, lasse sich aber nicht rütteln. Heute sei es daher wichtiger denn je, zu schauen, wie ein Unternehmen aufgestellt sei, wie es öffentlich wahrgenommen werde und was einem neuen Mitarbeiter oder Azubi geboten werden könne. Etwa ein betriebseigenes Gesundheitsmanagement. "Jedes Unternehmen muss sich fragen, welche Vorzüge es bieten kann", so Gerken. Und das müsse gezielt und auf den richtigen Kanälen - auch in den sozialen Medien - kommuniziert werden.

Autor:

Tom Kreib

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