Volksbegehren und "Der Niedersächsische Weg"
Landwirte wollen bei Diskussion um Artenvieltfalt beteiligt werden

Werben für den "Niedersächsischen Weg" (v. li.): Reinhard Speer, Kristina Gehrdau-Schröder  und Johanna Speer
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bim. Stelle. Artenvielfalt und nachhaltige Bewirtschaftung sind Themen, die viele Verbraucher und Naturfreunde bewegen. Das wird mit dem Volksbegehren "Artenvielfalt. Jetzt!" gefordert, für das derzeit vielerorts Unterschriften gesammelt werden. Was weniger bekannt ist: Die gleichen Ziele verfolgt "Der Niedersächsische Weg" für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz, für den zeitgleich der Startschuss fiel. Der Unterschied: Dabei werden diejenigen beteiligt, um deren Land und Existenzgrundlage es geht - die Landwirte.
"Wir wollen einbezogen werden und nicht über uns bestimmen lassen", sagen Reinhard Speer, Landwirt aus Stelle-Fliegenberg, Kristina Gehrdau-Schröder, Landwirtin aus Klein Todtshorn (Samtgemeinde Tostedt) und beim Landvolk Lüneburger Heide zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, und Cord Lefers, Obstanbauer aus Jork (Landkreis Stade).
"Der 'Niedersächsische Weg' ist bundesweit einmalig, weil Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, die Umweltverbände BUND und NABU, Landwirtschaftskammer und Landvolk an einem Strang ziehen. Dabei wird anerkannt, dass die Landwirtschaft einen vernünftigen Ausgleich erhalten muss", erläutert Reinhard Speer. Die notwendigen gesetzlichen Regelungen sollen in den kommenden Monaten gemeinsam erarbeitet werden. Bis zum Herbst sollen die Gesetzesvorschläge vorliegen und dann in die parlamentarische Beratung gehen. Das Land will ab 2021 zusätzliche jährliche Finanzmittel im hohen zweistelligen Millionenbereich für Maßnahmen im Naturschutz sowie für neue Förderprogramme für mehr Artenvielfalt bereitstellen. Erste Gespräche diesbezüglich habe es im vergangenen November gegeben. Die gemeinsame Absichtserklärung wurde im Mai unterschrieben. Ebenfalls im Mai startete die Unterschriftensammlung für das u.a. von den Grünen und vom NABU initiierte Volksbegehren.
Was die heimischen Landwirte besonders empört, ist, dass der NABU ausschere und sowohl beim "Niedersächsischen Weg" als auch beim Volksbegehren mitmische. Letzteres mit der Begründung, um Druck aufzubauen, berichten die Landwirte. "Diesen Stil finde ich unterirdisch, wo man doch zuvor gemeinsam an einem Tisch saß", meint Cord Lefers. Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr zog dazu in einer Pressemitteilung gar folgenden Vergleich: „Der NABU verhält sich wie ein frisch verlobter Bräutigam, der trotzdem noch auf allen Dating-Portalen aktiv ist.“
Dabei sind die Forderungen beider Initiativen die gleichen, sie betreffen u.a. Maßnahmen zur Anlage von Blühstreifen, Düngevorgaben oder das Zulassen von Gewässerrandstreifen. "Es gibt keinen Grund, sich diesen Dingen zu verweigern. Aber dadurch habe ich weniger Ertrag, weniger Futterfläche für die Tiere und weniger Fläche, um Gülle aufzubringen", erläutert Speer, warum ein angemessener Ausgleich für die Landwirte unerlässlich sei. Da Betriebsgrößen und Bewirtschaftungsanforderungen im Land sehr unterschiedlich sind, müssten die Maßnahmen zudem betriebsindividuell vorgenommen werden, betont Kristina Gehrdau-Schröder.
Was sie beim Volksbegehren schwierig findet: "Die Menschen unterschreiben, ohne sich selbst zu verpflichten, etwas für den Erhalt der Umwelt zu tun. Die Förderung der Artenvielfalt und der Schutz der Umwelt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte nicht nur auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden", sagt sie. Verbraucher sollten deshalb auf Regionalität setzen und auch bereit sein, angemessene Lebensmittelpreise zu bezahlen. Oder auf Schotter- und Steingärten, die laut niedersächsischer Bauordnung ohnehin seit 2012 verboten sind, verzichten. Die gemeinsame Verantwortung sieht auch Cord Lefers: "Mal Bahnfahren statt Flugreise oder Blühwiese statt englischem Rasen. Artenschutz und Biodiversität lassen sich nicht in einem Jahr machen. Da muss man dran bleiben", sagt der Obstbauer, der seit mehr als zehn Jahren Blühstreifen auf seinem Obsthof pflegt. 2019 legte er erstmals und in diesem Jahr erneut eine ein Hektar große Fläche für 150 Bienenweiden an. "Das geht nur mit Unterstützung. Denn die Fläche steht nicht für den Obstbau zur Verfügung." Und so konnten die Verbraucher Patenschaften für die Bienenweiden übernehmen.
Kristina Gehrdau-Schröder macht deutlich: "Unsere Aufgabe ist es, Nahrung zu produzieren. Wir Landwirte sollen zu Weltmarktpreisen produzieren mit Umweltauflagen, die zu höheren Preisen führen. Wenn wir den Preis nicht halten können, wird günstigere Ware aus dem Ausland geholt, wo niemand weiß, wie dort die Produktionsbedingungen sind."

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Bianca Marquardt aus Tostedt

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