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"Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein"

Beim Michaelis-Empfang in der Wilhadi Kirche: Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy (li.) mit ZDF-Moderatorin Petra Gerster und dem Publizisten Christian Nürnberger Foto: Sonja Domröse

Petra Gerster und Christian Nürnberger: "Wenn kritischer Journalismus stirbt, stirbt auch die Demokratie"

tp. Stade. "Werden wir noch richtig informiert?" Unter dieser Frage hatte Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy zum jährlichen Michaelis-Empfang in die Stader St. Wilhadi-Kirche eingeladen. Rund 450 Gäste waren dieser Einladung gefolgt, um von der bekannten ZDF-Moderatorin Petra Gerster und ihrem Mann, dem Publizisten Christian Nürnberger, fachkundige Antworten zu hören.

Falsche Nachrichten, so Regionalbischof Brandy, seien nicht neu, aber die Schnelligkeit ihrer Verbreitung habe durch das Internet eine ganz neue Dimension erreicht. "Kennen Sie ein besseres und kürzeres Wort gegen Fake News als das achte Gebot aus dem Alten Testament: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten?", fragte der Theologe. Wahrhaftigkeit und Respekt sei der Maßstab, der auch für Kommunikation in den sozialen Medien zu gelten habe. Kirche arbeite dabei ebenfalls mit den neuen Medien. Ohne die offensive Nutzung des Buchdrucks während der Reformation sei die evangelische Kirche nicht zu dem geworden, was sie heute ist.

Von Gutenberg und der Erfindung des Buchdrucks bis zu Mark Zuckerberg und dem Einfluss von facebook, Google und Co. spannten die beiden Journalisten Petra Gerster und Christian Nürnberger dann einen weiten Bogen. "Alle Bereiche unseres Lebens werden zukünftig dem digitalen Wandel unterworfen sein", so Gerster. Die sozialen Medien trügen zu einem Epochen-Wechsel bei, dessen Ausgang noch nicht feststehe. Daher müsse die digitale Zukunft jetzt gestaltet werden. "Dafür müssen wir alle richtig informiert sein." Unabhängige Medien seien die Voraussetzung.

"Wenn kritischer, seriöser Journalismus stirbt, dann stirbt die Demokratie", präzisierte Nürnberger. In Diktaturen verbreiteten die Medien nur gute Nachrichten, in einer Demokratie dagegen hätten sie die wichtige Funktion kritisch zu berichten und Fehler aufzuzeigen, "damit es besser wird". Dabei herrsche eine gegenseitige Kontrolle unter den klassischen Medien wie Zeitungen, Radio und öffentlich-rechtlichem Fernsehen, denn kein seriöser Journalist könne es sich erlauben, falsche Nachrichten zu verbreiten.

Durch das Internet entstehe aber mittlerweile eine fünfte Gewalt. "Das ist Segen und Fluch gleichzeitig", konstatierte Gerster. So erlaube das Internet eine breite Beteiligung und sei ein "Ermächtigungsmittel für jeden". Andererseits würden Plattformen geschaffen, auf denen sich Hass und Verleumdung ungehindert ausbreiten könnten. Daher forderte ihr Mann: "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein".

Damit unabhängiger Journalismus, der "saubere Informationen" liefert, weiterhin funktioniere, sei der mündige Bürger gefragt, der auch für diese qualitative Arbeit zahle. Aber auch die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen durch Bildung zu stärken, sei eine wichtige Voraussetzung gegen eine "Des-Informationsgesellschaft".

Was Kirche leisten kann, sehen Gerster und Nürnberger klar: "In den Kirchengemeinden wird Gemeinschaft gelebt." Durch Erzählungen wie der vom "Barmherzigen Samariter" werde Menschlichkeit als positives Beispiel vor Augen gestellt in einer Zeit, in der ein "humanistischer Konsens" nicht mehr selbstverständlich sei.