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Randale im Dorf-Fußball auf der Stader Geest: "Schockierende Feindseligkeit"

"Erschüttert": Heinz Stüben, Vorsitzender des Schwinger SC, auf dem Fußballfeld
 
"Gegen Gewalt auf dem Fußballplatz": Vereinsvorsitzender Heinz Stüben im Clubhaus des Schwinger SC

Partie zwischen Schwinge und Wiepenkathen eskalierte / Vereins-Chef ist erschüttert

tp. Schwinge. In der Kreisklasse, der achten deutschen Fußball-Liga, spielen die Kicker des TSV Wiepenkathen II und des Schwinger SC eher im unteren sportlichen Leistungsbereich. Ganz tief ist jetzt das moralische Niveau von Fußballspielern und Fans gesunken: So zumindest urteilen kritische Beobachter der Amateursport-Szene im Kreis Stade, nachdem beim Derby am vergangenen Wochenende Beschimpfungen und Rangeleien zu einer handfesten Prügelei auf dem Schwinger Fußballplatz eskalierten. Drei Beteiligte wurden so schwer verletzt, dass sie ärztlich behandelt werden mussten. Die Polizei schritt ein. Der Vorsitzende des Schwinger SC, Heinz-Stüben (58), gibt sich im WOCHENBLATT-Gespräch "erschüttert über die Vorfälle", die er in seiner jahrzehntelangen Ehrenamts-Karriere im Heimatsport so noch nie erlebt habe. 

Während der Sportwoche im Sommer in Schwinge hätten sich beide Mannschaften einen fairen Wettkampf geliefert. Ebenfalls friedlich - aber mit den für ein Derby zwischen Teams aus Nachbardörfern üblichen Emotionen - sei das Spiel am Sonntag gestartet, sagt Stüben, der selbst seit seinem fünften Lebensjahr Fußball spielt. Der Fliesenleger im Ruhestand sammelte sowohl in Wiepenkathen, seinem Wohnort, als auch in Schwinge langjährige Erfahrungen als Fußball-Coach und trainiert nach eigenem Bekunden nach dem Motto "Fairplay".

In Schwinge kam es anders: Nach der Halbzeit sei die Partie "unruhig" geworden, berichtet Stüben. In der 55. Minute verhängte der Schiri Ferhat Hansu nach verbalen Auseinandersetzungen eine Zwangspause und schickte sämtliche Spieler im Alter von etwa 18 bis 40 Jahren für zehn Minuten in die Kabinen. 

Beim Stand von 2:1 für die Gastgeber brach der Unparteiische die Partie schließlich ganz ab. Aufregung verursachte offenbar ein Eckball für Wiepenkathen. "Da muss was vorgefallen sein, sodass die Zuschauer auf den Platz drängten", sagt Stüben, der das Geschehen aus der Entfernung gemeinsam mit 100 Zuschauern, darunter Familien mit Kindern, vom Spielfeldrand mit ansah. Zum Eckstoß kam es nicht mehr. Denn binnen kurzer Zeit  seien insgesamt 50 bis 60 Fans und Spieler in das Handgemenge verwickelt gewesen, so Stüben. Zeugen alarmierten die Polizei.

Stüben versuchte gemeinsam mit Ordnern, seine Spieler aus dem Handgemenge vor dem Tor zu trennen. "Das gelang uns leider nicht ganz", bedauert der Vereins-Chef. 

Der Torwart habe einen Schlag ins Genick bekommen. Ein Auswechselspieler wurde mit einer Platzwunde über dem Auge ins Krankenhaus gebracht. Ein Mann habe zudem eine Platzwunde an der Oberlippe erlitten. Zudem sei Jagd auf den aus Ghana stammenden Schwinger Spieler Robert Nyagizzi (18) aus Schwinge gemacht worden. Ein privates Handy-Video, das in den sozialen Netzen im Internet erschien, wurde zwischenzeitlich gelöscht. "Wegen polizeilicher Ermittlungen", vermutet Stüben. Die Polizei nahm drei Anzeigen wegen Körperverletzung und eine Anzeige wegen einer Bedrohung auf.

Stüben bedauert die Vorfälle: "Eine schockierende Feindseligkeit, die nicht auf einen Sportplatz gehört." Er könne sich die Ausschreitungen kaum erklären. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund schließt er aus: Beide Mannschaften seien international besetzt. Von den insgesamt 20 Schwinger Spielen seien neun sportlich voll integrierte Einwanderer, die neben Ghana u.a. aus der Türkei und Albanien stammten. Ähnlich multikulturell sei die Elf aus Wiepenkathen zusammengesetzt.

Bei dem entgleisten Fußballspiel sei laut Stüben - zumindest bei den Kickern - auch kein Alkohol im Spiel gewesen.

Stübens Sohn Daniel (29) ist Fußball-Obmann und Betreuer beim TSV Wiepenkathen. Er verurteilt die Geschehnisse ebenfalls.

Die unsportlichen Tumulte in Schwinge kommen nun vor das das Sportgericht des Fußballkreises Stade. Dort wird entschieden, ob das Punktspiel, in dem es um wenig ging, überhaupt gewertet wird. Das Gremium kann Sanktionen wie Geldstrafen und Sperrungen von Spielern aussprechen.