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Vollendete Tatsachen

Das Wäldchen ist verschwunden: Anwohner Dietrich Schlichting (re.) und Ratsherr Rolf-Henner Prestien auf der Rodungsfläche hinter dem Rathaus (hi.) Foto: tp

Gemeinde Hammah ließ „Öko-Wäldchen“ roden / Landwirt und Naturschützerin empört über Kahlschlag

tp. Hammah. Traurig und bestürzt blickt Landwirt Dietrich Schlichting aus Hammah auf das Ergebnis einer aus seiner Sicht radikalen Rodungsaktion auf dem Nachbargrundstück: Auf der kommunalen Fläche hinter dem Rathaus ließ die Gemeinde kürzlich ein kleines Wäldchen aus überwiegend jüngeren Bäumen und großen Büschen beseitigen. Die Maßnahme war zwar angekündigt, doch Schlichting, der das grüne Kleinod erhalten wollte, fühlt sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Schlichting ist nicht der einzige Gegner der Fällung: Inzwischen hat er die Naturschützerin Hannelore Streckebach aus Kutenholz auf seiner Seite. Zudem bekommt er von dem Hammaher SPD-Gemeinderatsherrn Rolf-Henner Prestien Unterstützung. Naturfreund Schlichting ist überzeugt, dass das Wäldchen ökologischen Wert besaß, da es nach seinen Beobachtungen Lebensraum für Vögel, Insekten, Igel, Eichhörnchen, Fledermäuse und weitere Wildtiere bot. Die Rodung ging über eine übliche Grünpflege im Herbst hinaus und steht offenbar in Zusammenhang mit den Plänen von Rat und Verwaltung, auf dem betreffenden Grundstück hinter dem Rathaus ein Dorfgemeinschaftszentrum als Ersatz für das kommunale „Landhaus Hammah“ zu errichten, das nach aktuellem Beratungsstand abgerissen werden soll.
Schlichting hält es für denkbar, dass die Befürworter des Bauprojektes in dem Wäldchen ein Planungshindernis sahen.
SPD-Mann Prestien betrachtet die Vorfälle in Hammah mit Skepsis, möchte aber "auf gar keinen Fall eine Art Kleinkrieg anfangen wegen der Abstimmung im Gemeinderat, was das Landhaus betrifft". Auch möchte er sich nicht von Schlichtings Privatinteressen leiten lassen. "Es ist sicher so, dass Herrn Schlichting der Schutz der Baumgruppe aus Gründen des Naturschutzes wichtig war, aber er hat seine eigenen Interessen als direkter Nachbar einer zukünftigen Dorfgemeinschaftsanlage." Auch könne Prestien nicht abschätzen, ob das Fällen der Bäume auf dem gemeindeeigenen Grundstück rechtlich einwandfrei war. „Für geharnischte Proteste sind nach meiner Einschätzung Naturschutzorganisationen wie NABU oder BUND zuständig."
Auf Schlichtings Bitte habe sich Prestien als Ratsmitglied mit dem Anliegen auseinandergesetzt. "Am Freitag, 2. November, haben wir uns ein Bild vom Ist-Zustand gemacht und mussten feststellen, dass bereits Büsche zurückgeschnitten waren. Am Samstag, 3. November, waren an den zu fällenden Bäumen bereits Markierungen angebracht worden. Und am Dienstag, 6. November, wurden die farblich gekennzeichneten Bäume gefällt. Angesichts des raschen Fortschritts der Maßnahmen „bedauere ich, dass ich keine Zeit hatte, Fragen an die Verantwortlichen zu stellen“, so Prestien.
Hannelore Streckebach, Umweltaktivistin aus Kutenholz, ist wütend über die "Nacht-und Nebel-Aktion, durch die nicht nur ein natürlicher Lebensraum, sondern auch "ein Kindheitsort von großer emotionaler Bedeutung zerstört wurde". Sie meint: "Das kann man nicht so stehen lassen" und hat den NABU in Stade informiert. Der Erste Vorsitzende Manfried Stahnke bedauert, dass eine vernünftige fachliche Einschätzung des ursprünglichen ökologischen Wertes auf der verbliebenen Rodungsbrache nun nicht mehr möglich ist. Eine rechtzeitige Begutachtung des Geländes durch Naturschützer sei durch die Verantwortlichen offensichtlich verhindert worden. (tp). Hammahs Bürgermeister Stefan Holst (Offene Liste) steht hinter der Fäll-Aktion und verweist noch einmal darauf, dass ältere, schützenswerte Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern bislang verschont blieben. Seien hier dennoch Fällungen nötig, würden auf dem Gelände dafür ordnungsgemäß Ersatzpflanzungen mit jeweils drei Bäumen mit 14 Zentimetern Umfang vorgenommen. Holst verweist überdies auf die zahlreichen freiwilligen Pflanz- und Begrünungsaktionen in Hammah und Umgebung in den vergangenen Jahren und Monaten. Zudem hält er Dietrich Schlichting für einen Querulanten. Große Bäume
blieben verschont