Dramatischeren Pflegenotstand suggerieren
Fake-Annoncen gegen die Impfpflicht

Viele Pflegekräfte arbeiten am Rande ihrer Kräfte. Ab Mitte März gilt eine Impfpflicht - zunächst in Gesundheits- und Pflegeberufen
  • Viele Pflegekräfte arbeiten am Rande ihrer Kräfte. Ab Mitte März gilt eine Impfpflicht - zunächst in Gesundheits- und Pflegeberufen
  • Foto: Adobe Stock / Robert Kneschke
  • hochgeladen von Bianca Marquardt

(bim). Bundesweit werden aktuell Anzeigenblätter mit Stellengesuchen von Pflegekräften überschüttet, die ungeimpft sind und ab Mitte März - dann soll die Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal gelten - angeblich nach neuen "Wirkungskreisen" und "Herausforderungen" suchen. So auch das WOCHENBLATT. Allerdings handelt es sich dabei offenbar um eine Kampagne von Impfgegnern. "Keine seriöse Krankenschwester würde eine solche Stellenanzeige schalten", erklärte eine medizinische Fachkraft dem WOCHENBLATT.

In den jüngsten Mittwochs- und Samstagsausgaben suchten angebliche Altenpflegerinnen, (Kinder-)Krankenschwestern und Palliativkräfte - nach eigenen Angaben allesamt ungeimpft - mit erstaunlich ähnlichen Formulierungen nach neuen Jobs. Auch zwei angeblich ungeimpfte Bürokauffrauen, 56 und 59 Jahre alt, inserierten. Aufgegeben wurden beide Stellengesuche von der gleichen Inserentin ...
Aufgefallen ist die ungewöhnliche Anzeigenflut zuerst dem rbb-Journalisten Andreas Rausch. In einem Anzeigenblatt aus Bautzen (Sachsen) entdeckte er 126 (!) Stellengesuche von Ungeimpften aus dem Gesundheitswesen auf der Suche nach Alternativen und telefonierte diese ab. Ergebnis: Die Telefonnummern waren überwiegend falsch bzw. nicht vergeben.
Wegen offensichtlich konzertierter
Aktion misstrauisch geworden

Im WOCHENBLATT waren es in der Mittwochs- und Samstagsausgabe zusammen rund 20 Annoncen, fast durchweg von Frauen. Zugegeben, auch die WOCHENBLATT-Redaktion war zunächst beunruhigt ob der vielen ungeimpften Pflegekräfte auf Jobsuche. Unwillkürlich stellten wir uns die Frage: Werden die Krankenhäuser und Seniorenheime, deren Kräfte ohnehin zumeist am Limit arbeiten, nun noch aufgrund Personalmangels an ihre Grenzen getrieben? Bis auch wir wegen der offensichtlich konzertierten Aktion misstrauisch wurden und nachhakten. Die Redaktion nahm stichprobenartig telefonisch Kontakt zu den Inserentinnen auf, Ergebnis: "Kein Kommentar", "Ich werde mich beschweren" oder eine Diskussion um Sinn oder Unsinn einer Impfpflicht. Überwiegend wurden bei den Annoncen Antworten per Chiffre erbeten, Rückfragen also unerwünscht.

Die AfD hatte Mitte Dezember 2021 einen Aufruf gestartet und impfunwillige Angehörige aus Heil- und Pflegeberufen gesucht und "Unterstützung" angeboten. Wie diese aussehen soll, blieb in dem Schreiben unbeantwortet.

Nach WOCHENBLATT-Informationen liegt die Impfquote bislang in den Kliniken bei mehr als 90 Prozent. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) schätzt, dass ungefähr zehn Prozent der Mitarbeitenden bei den niedergelassenen Ärzten nicht oder nicht vollständig immunisiert sind.
Diese Zahlen stimmen mit den Erfahrungen von Wolfgang Heibuch vom Pflegebündnis Hannover-Hildesheim-Lehrte überein. Bei ihm in der Einrichtung und bei Kollegen lägen die Impfquoten zwischen 85 und 95 Prozent.
Auch in den Pflegeeinrichtungen wird die Impfpflicht natürlich kontrovers diskutiert. "Es ist schwierig, nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, nur in der Pflege und medizinischen Berufen, die Impfpflicht aufzuerlegen. Mit einer allgemeinen Impfpflicht würde ich mich persönlich weniger schwertun", sagt Heibuch, der nach eigenen Angaben selbst geimpft und geboostert ist.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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