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Vermisste Schülerin ist wieder da

Eltern fürchten um das Wohl ihrer Kinder
Drei Schulleiterinnen in einem halben Jahr

Sind sauer über das Vorgehen der Schulbehörde: die Elternvertreter (v. li.) Evelyn Beisner, Eduard Dederer, Dominica Gabriel, Sylvia Brechmacher, Heike Severloh und Christina Wagner
  • Sind sauer über das Vorgehen der Schulbehörde: die Elternvertreter (v. li.) Evelyn Beisner, Eduard Dederer, Dominica Gabriel, Sylvia Brechmacher, Heike Severloh und Christina Wagner
  • Foto: bim
  • hochgeladen von Bianca Marquardt

bim. Otter. Eltern von Grundschulkindern in Otter sind empört, viele der Mädchen und Jungen traurig: Die bisherige, kommissarische Schulleiterin*, die bei Eltern und Kindern beliebt war, wurde jetzt versetzt - nach nur wenigen Monaten im Amt. Ihre Nachfolgerin nimmt ihren Dienst erst zum 1. März auf. So lange wird die Schule kommissarisch von Iris Strunk geleitet, aktuell Leiterin der Oberschule Jesteburg und früher der Sonnenschule in Bendestorf.
Bis vergangenen Sommer war die Grundschule Otter vier Jahre lang von Anke Gühne geleitet worden, die nun in Heidenau Förderschullehrerin ist. Eine der Klassenlehrerinnen übernahm die kommissarische Leitung und überzeugte mit ihrem Auftreten und ihrer Arbeit. Dass sie bereits wieder abberufen und versetzt wird, halten die acht Elternvertreter der Grundschule für pädagogisch verheerend, da ihren Kindern - gerade in den ohnehin belastenden Corona-Zeiten - binnen eines halben Jahres drei Schulleiterinnen "vorgesetzt" werden. Schließlich ist die Arbeit mit Kindern auch Beziehungsarbeit und beruht auf Vertrauen, das die Kinder zu der kommissarischen Schulleiterin, die sie jahrelang kannten, hatten. "Man hätte zumindest bis zum Schuljahresende warten können", meint Eduard Dederer.
Die Elternvertreter betonen, dass es sich ausschließlich um ein Eltern-Anliegen handelt und sie die jetzt verabschiedete, kommissarische Schulleiterin nicht in die Öffentlichkeit zerren oder der neuen Schulleiterin Probleme bereiten möchten. Sie fürchten vielmehr um das Wohl ihrer Kinder und ärgern sich über das Verhalten der Schulbehörde.
Seit Dezember bemühen sich die Eltern, Gehör für ihr Anliegen zu erhalten. Doch von der Schulbehörde in Lüneburg fühlen sie sich nicht ernstgenommen. Im Gegenteil: Sie glauben, dass die Behörde ihre Macht demonstrieren und ein Exempel statuieren wolle.
Die Pressestelle der Schulbehörde beruft sich darauf, dass die bisherige kommissarische Schulleitung vergangenes Jahr den Wunsch nach einer Versetzung an eine andere Schule zum 1. Februar geäußert und diesen im September auch schriftlich bestätigt habe. Nach Informationen der Elternvertreter habe die von ihnen favorisierte Lehrkraft allerdings inzwischen Freude an der Arbeit als Schulleiterin gehabt und im Dezember ihre Bewerbung um die Schulleiterstelle nachgereicht. Die Behörde weigere sich jedoch, diese zu berücksichtigen, und hole stattdessen den zwischenzeitlich abgelehnten Versetzungsantrag wieder hervor.
In einem Telefonat eines Elternvertreters mit der Schulbehörde sei ein Verbleib der kommissarischen Schulleiterin ausgeschlossen worden, weil ihre Bewerbung verspätet eingegangen und die Stelle für eine andere Bewerberin vorgesehen sei. Widerstand sei hier zwecklos, habe die Behörde mitgeteilt. Diese Informationen seien aber wahrheitswidrig, betonen die Eltern. "Die Judikatur gibt hier vor, dass Bewerbungen noch bis zum fortgeschrittenen Auswahlverfahren zu berücksichtigen sind", weiß Eduard Dederer.
"Es kann nicht das Anliegen der Schulbehörde sein, die erreichte Konstanz und guten Entwicklungen der Grundschule Otter zu zerstören!", heißt es in einem Brief der Eltern an Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Der wird darum gebeten, "dem offenkundig willkürlichen Verhalten der Schulbehörde Lüneburg Einhalt zu gebieten".
Und die Eltern machen auf die prekäre Situation aufmerksam: "Diesen Wechsel mitten im Lockdown zu forcieren, in dem sich unsere Kinder ohnehin an jedes bisschen Beständigkeit klammern und sich nichts mehr wünschen als Normalität, ist wirklich unfassbar! Die Kinder sind bereits an ihren Grenzen angekommen." Die Kinder würden sich in den Schlaf weinen, weil sie nicht mehr können - die Schule geschlossen, keine Kontakte und überall Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Viele Kinder zeigten Verhaltensauffälligkeiten. "Und jetzt wird ihnen auch noch die (Klassen-)Lehrerin genommen." Auch die Grundschüler der dritten und vierten Klasse haben herzzerreißende Briefe an den Kultusminister verfasst.
Kultusminister Tonne stellt sich in seiner Antwort hinter die Schulbehörde, verweist jedoch gleichzeitig auf das noch nicht abgeschlossene Verfahren der Auswahlkommission. Elternvertreter Dederer sieht das positiv: "Für ein echtes Auswahlverfahren, muss man eine Auswahl haben", sagt er.
* Alle Namen sind der Redaktion bekannt

Das sagt die Landesschulbehörde zum "Schulleiterkarussell"

Laut Landesschulbehörde war die Schulleiterstelle an der Grundschule Otter im April 2020 zum ersten Mal ausgeschrieben. Da keine Bewerbungen eingegangen seien, sei die Stelle erneut ausgeschrieben worden. Auf die zweite Ausschreibung sei im September eine Bewerbung eingegangen - die der künftigen Schulleiterin. Das übliche Stellenbesetzungsverfahren sei eingeleitet worden. "Gehen lange nach der Eröffnung eines solchen Verfahrens weitere Bewerbungen nach Ablauf der Bewerbungsfrist ein, ist das grundsätzlich noch kein Grund, das Verfahren zu stoppen und gegebenenfalls ein neues in die Wege zu leiten", teilt die Pressesprecherin der Behörde auf Anfrage mit. Im Übrigen sei die Schulbehörde gehalten, "Schulleitungen nach Eignung, Leistung und Befähigung auszuwählen - und das unabhängig davon, ob die Entscheidung dadurch auf eine 'fremde' Person fällt".
Dass die Elternschaft nicht beteiligt werden sollte, sei unzutreffend, da die Gesamtkonferenz (Schulvorstand) zu einem Besetzungsvorschlag aufgefordert gewesen sei.
Dass die neue Schulleiterin nicht bereits zum 1. Februar ihren Dienst an der Grundschule Otter antreten konnte, gründe in formalen, bürokratischen Abläufen, die ohnehin umfangreich seien und in diesem Fall auch noch zwischen zwei Bundesländern abgewickelt werden mussten, die teilweise auch noch "bundeslandspezifische Formalitäten" hätten.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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