Jahresrückblick 2020 der Agentur für Arbeit Stade - zukünftige Entwicklung noch ungewiss
Kurzarbeit als Rettungsanker gegen Arbeitslosigkeit

Leere Verkaufsräume: Die Angestellten im Einzelhandel sind von Kurzarbeit besonders betroffen
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sla. Stade. "In den letzten Jahren hatten wir immer erfreuliche Bilanzen. Die Prognosen waren sehr gut - bis März 2020, da hat sich durch Corona alles geändert", sagt Dagmar Froelich, Vorsitzende Geschäftsführerin der Arbeitsagentur im Bezirk Stade mit den drei Landkreisen Stade, Cuxhaven und Rotenburg.
Seit 18. März 2020 sind die Jobcenter geschlossen und lediglich online oder telefonisch zu den Service-Zeiten ab 8 Uhr erreichbar. Seit Oktober ist zudem die Videoberatung möglich und es wurden Notfallschalter für persönliche Gespräche nach Terminvereinbarung eingerichtet. "Etliche Vermittler und Berater wurden kurzerhand auf Sachbearbeiter für Kurzarbeitergeld umgeschult", sagt Froelich. Die Kurzarbeit bewahrte viele vor der Arbeitslosigkeit. 50.000 Personen im Agenturbezirk waren im April 2020 in Kurzarbeit - "ein historischer Höchststand", so Froelich. Davon kamen rund zehn Prozent aus dem Bereich Einzelhandel (ohne Lebensmittel), 9,3 Prozent aus der Gastronomie, 6,1 Prozent aus der Kfz-Branche, 5,9 Prozent aus dem Großhandel und 5,8 Prozent aus dem Gesundheitswesen. Rund 30 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren von Kurzarbeit betroffen - im Handel sogar jeder fünfte Mitarbeiter. "Erstmals waren auch kleine und mittelständische Betriebe dabei, die bisher noch nie Kurzarbeit anmelden mussten", so Froelich.
Dennoch stieg auch die Zahl der Arbeitslosen: Im Jahresdurchschnitt waren 16.464 Personen im Bezirk arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2019: 14.317 Personen). Die Arbeitslosenquote stieg im Landkreis Stade mit 6.687 arbeitslos gemeldeten Personen auf 5,9 Prozent, (Vorjahr 5 Prozent). Allein im Dezember waren beim Jobcenter Stade 3.899 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 297 Menschen (+ 8,2 Prozent) mehr als im Vorjahr. Bei allen Personengruppen sind insbesondere Jugendliche unter 25 Jahren und ausländische Kräfte besonders stark betroffen.
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen lag unter dem Niveau des Vorjahres. Seit Oktober 2019 wurden 3.496 Stellen von Unternehmen im Bezirk angegeben, 146 Stellen (4 Prozent) weniger als im Vorjahr.
Aber auch die Zahl der gemeldeten Bewerber nahm weiter ab. Rund 3.000 Jugendliche nutzten die Berufsberatung bei der Suche nach einer Ausbildung. Das waren 200 Personen (6,2 Prozent) weniger als im Berufsberatungsjahr 2018/2019.
Der Verlauf der Arbeitskräftenachfrage im zurückliegenden Jahr zeigt, dass sich der Stellenzugang nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie bis zur Jahresmitte wieder bis fast auf das Vorjahresniveau erholt hatte. Nach dem zweiten Lockdown ab November war dieser aber erneut rückläufig. Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Stade wurden 2020 deutlich weniger Arbeitsstellen als im Vorjahr gemeldet (- 28,4 Prozent). Insgesamt wurden von Unternehmen 8.599 freie Jobs angegeben, in 2019 waren es noch 12.017.
Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hänge wesentlich davon ab, welche Maßnahmen mit welcher Dauer zur Pandemie-Bekämpfung noch ergriffen werden müssen und wie lange die Unternehmen, mit Kurzarbeit und staatlichen Hilfen, die Zeit der Pandemie überbrücken können, sagt die Chefin der Arbeitsagentur im Bezirk Stade. "Bisher konnte der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit weitestgehend stabilisiert werden. Positiv ist auch, dass sich die Arbeitskräftenachfrage ab dem Sommer wieder erholt hat.
Unklar ist in diesem Jahr, ob uns bei den Unternehmen eine größere Insolvenzwelle erwartet. Ein großer Unsicherheitsfaktor ist darüber hinaus die Entwicklung in der Luftfahrtindustrie."
Dr. Anja Wode, die neue Geschäftsführerin des Jobcenters in Stade, verwies zudem auf die neuen digitalen Angebote des Jobcenters, um Menschen bei Jobsuche und staatlichen Hilfen zu unterstützen. Über die eigene Sonder-Hotline wurden bislang 14.500 telefonische Beratungen durchgeführt. 11.000 Euro stünden für Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung. Doch die unklare Marktsituation könne zu einem deutlichen Anstieg der Kunden führen.

Autor:

Susanne Laudien aus Buxtehude

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