Afrikanische Schweinepest: "Reduzierung der Wildschweinpopulation reicht nicht aus"

Dr. Astrid Krüger

(bim). Das Thema Schweinepest beschäftigt derzeit bundesweit Landwirte, Jäger und Verbraucher. Das WOCHENBLATT fragte bei Dr. Astrid Krüger, Kreisveterinärin des Landkreises Harburg, nach, wie sich die Krankheit äußert und weshalb sie so gefährlich ist.
WOCHENBLATT: Was ist der Unterschied zwischen der Europäischen und der Afrikanischen Schweinepest? Um welche Art Erkrankung geht es derzeit in den Medien?
Dr. Astrid Krüger: Derzeit warnen Medien und Veterinärbehörden vor den Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest. Sowohl die Afrikanische Schweinpest als auch die Europäische oder Klassische Schweinepest sind Viruserkrankungen und anzeigepflichtige Tierseuchen. Sie zeigen ähnliche Symptome und werden durch unterschiedliche Viren verursacht. Beide Krankheiten unterscheiden sich zudem in der Erkrankungsrate und in der Sterblichkeit infizierter Tiere.
WOCHENBLATT: In Tschechien waren Ende vergangenen Jahres 141 Wildschweine mit Afrikanischer Schweinepest bekannt. Wieviele sind es jetzt?
Astrid Krüger: Insgesamt waren bisher 191 verendete und 15 erlegte Tiere ASP-positiv laut dem Tschechischen Veterinärdienst, Stand 8. Januar 2018.
WOCHENBLATT: Wieviele Fälle sind aus Polen bekannt?
Astrid Krüger: In Polen sind 170 ASP positive Wildschweine gefunden worden (OIE – World Organization of Animal Health, Stand 9. Januar 2017).
WOCHENBLATT: Wie äußert sich Schweinepest und wie wird sie – auch auf Hausschweine – übertragen?
Astrid Krüger: An der ASP erkranken Tiere aller Altersklassen. Bei der klassischen Schweinpest erkranken jüngere Tiere in der Regel stärker als ältere oder erwachsene Tiere. Bei Sauen und Ebern sind oft nur sehr mild ausgeprägte, vorübergehende Krankheitserscheinungen zu beobachten, während bei Ferkeln häufig eine hohe Todesrate zu verzeichnen ist. Ihre Symptome der ASP sind unspezifisch und können auch auf andere Krankheiten hinweisen. Deswegen kann die Krankheit auch leicht verwechselt werden. Sie führt zu schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit.
Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in der Mehrzahl der Fälle zum Tod des Tieres innerhalb einer guten Woche. Es besteht natürlich eine große Gefahr, dass die ASP von Wildschweinen auf Hausschweine übertragen wird. Das größte Risiko geht von Blut und dem direkten Kontakt von Wild zu Haustieren aus. Deswegen sind in Schweinefreilandhaltungen die Biosicherheitsmaßnahmen, wie z.B. die doppelte Einzäunung besonders wichtig. Schweinehaltende Jäger sind zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Die Krankheit ist aber nicht auf den Menschen übertragbar.
WOCHENBLATT: Welche Folgen hat die Schweinepest bzw. weshalb ist sie so gefährlich, wenn sie doch nicht auf den Menschen übertragbar ist?
Astrid Krüger: Zum einen führt die ASP durch ihre hohe Erkrankungs- und Sterberate zu sehr viel Leiden und Schmerzen bei den Tieren. Zum anderen führt die Tierseuche bei einem Ausbruch zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden für schweinefleischproduzierende Betriebe. Im Falle eines Ausbruchs unterliegen schweinehaltende Betriebe erheblichen Restriktionsmaßnahmen bis hin zur Tötung ganzer Tierbestände und ganz Deutschland wird beim Handel von Schweinefleisch reglementiert und vom Handel ausgeschlossen.
WOCHENBLATT: Ist das Abschießen von Wildschweinen zur Bekämpfung der Schweinepest sinnvoll?
Astrid Krüger: Eine Reduzierung der Population vor Einschleppung der Tierseuche ist wünschenswert, reicht aber im Ausbruchsfall als alleinige Bekämpfungsmaßnahme nicht aus.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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