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LNG: Vieles spricht für Stade

Besichtigung von der Seeseite: Kai Seefried (4.v.re.) mit seinen Gästen vor Stadersand Foto: CDU

CDU-Landespolitiker informierten sich über Planungen für das Flüssiggas-Terminal

jd. Stade. Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade: Diese drei Städte stehen im Wettbewerb um den Standort für ein LNG-Terminal an der deutschen Nordseeküste. Das verflüssigte Erdgas (auf Englisch gekürzt LNG = Liquefied Natural Gas) könnte Deutschland ein Stück weit unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen. Der Bau eines Piers mitsamt Tanks würde erstmals den direkten Import von Erdgas aus den USA und dem Nahen Osten ermöglichen. Doch welche Standortvorteile bietet Stade gegenüber den anderen beiden Konkurrenten? Darüber informierten sich jetzt Landespolitiker aus Hannover.

Der niedersächsische CDU-Generalsekretär Kai Seefried hatte seine Parteifreunde aus dem Arbeitskreis Häfen und Schifffahrt des Landtages nach Stade gebeten, damit diese sich aus erster Hand über die Vorzüge des Stader Hafens als LNG-Terminal informieren konnten. Bei der Runde im Gästehaus der Dow lieferte Manfred Schubert, Geschäftsführer der eigens für dieses Projekt gegründeten LNG Stade GmbH, allerlei Argumente, die für Stade sprechen.

Dabei wollte Schubert nicht ausschließen, dass in Niedersachsen womöglich beide Bewerber zum Zuge kommen: Das Stader LNG-Terminal könnte zunächst realisiert werden und Wilhelmshaven, das bisher von der SPD favorisiert wurde, käme für eine perspektivische Planung in Frage. Mit ihrem großen Tiefseehafen sei die Stadt an der Jade-Mündung zwar eine Option, so der LNG-Projektleiter, doch es fehle im Gegensatz zu Stade die Anbindung an das Gasleitungsnetz Richtung Hamburg. Langfristig gesehen sei der Bau einer Pipeline sinnvoll, doch eine zügige Umsetzung des LNG-Vorhabens sei in Niedersachsen eben nur in Stade möglich.

Eine Pipeline müssten auch die Konkurrenz vom anderen Elbufer bauen: Um Brunsbüttel an das bundesweite Gasnetz anzubinden, wäre die Errichtung einer mehr als 50 Kilometer langen Trasse erforderlich. Kosten: rund 100 Mio. Euro. Finanziert würde das aus öffentlichen Mitteln. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei das aber eine Verschwendung von Steuergeldern, kritisiert Schubert.

Gegen Brunsbüttel spricht aus seiner Sicht auch die größere Entfernung zum Hamburger Hafen: Dorthin soll ein Teil des Flüssiggases per Bunkerschiff transportiert werden, um damit Kreuzfahrtschiffe und später auch Containerschiffe zu betanken. LNG gilt in der Schifffahrt als Treibstoff der Zukunft, soll über kurz oder lang das Schweröl ersetzen. Auch für Lkw kommt LNG in Frage, da bis zu 80 Prozent weniger Stickoxide und rund 30 Prozent weniger CO2 aus dem Auspuff kommen.

Die Hauptabnehmer werden aber direkt vor Ort sein: Einmal ist das die Dow, auf deren Gelände das LNG-Terminal entstehen soll und das die erforderliche Wärme für die Rückwandlung von LNG in normales Gas bereitstellen kann, und zum anderen das benachbarte Aluminiumwerk AOS. Der AOS-Chef Volker Richter, der am Info-Abend als Vertreter der Vereinigung Seehafen Stade teilnahm, erklärte, dass sein Unternehmen ebenfalls ein hohes Interesse an einer Versorgung mit LNG habe.

Vorgesehen für das LNG-Terminal ist ein 25 Hektar großes Areal am Stader Seehafen. Auf dem Terminal, das laut Planung 2023 in Betrieb geht, sollen zunächst zwei Tanks errichtet werden. Deren Kapazität würde rund zehn Prozent des derzeitigen deutschen Gasbedarfs decken.
Die Erweiterung um einen dritten Tank wäre möglich. Angeliefert wird das Flüssiggas von bis zu 320 Meter langen Großtankern.
Als wichtigen Hinweis nahmen die Landespolitiker mit nach Hannover, dass sich das Großprojekt - rund eine halbe Milliarde Euro sind im Gespräch - auch ohne öffentliche Fördergelder rechnen würde. "Fördermittel sind zwar schön, aber dieses Projekt wird sich auch ohne Zuwendungen wirtschaftlich tragen", erklärte Schubert.
Dennoch habe man, wie zuvor Brunsbüttel, einen Förderantrag gestellt, um sich gegenüber den politischen Entscheidern in Berlin zu positionieren. Der Förderbescheid sei aber am Ende nicht allein ausschlaggebend, so Schubert.
Der Vorsitzende des CDU-Arbeitskreises, Bernd-Carsten Hiebing, bezeichnete Schuberts Vortrag als "sehr beeindruckend". Lokalmatador Kai Seefried nahm wohlwollend zur Kenntnis, dass Stade jetzt nachzieht: Brunsbüttel habe bereits intensives Marketing betrieben, ohne zuvor Details zu klären. "Wir in Stade waren hingegen hanseatisch zurückhaltend", so Seefried, für den am Ende des Treffens feststand: "Wenn es um die Frage geht, welcher Standort für ein LNG-Terminal schnellstens realisiert werden kann, dann sprechen ganz viele Faktoren für Stade."


Kreispolitiker sprechen sich für Stade als LNG-Standort aus

Dieser Schuss ging nach hinten los: Der Linken-Politiker Benjamin Koch-Böhnke hatte im Wirtschaftsausschuss des Landkreises beantragt, dass sich der Kreistag gegen die Ansiedlung eines LNG-Terminals am Stader Seehafen ausspricht. Doch die Mehrheit im Ausschuss drehte den Spieß um. Die Politiker haben auf Antrag der CDU eine Resolution verabschiedet, in der der geplante Bau des Terminals "ausdrücklich begrüßt" wird. Lediglich Hartwig Holthusen von den Grünen stimmte dagegen. Koch-Böhnke selbst hat nur ein Grundmandat und besitzt daher kein Stimmrecht.

Der Abstimmung ging ein verbaler Schlagabtausch voraus. Koch-Böhnke sprach von einem "Kniefall vor Donald Trump", der den hohen Anteil an russischen Gasimporten in Deutschland geradezu verteufele. Das sei bewusste Panikmache: "Selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges haben die Sowjetrussen nicht den Gashahn abgedreht." In Wahrheit gehe es nur um den "imperialen Anspruch" der USA und um knallharte wirtschaftliche Interessen, umweltschädliches Fracking-Gas nach Europa zu exportieren.

Politiker aus den Reihen der Fraktionen hielten weitgehend mit Sachargumenten dagegen. Lediglich SPD-Mann Dr. Harald Stechmann kritisierte Koch-Böhnkes Ausführungen als "heftig gelebten Putinismus". Matthias Steffen (CDU) warf den Linken vor, beim Thema Wirtschaftsförderung als Verhinderer zu agieren. Steffen wies darauf hin, dass die Entscheidung, in Deutschland ein LNG-Terminal zu errichten, in Berlin gefallen ist. Für die Kreispolitik gehe es daher nicht um das Grundsätzliche, sondern allein um die Frage, den Standort nach Stade zu holen.