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Ignoranz im Straßenverkehr

Wurde nach einem Unfall von Verkehrsteilnehmern ignoriert: Dörte Delventhal Foto: tp

Behinderte Frau aus Stade stürzte auf Straße und verletzte sich schwer: Passanten schauten einfach weg

tp. Stade. Kritik an mangelnder Hilfsbereitschaft einiger Verkehrsteilnehmer übt Dörte Delventhal (53) aus Stade. Nachdem sie bei einem Sturz auf die Straße schwer verletzt und hilflos am Boden lag, sei sie von Passanten einfach ignoriert worden.

Am Freitagmittag vergangener Woche parkte die unter Multipler Sklerose leidende Frührentnerin ihren Pkw in einer Nebenstraße der Harsefelder Straße. Beim Aussteigen stolperte die Gehbehinderte über eine Bodenunebenheit und zog sich dabei Gesichts- und Augenverletzungen sowie Knochenbrüche an der Augenhöhle zu. "Ich stand unter Schock und konnte mich aus eigener Kraft nicht aufrichten", berichtet das Unfallopfer, das minutenlang zwischen parkenden Autos lag.

Ihr Kopf ragte auf die Fahrbahn der Einbahnstraße, sodass sie für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar war: "Doch zwei Autos fuhren einfach an mir vorbei", sagt Dörte Delventhal. "Was geht in solchen Menschen vor? Haben sie keine Zeit oder keine Lust zu helfen? Scheuen sie die Umstände einer Unfallaufnahme durch die Polizei?", fragt sie mit Unverständnis über die Ignoranz, die ihr in der Notsituation zuteil wurde. Sie selbst habe - trotz ihrer Behinderung - schon einmal einer alten Dame geholfen, nachdem diese mit dem Fahrrad gestürzt war.

Bei ihrem eigenen Unfall bekam Dörte Delventhal erst nach einigen Minuten Unterstützung von einem Ehepaar, das mit seinem Wagen die Unfallstelle passierte. Die Frau, die wegen einer Fußverletzung selbst auf Gehhilfen angewiesen war, habe sie auf eine Wolldecke gebettet. Die Eheleute holten weitere Hilfe aus einem nahe gelegenen Supermarkt und verständigten den Rettungswagen. Dörte Delventhal verbrachte drei Tage im Krankenhaus, eine OP steht noch an. 

Nach den Erlebnissen zieht Dörte Delventhal eine gemischtes Fazit: Zum Glück gebe es noch Menschen, die andere im Notfall selbstlos unterstützen. "Doch einigen ist leider die Hilfsbereitschaft abhanden gekommen."