Beratungsbüro des Herbergsvereins Tostedt sucht Alltagsbegleiter

Wenn Wolfgang Marquardt (li.) und Peter Schmidt gemeinsam einkaufen, wirkt es, als wären gute Freunde unterwegs. Doch eigentlich unterstützt Wolfgang Marquardt den sehbehinderten Peter Schmidt in vielen Situationen als Alltagsbegleiter. Menschen wie er werden dringend gebraucht
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bim. Tostedt. Das betrifft jeden von uns: Wenn wir älter werden, fallen viele alltägliche Aufgaben schwerer. Sei es das Besteigen einer Leiter, um Gardinen aufzuhängen, oder das Schleppen von Einkaufstüten. Dann wünschen wir uns jemanden an unserer Seite, der uns hilft. Diese Aufgaben übernehmen seit August 2014 Alltagsbegleiter, die vom Beratungsbüro für Pflege und Soziales des Herbergsvereins, Altenheim und Diakoniestation zu Tostedt, vermittelt werden. "Wir haben über 100 Kunden, die wir in der Häuslichkeit im Alltag betreuen", berichtet Christine Petersen, die neben den Beratungen auch die Alltagsbegleiter koordiniert.
Alltagsbegleiter helfen Senioren ehrenamtlich gegen eine kleine Aufwandsentschädigung beim Einkaufen oder im Haushalt, begleiten zu Ärzten, unterstützen bei behördlichen Angelegenheiten oder leisten einfach nur Gesellschaft.
Wolfgang Marquardt ist seit September 2014 und damit von Anfang an als Alltagsbegleiter im Einsatz. "Ich wollte etwas Anspruchsvolles machen. Meine Frau Renate zeigte mir den Flyer des Herbergsvereins und meinte: 'Vielleicht hast du ja Lust dazu'", erinnert er sich. Seit 2015 begleitet er Peter Schmidt, der zwar körperlich noch fit, aber durch seine starke Sehbehinderung eingeschränkt ist. "Wir kaufen gemeinsam ein, ich arbeite seine Unterlagen durch, lese Briefe vor und erledige Telefonate", berichtet Wolfgang Marquardt. "Jedes Jahr muss alles neu beantragt werden, u.a. der Blindenpass, Taxifahrten und der Pflegegrad. Und wir klönen viel."
Peter Schmidt war 2009 zu seinem Sohn nach Tostedt gezogen, der allerdings beruflich viel unterwegs ist und inzwischen auch berufsbedingt woanders lebt. "Mein Sehvermögen ließ immer mehr nach. Die Gartenarbeit konnte ich irgendwann nicht mehr machen. Mir fiel die Decke auf den Kopf", sagt er. Schließlich wurde ihm Wolfgang Marquardt als Alltagsbegleiter vorgestellt. "Wir sind auf einer Wellenlänge, haben jetzt ein freundschaftliches Verhältnis", freut sich Peter Schmidt, der nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Unterstützung bei den teils schwierigen Gesprächen mit der Krankenkasse schätzt. "Er ist eine Bereicherung", sagt Peter Schmidt.
Und das beruht auf Gegenseitigkeit: "Ich bekomme viel Bewunderung, weil ich mich auf diese Weise ehrenamtlich engagiere. Aber ich bekomme ebenso viel zurück", so Wolfgang Marquardt.
Auch Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel begrüßt diese Angebote. Noch bevor es das Beratungsbüro und die Alltagsbegleitung gab, habe er mit dem früheren Herbergsvereins-Geschäftsführer Peter Johannsen und mit Stefan Walnsch von der Verwaltung über Hilfen "von Menschen für Menschen" gesprochen, berichtet er.
• Wer sich als Alltagsbegleiter engagieren möchte, meldet sich im Beratungsbüro unter Tel. 04182-8062949 oder in der Diakoniestation unter Tel. 04182-2009143 sowie per E-Mail: beratungsbuero@herbergsverein-tostedt.de. Ursprünglich nannte sich das vom Herbergsverein Tostedt ins Leben gerufene Angebot "Nachbarschaftshilfe". Eine Anschubfinanzierung erfolgte über das Programm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ des Bundesfamilienministeriums, mit dem die Versorgungsstruktur älterer Menschen, die noch nicht auf Pflege angewiesen sind, verbessert wird. Die Samtgemeinde Tostedter steuerte in den ersten drei Jahren jährlich 5.000 Euro bei.An den Personalkosten beteiligt sich das Diakonische Werk Niedersachsen mit 20.000 Euro für drei Jahre. Hilfe für
Nachbarn Das Beratungsbüro in der Bahnhofstraße 17 wurde 2014 ins Leben gerufen als Anlaufstelle für Senioren, Angehörige und Hilfesuchende, um sie rund um die Themen Pflege und Wohnen im Alter zu beraten. Eine Anschubfinanzierung erfolgte über das Programm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ des Bundesfamilienministeriums mit 20.000 Euro für drei Jahre. An den Personalkosten beteiligte sich das Diakonische Werk Niedersachsen mit 20.000 Euro für drei Jahre. Die Samtgemeinde Tostedter steuerte in den ersten drei Jahren jährlich 5.000 Euro bei.
Seither muss sich das Büro selbst tragen. Die Einnahmen des Herbergsvereins würden zur Mitfinanzierung verwendet, berichtet Helge Johannsen. Außerdem werden Spenden gesammelt - im vergangenen Jahr 13.500 Euro.
Der Bedarf für die Arbeit des Beratungsbüros ist groß: Im vergangenen Jahr gab es 1.481 persönliche und telefonische Kontakte. In diesem Jahr waren es bis Ende Oktober schon 1.660 Kontakte.
Um die Versorgungsstruktur älterer Menschen, die noch nicht auf Pflege angewiesen sind, zu verbessern, wurde auch bereits 2014 die "Nachbarschaftshilfe" ins Leben gerufen. Das Beratungsbüro

Wenn Wolfgang Marquardt (li.) und Peter Schmidt gemeinsam einkaufen, wirkt es, als wären gute Freunde unterwegs. Doch eigentlich unterstützt Wolfgang Marquardt den sehbehinderten Peter Schmidt in vielen Situationen als Alltagsbegleiter. Menschen wie er werden dringend gebraucht
Werben für die Unterstützung als Alltagsbegleiter (v. li.): Bürgermeister Gerhard Netzel, 
Herbergsvereins-Geschäftsführer Helge Johannsen, Christine Petersen vom Beratungsbüro sowie Peter Schmidt und Wolfgang Marquardt   Foto: bim
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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