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Kehdinger Weltenbummler in Afrika : "Alle winken, lachen und tanzen"

Afrikanische Lebensfreude: Lisa trommelt für die Kinder in Gambia (Foto: Lost Track)
 
Auszeit Ben Aisha, Mauretanien: Timo und Lisa relaxen in der Hängematte (Foto: Lost Track)

Timo und Lisa erlebten Abenteuerliches in Mauretanien / Jetzt geht es an die wunderbare Elfenbeinküste

tp. Wischhafen. Für ein freies Leben fast ohne Regeln hat sich der weite Weg gelohnt: Ein Jahr nach dem Aufbruch vom beschaulichen Wischhafen in Richtung Afrika sind Timo Umland (33) und Lisa Fischbach (36) im Senegal angekommen. Exklusiv im WOCHENBLATT zieht das sympathisch-verrückte Aussteiger-Pärchen vorläufige Bilanz seiner einmaligen Reise ohne festes Ziel und ohne geplante Wiederkehr unter dem Titel "Lost Track".

"Es hat eine Weile gedauert, bis wir unseren Heimatkontinent verlassen haben. Ein halbes Jahr lang haben wir die unbeschwerten Reisebedingungen in Europa genossen. Mancherorts gab es recht viele Bestimmungen, was die Freiheit des Reisens ein wenig eingeschränkt hat", sagen Timo und Lisa aus Kehdingen, die in einem zum Camper umgebauten Geländewagen leben.

"Marokko bot dann den einfachen Einstieg für Afrika-Anfänger. Gratis-Visum für drei Monate und die Zollpapiere für das Auto waren schnell erledigte Formalitäten direkt an der Grenze", so die Weltenbummler.

Mit dem Grenzübertritt nach Mauretanien war das unbeschwerte Reisen vorbei. Das Sahara-Klima war deutlich extremer als in Marokko." Bei mehr als 50 Grad tagsüber und immer noch 40 Grad in der Nacht verbrachten wir knapp eine Woche in der Wüste und besuchten Ben Amera und Ben Aisha, zwei der größten Felsen der Welt." Als sich Probleme mit dem Vierradantrieb auftaten, fuhren wir eine kleine Wüstenstadt namens Atar an. Diese hätten wir besser links liegen lassen sollen, denn ein paar Tage später verließen wir Atar frustriert, betrogen und mit noch mehr Problemen am Auto fluchtartig."

In der Hauptstadt Mauretaniens, Nouakchott, suchten sich die Abenteurer das erste Mal auf der Reise einen sicheren Campingplatz, um das Auto in Eigenregie zu reparieren und sich auf die nächste Herausforderung vorzubereiten - die senegalesische Grenze. "Sie ist eine der korruptesten Grenzen Afrikas", sind Lisa und Timo überzeugt. Während dieser Zeit wurden beide krank, litten unter Fieber, Schüttelfrost und Durchfall. Wegen der Fahrzeugeinfuhr hatten die Extrem-Reisenden zudem reichlich Stress mit dem Zollamt in der senegalesischen Hauptstadt Dakar: "Man nahm uns die Fahrzeugpapiere ab und drohte damit, Lisa in Handschellen abzuführen, nachdem sie ein Foto gemacht hatte. Am Ende waren wir froh, dass wir nur 175 Euro für das Fahrzeug zahlen mussten", sagt Timo.

Es war Zeit für eine Auszeit an einer Lagune: "Die Landschaft war grün, die Wüsteneinöde war passé, die Menschen unglaublich freundlich und die Kinder umringten uns freudestrahlend. Wir nutzten die Chance, uns auszukurieren", so Lisa.
In Begleitung von Reisebekanntschaften mit zwei weiteren Autos führte die Tour über Gambia, dem "coolsten Land in Schwarzafrika", das verdienter Weise den Beinamen „The smiling coast“ trage: "Alle winken, lachen und tanzen, und man wird permanent von dem niedlichen Singsang 'Tubab, Tubab!' (weißer Mann) der Kinder begleitet", ist Lisa begeistert.

Im Vergleich zu Europa sei Afrika das "Schlagfertigkeitstraining deluxe", man wisse nie genau was passiere, egal wie gut man vorbereitet sei. "Der Ausbruch aus der Komfortzone", so Timo, "sorgt für Aufregungen und einen schnellen Puls, denn einen Tag erscheint alles schrecklich und anstrengend, doch am nächsten Tag kann wieder alles wunderschön und entspannt sein. Extreme sind an der Tagesordnung und einen Mittelweg gibt es nur selten. Afrika ist ungezähmt!"

Allmählich geht das Reisebudget zur Neige. "Doch einen Job hier in Westafrika zu finden, ist aufgrund der Kürze der Visa und der Bedingungen in den Ländern eher unmöglich. Spätestens wenn wir in Südafrika angekommen sind, ist es an der Zeit, die Reisekasse aufzufüllen und zu arbeiten", sagen Timo, IT-Systemelektroniker, und Lisa, Bild-Redakteurin.

Persönliche Freiräume gebe es zur Zeit nur wenige: Für Yoga, Surfen oder Baden sei kaum Zeit, oder die Bedingungen wegen hoher Temperaturen, Krokodilen oder mangels Interneverbindung nicht gegeben, bedauern Timo und Lisa. Hin und wieder nette Reisepartner zu haben, bereichere das Leben in der Fremde. Auch würden "tolle Freundschaften" entstehen. "Wir genießen aber auch die Zweisamkeit", betonen Timo und lIsa, die ja nur zum Fahren, Kochen oder Schlafen in ihren Landcruiser steigen. "Eine Rückkehr nach Deutschland ist aktuell nicht geplant", sagen sie. Nächstes Etappenziel ist die Elfenbeinküste, wo beide Anfang September Timos 34. Geburtstag feiern wollen.

Das WOCHENBLATT wird weiter berichten.

http://www.lost-track.net