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119 Absagen und Spaß daran

Edel-Sammler Michael Breuer mit Fan-Devotionalien aus der Bundesliga-Welt
 
Mit einem Job als Profi-Trainer hhat's nicht geklappt, dafür sahnte Vollblut-Fußballfan Michael Breuer jede Menge Präsente - vom Trikot bis zur Autogrammkarte - ab

Ohne Trainerschein: Sportverrückter Fußballfan aus Kehdingen bewarb sich dutzendfach als Bundesliga-Coach

tp. Drochtersen. Sport-Freak Michael Breuer (30) aus Kehdingen darf sich inzwischen zur Spitze der verrücktesten Fußballfans aus ganz Deuschland zählen. Um an begehrte Fan-Artikel heranzukommen und die Profi-Sportwelt aus ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen, ist ihm kein Aufwand zu hoch und keine Masche zu abwegig. Jetzt hat der sympathisch-durchgeknallte Trophäenjäger sein bislang schrägstes Projekt abgeschlossen: Er bewarb sich insgesamt 119 Mal - teils mehrfach - bei den 56 Klubs der Ersten bis Dritten Fußball-Bundesliga als Trainer und bekam so manche seriöse Antwort aus oberster Etage. "Dabei hab' ich nichtmal eine Trainerlizenz", sagt Michael Breuer mit einem breiten Grinsen.

Wie berichtet, erlangte Michael Breuer aus Drochtersen, lediger Bankkaufmann, überregionale mediale Aufmerksamkeit, nachdem das WOCHENBLATT über seine Mega-Sammlung an Fußballtrikots aus aller Welt berichtete, von denen er inzwischen fast 900 Exemplare besitzt. Seinen letzten Sommerurlaub verbrachte der Fußball-Narr mit Stadion-Hopping, besichtigte - ohne Spiele - im Juli insgesamt 17 deutsche Sport-Arenen mit mehr als 10.000 Plätzen. Bei dieser Gelegenheit deckte sich der Sammler in den Fan-Shops mit reichlich neuen Fußball-Devotionalien ein.

Besonders stolz ist Breuer allerdings auf seinen neuesten Coup, den er im Jahr 2011 in beim Fachsimpeln geselliger Fan-Runde ins Leben rief: "Damals herrschte in der Bundesliga mal wieder Trainer-Krise", sagt Breuer. Aus Jux bewarb er sich - mit Unterstützung seines Kumpels Hauke Fitschen, der sich als sein Sekretär ausgab - um Trainer-Posten bei den damaligen Zweitliga-Vereinen Hansa Rostock und Energie Cottbus. Die etwas altmodisch verfassten Anschreiben samt Lebenslauf mit Bewerbungsfoto mit Schlips und Kragen ergänzte er im Post-Scriptum um die Bitte um Fanartartikel. Er bekam erwartungsgemäß Absagen, die aber immerhin mit Original-Unterschriften der Vereinspräsidenten unterzeichnet waren.

Dadurch angespornt, startete Breuer eine mehrjährige Bewerbungsoffensive an 119 Vereine. Mit beachtlichem Erfolg: "75 Prozent der Klubs haben geantwortet. Viele Schreiben waren persönlich an mich gerichtet", berichtet Michael Breuer und freut sich über eine reiche Ausbeute an Sammel-Artikeln vom Kugelschreiber über Fan-Schals und Autogrammkarten kompletter Mannschaften bis zur Anstecknadel.

Besondere Highlights für Breuer: Erstligist Bayer Leverkusen schickte ihm gratis ein begehrtes Fan-Set mit beflocktem Trikot, Toni Schumacher, Präsident des 1. FC Köln und Ex-Nationaltorwart, schrieb dem Edel-Sammler persönliche Grüße und legte eine Autogrammkarte bei. 1860 München, damals noch Drittligist, erteilte Breuer im Jahr 2013 eine "nette Absage" - der Clou: Verfasser war Julian Weigl. Der damalige Büroangestellte und Spieler des Vereins ist inzwischen in der deutschen Nationalmannschaft sowie bei Borussia Dortmund und seine Unterschrift aus Breuers heutiger Sicht "ein Autogramm der besonderen Art".

Ein einziges Mal wurde Michael Breuer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen: Der Sportdirektor des VfB Stuttgart spielte das Spiel bis zum Schluss mit und ließ das Date "wegen anderweitiger Verpflichtungen" erst in letzter Sekunde platzen.
"Macht nichts", gibt sich Michael Breuer gelassen, "ich bin auch so glücklich und zufrieden." Inzwischen hat er sogar einen Job als Coach: Breuer, selbst Mittelfeldspieler, wurde jüngst in den Trainerstab der Dritten Herren seines Heimat-Fußballvereins MTV Hammah aufgenommen: "Und das ganz ohne Trainerschein."

Michael Breuer greift dennoch nach den Sternen: Er möchte unbedingt mal ein Schnuppertraining an der Seite eines Profi-Coaches absolvieren: Auf seiner Wunschliste stehen Jürgen Klopp (Liverpool) und Lucien Favre von seiner Lieblings Elf-Borussia Dortmund.

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