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Wenn nur die Kohle zählt

Braunkohle-Tagebau in Kulumbien (Foto: Jochen Schüller)

Nachhaltigkeit verbindet Kontinente: Bergbau in Kulumbien ist Bildungsthema im Land Kehdingen

tp. Hüll. Nachhaltigkeit, also der behutsame Umgang mit Naturressourcen im Wissen, dass diese endlich sind, muss man stets global betrachten. So ist es überhaupt nicht "weit hergeholt", dass der Braunkohle-Abbau im südamerikanischen Kolumbien jetzt Bildungsthema eines Workshops im Land Kehdingen war. Mit dem Thema „Wenn nur die Kohle zählt - Steinkohle aus Kolumbien für Strom in Europa"  befassten sich Interessierte im ABC-Bildungs- und Tagungszentrum in Drochtersen-Hüll, wo kolumbianische Umweltaktivisten zu Gast waren. Folge-Veranstaltungen sind geplant.
"Steinkohle wird in Kolumbien in großem Stil im Tagebau ausgebeutet und geht zu fast 100 Prozent in den Export - überwiegend nach Europa", berichtet der Kenner des Landes, Journalist Jochen Schüller aus Hamburg, der früher Beauftragter von Brot für die Welt für Öffentlichkeitsarbeit zu Kolumbien war und ein Menschenrechtsprojekt leitete.
"In Deutschland wird kolumbianische Kohle größtenteils verstromt, vielleicht auch bald im geplanten Kohlekraftwerk in Stade", sagt Schüller, der bei der Tagung in Hüll als Moderator dabei war. "Von dem Milliardengeschäft profitieren nur einige Wenige: Bergbau-Multis und die Energie-Konzerne." In Kolumbien würde der Kohletagebau Zwangsumsiedelungen und massive Menschenrechtsverletzungen mit sich bringen, sagt der Experte dem WOCHENBLATT. Landschaft und Umwelt würden zerstört, Luft und Wasser dauerhaft verschmutzt. "Menschen werden krank und verlieren ihre Lebensgrundlage, so z.B. die afrokolumbianischen und indigenen Gemeinschaften in der Guajira im Norden des Landes."
Darüber berichteten Sindy Bouriyu, Vertreterin der Jugendlichen der indigenen Gemeinschaft in Provincial (Guajira), und die Menschenrechts-Anwältin Yessika Hoyos.
Juana Corral (AG Menschenrechte und Bergbau in Kolumbien) erläuterte die sozialen und Umwelt-Folgen des Steinkohlebergbaus in Kolumbien. Felipe Corral (TU Berlin) stellte die wirtschaftlichen und politischen Aspekte des Kohle-Tagebaus in Kolumbien und die internationalen Handelsbeziehungen dar.
Mabel Lara (Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien) berichtete über die Situation vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften in der Guajira und Cesar.
Vertreter von Umweltgruppen berichteten über das in Stade geplante Kohlekraftwerk des Chemie-Multis Dow und die lokale Bewegung dagegen.
Mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen sich Teilnehmer des nächsten Jugend-Polit-Camps im ABC-Bildungszentrum zu Ostern. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren kommen drei bzw. vier Tage lang zusammen, um zum Thema Politik voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Jochen Schüller ist als Moderator und Koordinator dabei.
Infos unter Tel. 04775 - 529, Internet: www.abc-huell.de.