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Hier wird an der Uhr gedreht

Echte Handarbeit: Harry Thiel gehört zum Team von "Uhraufziehern" in der Estebrügger Kirche. Die drei Uhren stechen auffällig aus dem Turm hervor(kl. Bild) Fotos: lt

Zeitumstellung am Wochenende / An der Altländer St. Martini Kirche ist das noch echte Handarbeit

lt. Estebrügge. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es wieder soweit: Die Uhren in weiten Teilen Europas werden um eine Stunde auf Winterzeit zurückgestellt. Doch während sich die meisten Uhren inzwischen ganz automatisch umstellen, ist es bei einigen Kirchturmuhren in der Region etwas komplizierter.
Zum Beispiel bei der zwischen 1700 und 1702 erbauten St. Martini Kirche in Estebrügge im Alten Land. Ein komplexer Mechanismus aus Zahnrädern, Spulen, Hebeln und Gewichten hält die insgesamt drei auffällig herausstehenden Kirchturmuhren am Laufen.
Einmal in der Woche muss die Uhr, die 1910 zuletzt erneuert wurde, von Hand aufgezogen werden. Rund 20 Minuten dauert das und Harry Thiel kommt dabei ganz schön ins Schwitzen. Der Rentner gehört zum Team der Gärtnerei von Jan Piepenbrink und wechselt sich beim Aufziehen mit seinen Kollegen ab.
Um die Uhr zurück zu stellen, muss das große Uhrenpendel für eine Stunde angehalten werden, erklärt Piepenbrink. Für gewöhnlich werde das bereits am Samstagabend gemacht, in Estebrügge ist man der Zeit also sozusagen ein paar Stunden voraus.
Etwas komplizierter sei dagegen das Vorstellen der Uhr auf die Sommerzeit. Der Vorgang könne bis zu einer halben Stunde dauern, so Piepenbrink. Eine Abschaffung der Zeitumstellung wäre für ihn also ein echter Zeitgewinn.
Übrigens: Der Kirchturm in Estebrügge ist einmalig in der Region. Er besteht nicht nur komplett aus Holz, der mit rund 8.000 Schindeln gedeckte Turm hat sich im Laufe der Jahre durch das Setzen des Gebäudes auf dem weichen Marschland gedreht und hebt sich durch diese besondere Optik von anderen Kirchtürmen ab. Eine Kirchturmuhr mit Zeigerwerk gab es in Estebrügge bereits ab 1582. Die erste Kirche lässt sich mit Sicherheit schon 1221 in Estebrügge nachwei­sen. (lt). Über Sinn und Zweck der Zeitumstellung wird seit Jahren diskutiert. In einer Online-Umfrage hatte sich zuletzt die überwältigende Mehrheit der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung ausgesprochen. Ob die EU-Kommission die daraufhin angekündigte Abschaffung der Zeitumstellung bereits im kommenden Jahr umsetzen kann, ist fraglich. Einige Länder favorisieren eine dauerhafte Winter- andere eine dauerhafte Sommerzeit, wieder andere wollen gar keine Abschaffung der Zeitumstellung. Nur für die Deutschen scheint der Fall klar zu sein. Laut einer Forsa-Umfrage wollen 80 Prozent die Zeitumstellung abschaffen. Die Mehrheit favorisiert eine dauerhafte Sommerzeit. Zeitumstellung großes Thema in der EU