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Harte Zeiten für Pendler

In den kommenden Monaten müssen wahrscheinlich wieder viele Pendler auf Ersatzbusse umsteigen, weil Züge ausfallen Foto: jd/Archiv

Stades Landrat Roesberg warnt vor Verkehrsinfarkt: In den kommenden Jahren stehen umfangreiche Baumaßnahmen im Süden Hamburgs an

jd. Stade. Den Berufspendlern aus den Landkreisen Stade und Harburg stehen harte Zeiten bevor: Erneut werden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen den Zugverkehr nach Hamburg erheblich beeinträchtigen. Betroffen ist wiederum vor allem die Strecke zwischen Harburg und dem Hauptbahnhof. Diesmal erstrecken sich die Bauarbeiten aber nicht wie im vergangenen Sommer auf wenige Wochen, sondern werden sich über Jahre hinziehen. So ist beispielsweise damit zu rechnen, dass ab Mitte Juni für die meisten "Start"-Züge (ehemals Metronom), die aus Stade bzw. Cuxhaven Richtung Hamburg fahren, in Harburg Endstation ist - und das für rund anderthalb Jahre. Einschränkungen wird es auch bei der S-Bahn und auf der Straße geben. Stades Landrat Michael Roesberg warnt vor einem drohenden Nahverkehrschaos und appelliert an die Verantwortlichen, die Maßnahmen untereinander abzustimmen und die Bürger rechtzeitig zu informieren.

Eines will Roesberg im Vorfeld klarstellen: "Ich übe keine Kritik an den Bauvorhaben. Sie sind sogar dringend notwendig, damit der Nahverkehr auch künftig gut läuft." Jeder Euro, der in die Verkehrsin-frastruktur gesteckt werde, sei gut investiertes Geld. Er mache sich aber Sorgen, dass die Beteiligten im Vorfeld keine Absprachen treffen, um die schwierige Situation zu entschärfen. Das habe dann zur Folge, dass sich hinterher wieder viele Bürger zu Recht beschweren werden. Immerhin würden aus dem Landkreis Stade täglich 30.000 Pendler nach Hamburg zur Arbeit fahren. Aus dem Landkreis Harburg sei es sogar die doppelte Anzahl.

"Die Menschen im südlichen Hamburger Umland müssen wissen, dass wegen der Bau- und Sanierungsprojekte an Straße und Schiene eine schwere Zeit auf sie zukommt", erklärt Roesberg. Gerade die Pendler sollten so früh wie möglich erfahren, wann und wo es zu Straßen- und Streckensperrungen, Fahrplanverschiebungen, Umleitungen oder Zugausfällen kommt. Das gelte natürlich auch für die Handwerksbetriebe aus der Region, die auf Baustellen in Hamburg tätig sind, so der Stader Landrat: "Die können natürlich nicht auf die S-Bahn umsteigen, wenn etwa die Elbbrücken für den Autoverkehr gesperrt sind."

Zwar seien alle Landkreise südlich der Elbe von den zu erwartenden Verkehrsproblemen betroffen, so Roesberg. Doch den Landkreis Stade, der ohne Anbindung an den überregionalen Schienenverkehr oder eine durchgehende Autobahn sei, treffe es besonders hart. Schon jetzt sei Harburg ein Nadelöhr im Bahnverkehr und dieses Problem werde sich in den kommenden Jahren stark zuspitzen. "Wir wissen außerdem aus schmerzvoller Erfahrung, dass sich aus den anstehenden Arbeiten an den Bahnsteigen im Hamburger Hauptbahnhof auch Einschränkungen für den Nahverkehr aus dem Landkreis ergeben." Roesberg kritisiert ferner, dass Güter- und Fernverkehr ausnahmslos Vorrang vor dem Nahverkehr haben.

Der Landrat fordert den niedersächsischen Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann und den Hamburger Verkehrssenator Michael Westhagemann auf, klare Vorgaben an alle Beteiligten zu machen, was die Verkehrsplanung für die kommenden Jahre im Hamburger Süden anbelangt: Von den Straßenbaubehörden, Bahnunternehmen und dem HVV müsse ein Konzept zur Koordination der Baumaßnahmen verlangt werden. Außerdem sollten die beiden Ressortchefs dafür sorgen, dass eine App programmiert wird, die Bahnreisende mit sämtlichen Verkehrsinfos versorgt, so Roesberg. "Ich erwarte im Interesse der Berufspendler, dass ein perfektes Infosystem aufgebaut wird, notwendige Ersatzverkehre eingerichtet werden und Fahrplanänderungen verlässlich kommuniziert werden."

Erfolge keine klare "Ansage" von oben, werde wieder alles im "bürokratischen Klein-Klein" enden, so der Landrat: "Es wird allerhöchste Eisenbahn, dass die Verantwortlichen Lösungen finden."