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Bürgermeister-Kandidat: Stader CDU lässt sich noch Zeit

Bis zur Sommerpause wollen die Christdemokraten einen Bürgermeister-Kandidaten gefunden haben

bc. Stade. Gut ein Jahr vor der Bürgermeister-Wahl in Stade hat die CDU noch keinen eigenen Kandidaten präsentiert. Dass die Christdemokraten Silvia Nieber bei ihrer erneuten Kandidatur unterstützen werden, ist allerdings ausgeschlossen. Ortsverein-Vorsitzender Oliver Grundmann brachte die Gründe kürzlich auf den Punkt: "Die Bürgermeisterin gilt in den Augen vieler Stader Bürger als führungsschwach, wenig kompetent und überfordert." Was die Nominierung eines eigenen Kandidaten angeht, bleibt Grundmann gelassen. Dafür sei noch genügend Zeit.
"Wir sind auf einem guten Weg und in den nächsten Wochen wird eine gute Wahl für Stade präsentiert", so Grundmann. Der weitere Fahrplan werde vom geschäftsführenden Parteivorstand in einem "engen Schulterschluss" mit dem Fraktionsvorstand klar abgestimmt. Im engsten Kreise sollen vertrauliche Gespräche geführt werden.
"In den vergangenen Wochen habe ich als Parteivorsitzender bereits sehr gute Sondierungen mit hervorragend geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten geführt", so Grundmann. Bis spätestens vor der Sommerpause im Juli soll jemand gefunden sein. „Wir werden einen Bewerber oder eine Bewerberin präsentieren können, der eine breite gesellschaftliche Allianz in Stade hinter sich versammeln wird", so Grundmann und die CDU-Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge gleichlautend optimistisch. Ob es eine interne - ab und zu fiel schon mal der Name des Bützflether Ortsbürgermeister Sönke Hartlef - oder externe Lösung werden wird, ist ebenfalls noch unklar.
Das macht es für die anderen Parteien im Rat nicht einfacher. Sie wollen zunächst die CDU-Nominierung abwarten, bevor sie eine Wahlempfehlung aussprechen.
Carsten Brokelmann von der Wählergemeinschaft (WG), der selber als Kandidat gehandelt wurde, aus persönlichen Gründen aber auf eine Kandidatur verzichtet, verfolgt die Entwicklung mit "großem Interesse". Für ihn sei es kein Geheimnis, dass es bei der CDU-internen Suche zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen Ortsverein und Fraktion gegeben habe. "Wir gucken, was die großen Parteien machen und entscheiden uns dann, ob und für wen wir eine Empfehlung abgeben", so Brokelmann, der auch sagt: "Je später die CDU einen Kandidaten präsentiert, desto schwieriger wird es, ihn bekannt zu machen."
Auch die Grünen befinden sich nach Aussage der Fraktionsvorsitzenden Barbara Zurek in Warteposition: "Wir schauen darauf, wen die CDU findet." Dass die Grünen abermals Silvia Nieber unterstützen werden, scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich, zu unterschiedlich sind die Positionen. Stichwort Radverkehr, Biodiversität und die Entwicklung eines Flächennutzungsplans. Außerdem haben die Beziehungen der Grünen zu Nieber seit dem abgelehnten Stadtbaurat-Kandidaten, der eine Grünen-Vergangenheit hatte (das WOCHENBLATT berichtete), gelitten. Zurek betont aber auch: "Ein Gespräch mit Frau Nieber steht noch aus."
Die Meinung von Wolfgang Ehlers, Sprecher der Gruppe FDP/UBLS/Piraten im Rat, ist eindeutig: "Wir wollen einen Bürgermeister, der eine Politik für den Bürger und nicht gegen die Interessen der Bürger macht." Insbesondere werde das derzeit deutlich beim Größenwahnprojekt Parkhaus, das die Stadt jetzt sehr viel Geld kostet, das woanders fehle. Hinter den Kulissen werden Dinge angeschoben, an den Bürgern und teilweise auch an den politischen Gremien vorbei, so Ehlers. Stichwörter sind die Entwicklungen auf der Camper Höhe ("Hier geht es drunter und drüber") und die Diskussionen über die Straßenausbau-Beitragssatzung. Ehlers. "Wir können nur einen Kandidaten unterstützen, der die Satzung abschaffen möchte." Das wäre dann Richard Klaus. Der Pirat ist bislang Niebers einziger Gegenkandidat.

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Kommentar

Eine knappe Wahlentscheidung

Mehr als 10.000 Stader Wähler gaben Silvia Nieber bei der Kommunalwahl im Jahr 2011 ihre Stimme. Ein Anteil von gut 60 Prozent. Ihre CDU-Gegenkandidatin Kristina Kilian-Klinge erhielt nur 6.900 Stimmen (ca. 40 Prozent). Dass es abermals eine derart eindeutige Wahl werden wird, scheint ausgeschlossen zu sein.
Silvia Nieber hat sicherlich etliches richtig gemacht, vor allem auch Rathaus-intern neue Impulse gesetzt. Allerdings hat sie auch bei vielen Bürgern Sympathien, die es zu Anfang gegeben hat, verspielt. Der Gegenwind bläst ihr nicht nur in Schölisch und Campe ins Gesicht.
Entscheidend wird sein, wer der Gegenkandidat der Christdemokraten sein wird. Ein bekanntes Gesicht oder aber ein unbekanntes, das erst noch bekannt werden muss. Silvia Nieber hat den Vorteil, dass die Stader sie bereits kennen. Egal, was zuletzt alles falsch gelaufen sein mag. Deswegen wird sie bei der Wahl schon gar nicht chancenlos sein, auch wenn die Grünen die Gefolgschaft verweigern. Es läuft vermutlich auf eine knappe Entscheidung hinaus. Die Zeit bis zur Wahl dürfte daher umso spannender werden. Björn Carstens