Geschlossene Grenzen
Reichen die Erntehelfer aus?

Ein Bild aus dem Vorjahr: die versammelten Erntehelfer des Cassenshof
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  • Ein Bild aus dem Vorjahr: die versammelten Erntehelfer des Cassenshof
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(bim). Im April und Mai freuen sich viele Menschen auf Spargel und Erdbeeren. Doch wegen der Beschränkungen zur Eindämmung der Coronainfektionen ist die Ernte in diesem Jahr für die Landwirte nur unter erschwerten Bedingungen zu meistern. Die Grenzschließungen der vergangenen Wochen machten es vielen Erntehelfern und Saisonarbeitskräften schwierig, überhaupt nach Deutschland einreisen zu können. Seit Mittwoch, 17 Uhr, wird u.a. Rumänen und Bulgaren die Einreise komplett verweigert. Doch die heimischen Landwirte sind überwiegend zuversichtlich, dass wir die roten Früchtchen und das Königsgemüse dennoch genießen werden.
Auf dem Hof Oelkers hat die Spargelernte bereits begonnen, wenn auch zunächst mit kleinen Mengen. Regulär sind zu Spitzenzeiten 75 Erntehelfer aus Polen, Rumänien und Bulgarien im Einsatz. 38 polnische Saisonkräfte sind bereits hier. Sie hatten in den vergangenen Wochen die Vorarbeiten geleistet. "Die Bulgaren fallen wohl ganz aus, weil sie verunsichert sind, ob sie gleich wieder zurückgeschickt werden und zwei Wochen in Quarantäne müssen", erläutert Bernd Oelkers. "Wir brauchen unbedingt noch Erntehelfer und hoffen, dass wir in den kommenden zwei Wochen noch genügend finden für die Hochzeit der Ernte, ansonsten müssen wir die Ärmel hochkrempeln." Dafür könnten auch deutsche Kräfte eingesetzt werden, von denen schon genügend Bewerbungen vorlägen. Allerdings: "Der Spargel wächst täglich und muss auch täglich gestochen werden", stellt Bernd Oelkers klar. Seinen polnischen Mitarbeitern wäre sicher kaum zu vermitteln, wenn die Deutschen nur von montags bis freitags arbeiten würden. Neben den Saisonkräften sieht Bernd Oelkers ein weiteres Problem darin, dass elf Polen, die ganzjährig auf dem Hof beschäftigt und derzeit auf Heimaturlaub sind, nicht wiederkommen.
Einschneidend ist natürlich für Familie Oelkers, dass die Gastronomie geschlossen ist. Der Hofladen, Klauenburg 6 in Wenzendorf, ist aber weiter täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet - zwar ohne Deko-Abteilung, dafür aber mit noch mehr regionalen Produkten.
Gut angenommen werde der Lieferservice, den der Hof Oelkers jetzt an drei Tagen in der Woche in der Region anbietet. Die Kunden geben dazu ihre Bestellung unter Tel. 04165-2220014 oder per E-Mail an: buero@hof-oelkers.de durch oder füllen das Bestellformular auf der Homepage (www.hofladen-oelkers.de) aus. Mit der Lieferung von Eiern, Kartoffeln, Gemüse oder den selbstgekochten Suppen vor die Tür der Kunden sei das Unternehmen nun wieder zu den Wurzeln des Hof Oelkers zurückgekehrt. Und das kommt bei den Kunden gut an. "Manche Kunden fänden es toll, wenn der Lieferservice nach der Coronakrise weitergeführt wird", berichtet Bernd Oelkers. Er ist froh, dass mit dem Lieferservice, an den Spargelverkaufsstellen oder im Hofladen die Mitarbeiter aus dem Restaurant überwiegend aufgefangen werden könnten. "Wir sind begeistert von dem Umdenken, dass alle bereit sind, in andere Sparten zu schauen. Wir wollen niemanden entlassen", so Oelkers, der dankbar ist, dass Familie und betriebliche Familie so toll zusammenhalten.
• Auf dem Cassenshof in Handeloh-Inzmühlen soll die Spargelernte am 4./5. April beginnen. Derzeit sind dort bereits drei rumänische Helfer mit Folienarbeiten betraut. "Die drei Jungs sind unsere sichere Bank", sagt Juniorchefin Teresa-Marie Pelka. Daneben sind auf dem Hof ganzjährig sieben feste polnische Kräfte beschäftigt, die sich eigentlich um Aufgaben wie Treckerfahren oder Ställeausmisten kümmern, aber auch im Spargelstechen langjährige Erfahrungen haben und nun mit in der Ernte eingesetzt werden.
Die in diesen Tagen erwarteten 20 rumänischen Spargelstecher dürfen nun nicht mehr einreisen. "Zehn weitere polnische Helfer, die sonst zur Spargelsaison hier wären, kommen nicht, weil sie Angst haben, nicht wieder in ihre Heimat zurückreisen zu können bzw. zwei Wochen in Quarantäne zu müssen", so Teresa-Marie Pelka.
Begeistert ist sie von der Hilfsbereitschaft, die der Cassenshof erfährt. Viele Studenten, Schüler oder Kellner hätten ihre Hilfe beim Spargelstechen angeboten. Doch ist Teresa-Marie Pelka diesbezüglich skeptisch. "Wer einmal Spargel gestochen hat, weiß, wie anstrengend das ist."
Im Jahr 2005 wurde von der Bundesregierung eine Eckpunkteregelung eingeführt, die vorsah, dass 20 Prozent deutsche Arbeitslose als Saisonarbeitskräfte eingesetzt werden sollen. Das Problem: "Von hundert Leuten hält einer durch", so die Erfahrung der Spargelbauern. "Ich finde es aber positiv und bewegend, welche Unterstützung wir Landwirte derzeit erfahren. Aber es muss auch die Masse vom Feld kommen."
Und das auch, obwohl die Gastronomie in dieser Saison als Abnehmer weitgehend ausfällt. Der Verkauf läuft über den Hofladen, Im Seevegrund 2, (täglich geöffnet von 8 bis 18 Uhr) und über den Lebensmittelhandel. Info: www.cassenshof.de und tel. 04188-899640 (Hofladen)
• Beim Tostedter Obsthof Busch beginnt die Erdbeer-Ernte im Mai. "Was bis dahin ist, weiß niemand", so Tobias Busch. Regulär beschäftigt er 200 Erntehelfer, davon ein Drittel aus Polen und zwei Drittel aus Rumänien. Auch er hat schon zahlreiche Hilfsangebote von deutschen Arbeitnehmern erhalten. "Wir nehmen jetzt alle Bewerbungen auf",erklärt Tobias Busch. "Wir werden sicherlich Schwierigkeiten bekommen, in Deutschland alle Spargel- und Erdbeerfelder zu beernten. Aber wir werden unser Bestes geben", sagt er. Der Verkauf sei gesichert, in der Regel durch Studenten, die jetzt auch vermehrt nachfragten.
Da die Gemüse- und Beeren-Anbauer zurzeit nicht wissen, ob oder wie viele Saisonkräfte aus Osteuropa einreisen dürfen, weist die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen nun auf das Portal AgrarJobBörse (AJB) hin, mit dem Betriebe Erntehelfer finden können und Arbeitswillige die Gelegenheit erhalten, ihre Unterstützung in der Ernte anzubieten. Das Portal ist ein gemeinsames Projekt aller Landwirtschaftskammern in Deutschland und enthält Angebote und Gesuche aus ganz Deutschland. Menschen auf Jobsuche können auf www.agrarjobboerse.de über ein Formular ein Stellengesuch eintragen.

Ein Bild aus dem Vorjahr: die versammelten Erntehelfer des Cassenshof
Teresa-Marie Pelka (li.) und Marion Voß vom Cassenhof sehen der Spargelernte optimistisch entgegen
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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