Geschirr aus Kochbananen
Nachhaltigkeit ja, aber sie darf nichts kosten

Reza Zaman Daraei vor einer Kochbananenplantage
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  • Reza Zaman Daraei vor einer Kochbananenplantage
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bim. Tostedt. Reza Daraei aus Tostedt ist ein echter Tausendsassa. Der gebürtige Perser, der in Hittfeld und Buchholz aufgewachsen ist, verdiente seinen Lebensunterhalt in vielen Ländern der Welt u.a. als DJ, Barkeeper und Restaurantleiter, und er hat dauernd neue Ideen. So brachte er von einem Aufenthalt in Kolumbien von den Wayuu-Indianern bunte, gehäkelte Beutel mit. "2014 war ich damit Ausstatter von 'Germanys Next Topmodel'. Da haben die Mädels die Taschen getragen, die ich mit meiner eigenen Modemarke 'Wayuuu' zwischen 2011 und 2016 in Deutschland vertrieben habe", berichtet er. Mit dem Erlös habe er auch rund 400 kolumbianische Kinder mit Schulmaterial unterstützt. Sein jüngster Coup: Mit seinem Geschirr aus frittierten Kochbananen wollte Reza Daraei ein nachhaltiges Produkt in der Gastronomie etablieren, durch das Müll vermieden wird. Er musste aber feststellen, dass Nachhaltigkeit zwar buchstäblich in aller Munde ist, sie aber nichts kosten darf.
In Kolumbien seien Kochbananen (Patacones) so beliebt und verbreitet wie in Deutschland die Kartoffel. Sie sind laktose-, fructose- und glutenfrei und enthalten viel Stärke.  "Sie werden frittiert, in eine runde Form gebracht wie eine Pizza und dann belegt. Das bricht man ab und isst es", erläutert Reza Daraei. "Ich dachte, es wäre doch toll, daraus umweltfreundliches Geschirr zu machen. Es ist geschmacksneutral, knusprig und gesund und auch für Diabetiker geeignet." Das Geschirr könne man nicht nur essen. "Wenn man es in die Natur schmeißt, verrottet es, oder irgendein Tier frisst es."
In Kolumbien fand er jemanden, der seine Vorstellungen umsetzte. Es entstanden Kochbananenschalen in verschiedenen Größen, Waffeln und Probierlöffel. Reza Daraei testete, wie der Transport von Kolumbien nach Deutschland funktioniert. In einem Labor in Geesthacht sei das Kochbananengeschirr zudem mit Blick auf die Vorgaben des Gesundheitsamtes hin untersucht worden. Nachdem die Logistikfragen geklärt und die Unbedenklichkeit bestätigt wurde, stellte der Tostedter sein nachhaltiges Geschirr im Jahr 2018 auf drei Fachmessen vor.
"Die Resonanz war immer positiv, es gab viele Interessenten. Aber letztlich war niemand bereit, von Plastik und Pappe auf Kochbanane umzustellen. Es scheiterte am Preis", sagt Reza Daraei. Einzelne Kunden würden nichts bringen, er hätte schon mehrere Großabnehmer gebraucht, erklärt der Tostedter, weshalb er das Bananengeschirr-Geschäft kürzlich aufgegeben hat. Dabei sei es nur ca. zehn Cent teurer als Geschirr aus Esspapier und 30 bis 70 Cent teurer im Einkauf für den Kunden. 
Was ihn ärgert, sind die Ausreden, mit denen seine Innovation teilweise abgelehnt wurde. "Ich wurde gefragt: Was ist mit dem CO₂, weil das Geschirr per Flugzeug transportiert wird. Aber es wird mit den europäischen Passagier-Airlines eingeflogen, die ohnehin täglich zwischen Kolumbien und Deutschland verkehren", so Reza Daraei. Geschirr aus Palmblättern oder Holz oder die süßen Bananen würden schließlich auch u. a. aus Lateinamerika importiert. "Auch die Büffelmilch für italienischen Mozzarella kommt aus Kolumbien." Ein Transport mit dem Schiff schied wegen der begrenzten Haltbarkeit der frittierten Kochbananen von sechs Monaten aus.
Nun arbeitet Reza Daraei bereits an einem neuen Produkt: Gemeinsam mit einer Spanierin will er eine Bio-Fairtrade-Schokolade mit Panela statt raffiniertem Zucker auf den Markt bringen. "Ich warte auf die Musterware. Mitte Februar besuche ich die Messe in Nürnberg, um die Vertriebsmöglichkeiten auszuloten", so Reza Daraei.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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