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Einmal schwimmend die Elbe überqueren

Es geht los: Absprung in die Elbe in Stadersand
 
Auf dem Weg von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein

WOCHENBLATT-Redakteurin ist mit der DLRG von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein unterwegs

ab. Stade.
Von "wahnsinnig" über "lebensmüde" bis zu "total bescheuert" höre ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping, alle möglichen Kommentare - aber mein Entschluss steht fest: Am Samstagnachmittag werde ich mit der DLRG Stade ins Wasser gehen und vom Stadersand schwimmend die Elbe überqueren. Durch internationales Gewässer. Ziel ist Drommel, eine kleine schleswig-holsteinische Insel, die rund 1,2 Kilometer entfernt aus dem Fluss hinausragt.

Allerdings wird die Strecke durch die verschiedenen Strömungen, die einen vom direkten Weg manchmal abbringen, etwas länger. "Ungefähr 1,5 Kilometer lang", schätzt Nico Ahrens. Er gehört zum DLRG-Vorstand in Stade, ist Leiter der Ausbildung und Rettungstaucher. Nico Ahrens trägt bei dieser Veranstaltung die Verantwortung und nimmt selbst zum vierten Mal daran teil. Das Elbeschwimmen ist das Pendant zum Winter-Fackelschwimmen und wurde zum ersten Mal in den 1980er-Jahren angeboten, erzählt er.
Das Durchschwimmen der Elbe werde, da es nicht erlaubt ist, nur von den Rettungsschwimmern angeboten und dürfe einmal pro Jahr durchgeführt werden. Dabei gilt, einiges zu beachten, beispielsweise die Tide. Und: "Wir müssen wegen des Schiffsverkehrs in einer bestimmten Zeit, und zwar zwischen 15.15 Uhr und 15.45 Uhr, ins Wasser gehen und anschließend zügig die Fahrrinne passieren", sagt Nico Ahrens. Erst würden die Schwimmer mit der Strömung nach Cuxhaven getrieben, anschließend aber in die richtige Richtung. Ahrens ordnet an, dass alle unterwegs zusammenbleiben und ein homogenes Feld bilden sollten.

Insgesamt 13 Interessierte sind dabei, außer mir gehören alle der DLRG an. Ich erhalte von meinem möglicherweise zukünftigen Retter Markus Scheliga einen Neoprenanzug. Allein mich in dieses enge Ungetüm hineinzuzwängen, ist für mich schon eine Herausforderung, aber Pflicht. Denn der Anzug gibt Auftrieb und das kann Leben retten.
"Wer fünf Meter unter der Wasseroberfläche verschwindet, ist weg. Durch die Strömung gibt es keine Chance, dann noch jemanden zu finden", erklärt mir Scheliga beim Anziehen. Da ich mich in dem Anzug schon beengt fühle, verzichte ich auf die Flossen. Ein Fehler, wie sich unterwegs herausstellt. Fast jeder trägt sie und wird damit um einiges schneller sein als ich. 

Dann heißt es: ans Hafenbecken stellen und in einer Reihe ins Wasser springen. Tatsächlich gehe ich kaum unter, sondern werde durch das Neopren sofort wieder nach oben getragen. Kurioserweise saugt der Anzug sich mit Wasser voll und hängt an mir wie Blei - trotzdem verleiht er mir Auftrieb. 

Los geht's. Begleitet werden wir von zwei DLRG-Booten, die immer in unserer Nähe bleiben. Vier der DLRG-Schwimmer sind mit Gurtrettern, einem Seil mit einem bojeähnlichen Klotz, ausgestattet. Hin und wieder bittet mich Nico, dass ich mich ein Stück ziehen lasse, damit wir schneller durch das Fahrwasser kommen. Stadersand wird immer kleiner - Drommel scheint vorerst nicht näherzurücken. 

Der Anzug behindert mich beim Schwimmen, wenigstens die Jacke darf ich ausziehen. Am besten gelingt mir das Vorwärtskommen auf dem Rücken liegend mit kräftiger Beinarbeit. Es ist schön, in den Himmel zu schauen und die ziehenden Wolken zu beobachten. Aber "Gasgeben" ist angesagt. Die Lebensretter sind fit und trainiert und ich ich habe den Ehrgeiz, auch ohne Flossen gut mitzuhalten. 

Immer wieder fragen sich die Mitglieder gegenseitig, ob alles in Ordnung ist. Eine gute Methode, um den Zustand der Schwimmer zu überprüfen. Des Öfteren werden wir gezählt, "es ist niemand dazugekommen", scherzt Markus Scheliga. 

Es ist enorm kräftezehrend, die Strömung ist zu spüren und fordert noch mehr Kraft. Manchmal habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu schwimmen, so sehr zieht der Strom an mir. Nach gefühlt 100.000 Schwimmbewegungen erreichen die ersten Drommel. Auch ich habe kurz darauf wieder festen Boden unter den Füßen. Und ich bin unendlich stolz, durchgehalten und das Ufer erreicht zu haben - ohne mich zwischendurch "retten lassen" zu müssen. Begrüßt werden wir von "Neptun" alias DLRG-Mitglied Jonas Lobitz. Und der hält eine kleine Überraschung bereit: Jeder Ankommende darf einen Elbaquavit zu sich nehmen, der nach dieser Leistung sofort Wirkung zeigt.

Stolz erklimme ich Drommel für ein "Beweisfoto". 40 Minuten haben wir gebraucht. Zurück geht es mit dem Boot, wofür ich sehr dankbar bin. Fazit: Mein Respekt vor freien Gewässern ist stark gestiegen. Gerade die Elbe, an der sich in diesem Sommer schon tragische Badeunfälle ereignet haben, sollte niemand unterschätzen. Von der Idee, einfach mal eine Runde dort baden zu gehen, rate ich dringend ab. Bei der Elbüberquerung im nächsten Jahr mache ich gerne wieder mit - im Neoprenanzug und mit Flossen.