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Ein Jahr früher hinterm Lenkrad: Vorstoß aus Niedersachsen zum begleiteten Fahren ab 16

Die Führerscheinprüfung ist bestanden. Vielleicht dürfen sich bald schon 16-Jährige darauf freuen, Auto zu fahren (Foto: Fotolia / hedgehog 94)
(jd). Der Junior fährt und Mutti oder Vati sitzen daneben: Seit 2004 gibt es das Begleitete Fahren ab 17 Jahren (BF 17). Niedersachsen war Vorreiter. Dort lief es zunächst versuchsweise, später wurde das Modellprojekt bundesweit übernommen. Nun prescht Niedersachsen erneut vor: Der Landtag hat gestern auf Antrag der rot-schwarzen Koalition eine Entschließung verabschiedet, das Begleitete Fahren bereits für Jugendliche ab 16 zu ermöglichen. Begründet wird die Initiative mit den positiven Erfahrungen: Das BF 17 hat das Unfallrisiko von Fahranfängern bundesweit um 20 Prozent gesenkt. Von den Fahrschulen wird der niedersächsische Vorstoß begrüßt. Das WOCHENBLATT sprach mit zwei Fahrlehrern aus der Region, die überwiegend Vorteile sehen. 

"Wenn das Begleitete Fahren künftig auf zwei Jahre ausgedehnt wird, kann ich nur sagen: richtig so", sagt Jürgen Klemz, Leiter der Fahrschule Christ in Stade. Die Unfallstatistik spreche eine deutliche Sprache: Junge Autofahrer, die am BF 17 teilgenommen haben, verursachen wesentlich seltener Unfälle. "Wer bis zu zwei Jahre unter dem strengen Blick der Eltern unterwegs ist, verhält sich später auch entsprechend umsichtiger als jemand, der seinen Führerschein mit 18 erwirbt und dann möglicherweise 'auf dicke Hose' macht."

Klemz hält es aber auch für wichtig, dass sich die Fahr-Begleiter - in der Regel sind es die Eltern - auch ihrer Vorbildfunktion bewusst sind: "Es ist kontraproduktiv, wenn der Vater seinen Sohnemann zu einer umsichtigen Fahrweise anhält, dann aber selbst mit überhöhtem Tempo fährt." Anfangs seien von den Fahrschulen spezielle Schulungen für Begleiter angeboten worden. "Für diese Kurse hat es leider keine Nachfrage gegeben, obwohl sie durchaus sinnvoll sind." Schließlich sollte eine begleitende Person wissen, worauf sie bei Fahranfängern speziell zu achten hat.

Was aber besonders wichtig ist: "Die Begleiter müssen sich auch Zeit dafür nehmen, mit den Fahranfängern unterwegs zu sein", sagt Fahrlehrer Christian Grau aus Buchholz. Ein Führerscheinerwerb mit 16 Jahren bringe nur etwas, wenn der Jugendliche regelmäßig hinterm Steuer sitze und Fahrpraxis erwerbe. In seiner Fahrschule würden die BF 17-Fahrschüler inzwischen die Mehrheit stellen - Tendenz weiter steigend.

So hoch ist der Anteil der Führerscheinstarter mit 17 bei Jürgen Klemz noch nicht: "Viele müssen erst mal Geld verdienen, damit sie ihren Führerschein finanzieren können." Und das sei oftmals erst als Azubi möglich. Klemz sieht darin einen Hauptgrund, dass etliche Fahranfänger erst starten, wenn sie jenseits der 18 sind.

Dass 16-Jährige in der Lage sind, ein Auto zu fahren, steht für Klemz außer Frage. "Es ist doch auch möglich, mit 16 Jahren einen Trecker-Führerschein zu machen und dann landwirtschaftliche Gespanne mit einem Gewicht von 40 Tonnen zu fahren. Wenn man mit 16 Jahren dafür reif genug ist, dann sollte das auch beim normalen Führerschein passen.

Niedersachsen will nun weitere Mitstreiter für das Projekt BF 16 gewinnen. Das letzte Wort hat die EU: Nur wenn Brüssel die in der EU-Führerscheinrichtlinie verankerte Altersgrenze von 17 Jahren herabsetzt, kann der Führerschein mit 16 kommen.


Anforderungen an die Begleitperson

Begleitetes Fahren bedeutet, dass die Fahranfänger unter 18 Jahren nur im Beisein eines Erwachsenen ans Lenkrad dürfen. Die Begleitperson muss über 30 Jahre alt sein, darf höchstens einen Punkt in Flensburg haben und mindestens fünf Jahre am Stück im Besitz des Führerscheins sein.