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Totensonntag: An welche Verstorbenen denken die WOCHENBLATT-Redakteure oft zurück?

Für viele Menschen ist der Friedhof ein wichtiger Ort, um sich an Verstorbene zu erinnern und ihnen nahe zu sein Fotos: tp/bo/Schattke/MSR
 
Lena Stehr
(lt). Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag - im November ist traditionell die Zeit zum Innehalten und sich erinnern. So mancher findet vielleicht am Sonntag sogar den Weg auf den Friedhof, um eine Kerze für verstorbene Angehörige anzuzünden und lässt die Toten in Gedanken wieder lebendig werden.
Das WOCHENBLATT hat einige Redakteure gefragt, an wen sie gern und oft zurück denken:
WOCHENBLATT-Redakteurin Lena Stehr: "Ich lebe schon lange nach dem Motto: Memento mori (lat. Bedenke, dass du sterben musst). Schon als Kind war ich oft mit meiner Tante auf dem Friedhof und habe mit meiner Urgroßmutter "gesprochen", die ich nie kennengelernt hatte. Heute nehme ich gern meine Tochter (4) mit und erzähle ihr, wie fröhlich mein Opa immer war oder wie meine Oma mich oft auf dem Fahrradgepäckträger (gepolstert mit einem gelben Sofa-Kissen) mit zum Einkaufen nahm.
Für meine Tochter ist das Thema Sterben gerade sehr interessant und ich habe ihr erklärt, dass die Toten in unseren Herzen weiterleben, wenn wir uns an sie erinnern. Wir sprechen oft über eine im vergangenen Jahr verstorbene Freundin der Familie, von der ich gelernt habe, wie man eine leckere Bolognese kocht. Oder von meinem Großonkel, der mich in seinem kleinen Sportflugzeug mal mit nach Helgoland genommen hat."
WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping: "Ich denke oft an meinen vor vielen Jahren verstorbenen Opa Hans, wenn ich mit meiner Hündin spazieren gehe. Er war ein feiner, stiller und zurückhaltender Mensch, der seine Hündin Dolly sehr geliebt hat. Als Kind bin ich oft mit ihm und Dolly spazieren gegangen und er hat sich immer geduldig meine fantasiereichen Kinderspinnereien angehört."
WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff: "Ich war 13 Jahre alt, als mein Vater unerwartet im Alter von 42 Jahren verstarb. Er wurde auf einem Friedhof nahe unseres Zuhauses beerdigt. Ich kann mich gut daran erinnern, damals mindestens einmal in der Woche zu seinem Grab gefahren zu sein. Mir war es wichtig, mit ihm zu sprechen, ihm nahe zu sein. Gerade wenn es mal nicht so richtig rund lief, ging ich häufiger auf den Friedhof. Natürlich denke ich auch heute noch oft an ihn. Ich finde schade, dass er wichtige Momente meines Lebens nicht miterleben konnte. Traurig macht mich jedoch, dass mein Sohn ihn nicht kennengelernt hat. Ich glaube, mein Vater wäre ein richtig cooler Großvater gewesen."
WOCHENBLATT-Redakteur Mitja Schrader: "Ich muss oft noch an den Tod eines Klassenkameraden denken. Moritz verstarb völlig unerwartet. Einen Tag war er noch da, den anderen blieb sein Platz leer. Wir waren zwar nicht sehr eng befreundet, aber als Jugendlicher so direkt mit dem Tod eines Gleichaltrigen konfrontiert zu werden, darauf war ich nicht gefasst. Was mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben ist und mich heute noch ärgert: Wir waren einige Jahre später in einer Gruppe von ein paar Leuten unterwegs. Irgendjemand machte den Vorschlag Moritz' Grab zu besuchen. Wir gingen zum Friedhof und standen kurz am Grab, wir haben uns in keinster Weise daneben benommen, dennoch wurden wir von anderen Gästen misstrauisch beäugt. Junge Leute auf einem Friedhof, da geht doch etwas nicht mit rechten Dingen zu..."
WOCHENBLATT-Redakteurin Stephanie Bargmann: "Immer wenn ich den Lavendelstrauch in unserem Garten sehe, muss ich an unseren lieben Nachbarn Bernd denken, der vor rund 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Nur wenige Wochen vorher schenkte er uns die Pflanze, die in seinem Garten einfach nicht richtig anwachsen wollte. Bei uns gedieh der Lavendel prächtig und wir haben viel Freude damit. Inzwischen ist der Strauch zwar etwas in die Jahre gekommen, aber wir werden ihn trotzdem stehen lassen - in Gedenken an Bernd."
WOCHENBLATT-Redakteurin Nicola Dultz-Klüver: "Ich denke häufig an meinen Vater und meinen Schwiegervater, aber auch an meine Großeltern oder eine liebe Freundin zurück, die leider viel zu früh gestorben ist. Eine feste Anlaufstelle ist für mich unsere mehr als 200 Jahre alte Familiengrabstelle in Bremen, die ich auch hin und wieder zusammen mit meinen Kindern besuche. Ich finde den Gedanken schön, dass es einen Ort gibt, an dem am Ende die ganze Familie wieder vereint ist und gehe davon aus, dass auch ich einmal dort begraben werde. Das ist allerdings noch nicht abschließend mit meinem Mann geklärt. Am Totensonntag besuche ich voraussichtlich das Grab meines Schwiegervaters und zünde dort eine Kerze an."