Volkstrauertag: "Wir tragen Verantwortung für das, was heute geschieht"

Bürgermeister Gerhard Netzel

bim. Tostedt. Am kommenden Sonntag, 19. November, wird wieder der Kriegstoten und der Gewaltherrschaft in aller Welt gedacht. Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel liegt der Volkstrauertag besonders am Herzen. Er erklärt im WOCHENBLATT-Interview, warum dieses Gedenken nach wie vor seine Berechtigung hat.
WOCHENBLATT: Ist der Volkstrauertag heutzutage nur, wie von manchen kritisiert, unzeitgemäße Heldenverehrung?
Gerhard Netzel: Nein! Im Dritten Reich wurde der Volkstrauertag als „Heldengedenktag“ zur „Heldenverehrung“ gefeiert. Heute dient der Volkstrauertag nicht nur der ganz persönlichen Trauer der Angehörigen. Der Gedenktag fordert uns auch auf, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen und macht uns deutlich, dass wir Verantwortung tragen für das, was heute geschieht.
WOCHENBLATT: Wie kann man (junge) Menschen, die noch nie einen Krieg miterlebt haben, an das Gedenken heranführen?
Gerhard Netzel: Zunächst eine Gegenfrage: Leben wir nicht auch heutzutage im Krieg? Zwar nicht ganz so unmittelbar wie zu Zeiten der beiden Weltkriege. Aber auch heute sterben deutsche Soldatern auf den Kriegsschauplätzen der Welt im Dienst für den Frieden, und der Terror des IS trägt den Krieg zu uns.
Unsere Schulen nehmen das Thema auf, besuchen die Gedenkstätten wie Bergen-Belsen, den Golm auf Usedom und Kriegsschauplätze, um das Thema Krieg und Verfolgung aufzuarbeiten. Die Erich-Kästner-Realschule in Tostedt befasst sich intensiv mit dem Thema. Ganz persönliche Schicksale aus der Zeit des Dritten Reiches, aber auch aus der Gegenwart werden betrachtet. Seit fünf Jahren gestalten Schülerinnen und Schüler der Realschule die Gedenkfeier in Tostedt durch eigene Beiträge mit. Dadurch wird ihnen die Bedeutung des Volkstrauertages als Tag der Mahnung ganz bewusst.
WOCHENBLATT: Warum ist es wichtig, den Volkstrauertag beizubehalten?
Gerhard Netzel: Der Volkstrauertag ist ganz aktuell. Kriege gab es nicht nur im Gestern, sondern sind auch heute Mittel zur Durchsetzung bestimmter Ziele. Die Bereitschaft, aus der Geschichte lernen zu wollen, ist trotz der Vergangenheit nicht konsequent genug vorhanden. Der Volkstrauertag ist ein Tag gegen das Vergessen und ein Tag der Mahnung. Die Mahnung lautet: Lernt aus der Vergangenheit, achtet die Menschenwürde, überwindet den Hass, arbeitet für Frieden und Versöhnung!

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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