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Immer mehr Lkw rauschen durch den Kreis Stade: Containertransport rechnet sich für EVB nicht

Der Güterbahnhof in Maschen: Die EVB-Züge transportieren von dort Waren in die Region Foto: Fotolia/motorradcbr
jd. Landkreis. Die Menschen in Issendorf, Ohrensen, Bargstedt, Aspe oder Kutenholz haben ein gemeinsames Problem: Durch ihre Dörfer rauscht der Schwerlastverkehr. Die Orte liegen alle an der L 123 - und die wird von den Speditionen gern als kurze Verbindung zwischen den Häfen Hamburg und Bremerhaven genutzt. In weiten Teilen fast parallel zur vielbefahrenen Landesstraße verläuft die Bahnstrecke der EVB. Darauf werden kaum noch Güter zwischen den beiden Hafenstädten transportiert.

Das war vor Jahren mal ganz anders geplant. Warum übernimmt das Bahnunternehmen, das überwiegend dem Land Niedersachsen gehört, nicht das Containergeschäft in der Region? Das wollte die Kreis-FWG wissen. Die Antwort von EVB-Geschäftsführer Dr. Marcel Frank war ernüchternd. So wie die Zahlen: Haben die EVB-Züge im Elbe-Weser-Dreieck 2012 1,9 Millionen Kilometer im Rahmen des Gütertransports zurückgelegt, waren es 2017 nur noch knapp 75.000 Kilometer. Das ist ein Rückgang um 96 Prozent.

"Ich kann mich gut an die vor Jahren gemachte Aussage eines EVB-Vorstandes erinnern, dass der Containertransport forciert werden soll und die Personenbeförderung nur ein Zubrot sei", erklärte FWG-Politiker Frank Buchholz kürzlich im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr. Die Freien Wähler machen sich Sorgen um die maroden Straßen im Landkreis. Auf Antrag der FWG sollte EVB-Chef Frank daher im Ausschuss erläutern, warum das Prinzip "Güter gehören auf die Schiene" im Elbe-Weser-Dreieck nicht funktioniert.

Franks Antwort macht nachdenklich: "Der Containertransport ist für uns derzeit nicht wirtschaftlich", so der EVB-Geschäftsführer. Da es offenbar billiger ist, die Waren per Lkw von A nach B zu verfrachten, sind die Zahlen der EVB seit Jahren rückläufig: Vor zehn Jahren rollten noch jeweils elf Containerzüge am Tag von Hamburg nach Bremerhaven und zurück. 2014 und 2015 gab es nur noch drei solcher sogenannten Umläufe zwischen Elbe und Weser und 2016 war gar kein Zug mehr unterwegs. Erst im Vorjahr nahm der Betrieb ganz, ganz langsam wieder Fahrt auf und liegt jetzt bei 0,43 Umläufen am Tag.

Die krumme Zahl ergibt sich aus einem neuen Konzept: Die EVB fahre keinen regelmäßigen Transportverkehr mehr, weil dann die Züge in der Gegenrichtung meist leer seien, so Frank. Das rechne sich nicht. Daher organisiere die EVB als Dienstleister nur nach Bedarf Transporte in der Region: "Wir fahren dann, wenn der Zug voll ist." Entsprechend sei auch der übrige Güterverkehr in der Region ausgerichtet: "Es kann sich einfach nicht rechnen, wenn eine Lok nur mit zwei oder drei Güterwagen unterwegs ist." Die EVB wolle den Elbe-Weser-Raum natürlich gern weiter mit Gütern versorgen, doch es müsse sich rechnen.

Die höheren Transportkosten im Vergleich zur Straße sind nach Angaben von Frank vor allem auf die komplexeren Vorgänge beim Schienenverkehr zurückzuführen. Dazu zähle beispielsweise der Austausch von Loks, da das EVB-Netz nicht elektrifiziert sei. Dieses Umspannen verursache hohe Kosten: "Dadurch ist die erste und letzte Meile bei den Umschlagterminals am teuersten."

Sorgen um die EVB muss sich aber niemand machen: Das Unternehmen verdient das meiste Geld im überregionalen Güterverkehr. In dieser Sparte werden gute Gewinne eingefahren. Darüber dürfte sich auch der Landkreis freuen: Dieser ist immerhin mit 4,6 Prozent an der EVB beteiligt.


Steigende Zahlen im Personenverkehr

Wesentlich besser läuft es für die EVB beim Personenverkehr: Die Zahl der beförderten Fahrgäste ist von 1,7 Mio. im Jahr 2012 auf zwei Mio. im Jahr 2017 angestiegen. Die Einrichtung zusätzlicher Verbindungen und die neue stündliche Taktung an Wochenenden haben sich ausgezahlt: In den bisherigen Verbindungen liegt die durchschnittliche Auslastung bei 27,26 Fahrgästen pro Zug, in den neu eingerichteten Abfahrten sitzen im Schnitt 30,14 Bahnfahrer in jedem Zug.