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Chemikalien sind im Stader Freibad tabu

Betriebsleiter Jürgen Bußmann und Schwimmmeisterin Rachel Milojevic verzichten bei der Unkrautbekämpfung weitgehend auf den Einsatz des Gasbrenners wie in dieser Fotomontage Fotos: tp/Montage:MSR

Unkraut wuchert: Betriebsleiter beklagt teure Extra-Arbeit in Bädern wegen strenger Verordnung

tp. Stade. Ob im Freibad am Solemio in Stade oder im Heidebad in Buxtehude - die Mitarbeiter haben im Sommer nicht nur mit der Badeaufsicht alle Hände voll zu tun, auch bei der Pflege der Außenanlagen heißt es täglich "anpacken": Denn zwischen den Fugen wuchert das Unkraut und Badegäste fordern zu Recht Gestrüpp-freie Gehwege. Doch angesichts immer strenger werdender Auflagen ist die Arbeit zunehmend mühsam und zeitwaufwändig. Pflanzenvernichtungsmittel sind in den öffentlichen Anlagen verboten. Und: Wegen der anhaltenden Trockenheit greifen die Mitarbeiter nur noch zögerlich zum Gasbrenner.

Im Freibad des Solemio in Stade ist montagsvormittags Putztag: Schwimmmeister-Azubi Mohammad Javad Alamdari (28) befreit Fußwege und Beckenrinnen hauptsächlich per Wasserstrahl mit dem Hochdruckreiniger von Grünbewuchs. Wegen der Brandgefahr auf den durch die Sommerhitze ausgedörrten Rasenflächen der angrenzenden Liegewiesen bleibt derzeit der Gasbrenner meiistens im Geräteschuppen stehen. Chemische Unkrautvernichtungsmittel wurden von den Behörden verboten.

Hintergrund ist die laut Betriebsleiter Jürgen Bußmann (52) die immer strenger werdende Niedersächsische Pflanzenschutzverordnung, die "chemische Keulen" gegen Unkraut wie Glyphosat und Vorox als schnell und dauerhaft wirksame Waffen gegen Disteln, Brennnesseln, Algen, Löwenzahn, Moos und Co. untersagt. Bußmann, der mit seinem Stellvertreter kürzlich eine Fortbildung mit Sachkunde-Nachweis im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln absolvierte, stellte zwischenzeitlich einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung. Doch das Land lehnte ab.

So bleibt derzeit kaum ein anderer Weg als die zeit- und personalintensive manuelle Pflege und der Einsatz des Hochdruckreinigers auf den gepflasterten und bebauten Bereichen des Bades, die im Amtsdeutsch "Nicht-Kulturland" heißen.

Bußmann spricht von einem "spürbaren wirtschaftlichen Schaden". Knapp 40.000 Euro kostet im Stader Freibad der Anti-Unkraut-Einsatz durch eine Fachfirma während der Sommersaison. Noch löst Bußmann das Problem mit Bordmitteln und setzt eigenes Personal ein, so dass sich die Kosten auf "nur" rund 10.000 Euro belaufen.