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Keime im Trinkwasser: Verunsicherung in Stade-Ottenbeck

Verbraucher reagieren sensibel auf Verunreinigungen im Trinkwasser

Anwohner fühlt sich schlecht informiert / Stadtwerke wollen nachbessern


tp. Stade. Janko Dölitsch (41) aus Stade-Ottenbeck ist sauer: Nachdem am Donnerstag, 14. Juni, bei routinemäßigen Proben im Trinkwasser Spuren von potenziell gesundheitsgefährdenden coliformen Keimen (siehe Info unten) gefunden wurden und die Leitungen in einigen Straßen zur Reinigung gespült werden mussten, fühlt sich der Vater einer sechsköpfigen Familie von den verantwortlichen Stadtwerken nur unzureichend informiert.

"Aufgrund der vielfachen Gerüchte" um die gefundenen Keime und dem Wassermangel in Stade-Süd und Ottenbeck setzte sich Dölitsch am Dienstag, 19. Juni, mit den Stadtwerken in Verbindnung, wo man ihm am Telefon die Keimbelastung bestätigte. Laut Stadtwerke wurden von Donnerstag bis Samstag vergangener Woche lediglich die Haushalte per Handzettel informiert, die von der Verkeimung im Trinkwasser direkt betroffen waren und für die das Gesundheitsamt ein Abkocherlass für das Trinkwasser erteilte. Umliegende Straßenzüge, in denen ebenfalls Verunsicherug geherrscht habe, hätten keine Informationen bekommen, bemängelt Dölitsch.

"Auch auf der Homepage der Stadtwerke war darüber zunächst nichts zu lesen", kritsiert Dölitsch die aus seiner Warte schlechte Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke, die in einem ersten Schritt nur die kostenpflichtige Tageszeitung anhand einer Pressemitteilung informierte. Das WOCHENBLATT, das seine Leser in seiner Online-Ausgabe kostenlos und schnell informieren kann, erhielt diese Mitteilung leider nicht. Umfassende Infos zur Keimbelastung stehen erst seit Dienstagabend auf http://www.stadtwerke-stade.de

Aus Dölitschs Sicht blieben die Anwohner zu lange im Unklaren über die möglichen gesundheitlichen Folgen der Verunreinigung. Auch habe es Unklarheit darüber gegeben, ob technische Geräte im Haushalt wie Wasch- und Spülmaschinen wegen des niedrigen Wasserdrucks, der während der Leitungsspülungen herrschte, Schaden nehmen könnten.

"Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine 'moderne' Hansestadt, wie Stade es gerne sein möchte, nicht in der Lage ist, bei den stadteigenen Betrieben dafür zu sorgen, dass es einen Info-Account in den sozialen Medien (Facebook, Twitter und Co.) gibt."
Stadtwerke-Chef Christoph Born erklärt: "Gemäß den gesetzlichen Vorgaben wurde das Gesundheitsamt als zuständige Aufsichtsbehörde umgehend informiert. Daraufhin wurden vorsorglich weitere Beprobungen im Nahgebiet sowie unmittelbar das Abkochgebot für die betroffenen Haushalte angeordnet."

Unterdessen wurde die Spülung der Leitung abgeschlossen. Die Auswertung der Proben dauert an. Bis auf Weiteres sind die Haushalte angehalten, Trinkwasser abzukochen. Bei Entwarnung informieren die Stadtwerke die betroffenen Haushalte schriftlich und jedermann online. Technische Geräte können bedenkenlos benutzt werden.
Für die Zukunft denkt man im Unternehmen übrigens über die verstärkte Verwendung moderner Medien nach, hieß es.


Coliforme Keime

Coliforme Keime sind Mikroorganismen, die in menschlichen und tierischen Ausscheidungen vorkommen, jedoch auch im Boden und an Pflanzen durch Fäulnisprozesse entstehen und sich vermehren. Im Gegensatz zu den gefährlicheren Kolibakterien E. coli, die im Wasser nur aufgrund von frischen fäkalen Verunreinigungen nachweisbar sind, sind coliforme Keime lediglich ein Hinweis auf eine allgemeine biologische Verunreinigung des Wassers. Coliforme Keime können in hoher Konzentration Durchfall verursachen.